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Ölversorgung: Opec senkt Fördermenge überraschend

Die Organisation erdölexportierender Länder hat auf den jüngsten Verfall der Rohölpreise reagiert und eine Drosselung der Fördermenge beschlossen. Opec-Präsident Khelil erwartet dennoch weiter sinkende Preise.

Wegen der stark gesunkenen Rohölpreise wird die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ihre Förderung um rund 520.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag kürzen. Angesichts der "überversorgten Märkte" werde man ab sofort auch auf eine strikte Einhaltung der neuen Förderquoten achten, erklärte der amtierende Opec-Präsident Chakib Khelil nach einer Nachtsitzung der 13 Ölminister in Wien. Vor allem Saudi-Arabien hatte seit August deutlich mehr Rohöl gefördert als von der Opec vorgesehen.

Die OPEC reagierte damit auf den jüngsten Verfall der Ölpreise, die seit ihrem Hoch im Juli mit knapp 150 Doller pro Barrel um rund 30 Prozent nachgegeben hatten. Die für Europa wichtige Nordsee-Ölsorte Brent war am Dienstagabend in London sogar unter die Marke von 100 Dollar gefallen - den tiefsten Stand seit Anfang April.

Die Entscheidung kam letztlich überraschend. Opec-Analysten hatten damit gerechnet, dass die Konferenz die Quoten zumindest bis zur nächsten außerordentlichen Sitzung am 17. Dezember in Oran (Algerien) nicht antasten würde.

Weiter fallende Preise erwartet

Offiziell senkte die Konferenz der Ölminister die bisher gültige Förderquote von zurzeit 29,67 Millionen Barrel auf 28,8 Millionen Barrel. Dies entspreche der Quote vom September 2007, hieß es. Allerdings wurden bei der Berechnung die stark schwankende Förderungsmengen des Iraks und Indonesiens nicht mit einbezogen. Zuletzt lag die reale Förderung aller 13 Opec-Länder bei über 32 Millionen Barrel pro Tag.

Opec-Präsident Khelil betonte nach dem Treffen, er gehe davon aus, dass die Preise trotz der Verringerung der Produktion weiter fallen würden. Der zurzeit steigende US-Dollar werde sich mäßigend auf die Preise auswirken. Zuvor hatte Opec-Sprecher Omar Ibrahim erklärt, die gegenwärtige "Überversorgung" der Ölmärkte mache die Kürzung der Förderquoten nötig. Die jüngsten, deutlich gesunkenen Ölpreise deuteten zunehmen auf eine Veränderung des Trends zugunsten steigender Ölpreise hin. Nicht zuletzt aufgrund der starken Überproduktion Saudi-Arabiens von rund 600.000 Barrel täglich war der Preis für Rohöl in den vergangenen Wochen von rund 147 US-Dollar auf knapp über 100 US-Dollar am Dienstag gesunken.

Die neue Förderquote von 28,8 Millionen Barrel täglich schließt die neuen Opec-Mitgliedsländer Ecuador und Angola ein, nicht aber den Irak und Indonesien, das bei der Tagung in der Nacht zum Mittwoch seine Mitgliedschaft in der Organisation bis auf weiteres suspendiert hat.