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Post-Ärger: "Die Letzten in der Nahrungskette": Was stern-Leser über ihre Paketboten sagen

Kurz vor Weihnachten arbeiten die Paketdienste auf Hochtouren. Und leider läuft nicht immer alles rund. Wir haben unsere Leser nach ihren Erfahrungen gefragt - und jede Menge Ärger, aber auch Lob gehört.

Paketboten sind kurz vor Weihnachten im Dauereinsatz

Paketboten sind kurz vor Weihnachten im Dauereinsatz

Weihnachten rückt näher und bei manchen Paketkunden liegen die Nerven blank. Wenn jetzt irgendwas mit dem Päckchen schiefgeht, drohen an Heiligabend Dramen am Gabentisch. Gänzlich ausschließen lässt sich das wohl nicht. Denn der boomende Online- und Versandhandel treibt die Paketindustrie und ihre Zusteller an die Belastungsgrenze. Allein DHL befördert derzeit mehr als 7 Millionen Pakete täglich, kurz vor Heiligabend werden es sogar 8,5 Millionen sein.

Und mit der Zahl der Päckchen steigt auch die Zahl der Beschwerden. Die zuständige Bundesnetzagentur erwartet für dieses Jahr einen Anstieg der Beschwerdezahlen um ein Viertel. Und auch unsere Leser haben mit allerlei Schwierigkeiten zu kämpfen: Wir haben nach ihren Erfahrungen gefragt und zahlreiche Mails erhalten.

Welche Erfahrung haben Sie in letzter Zeit mit Postsendungen und Paketboten gemacht? Schildern Sie uns Ihre Erlebnisse - positiv wie negativ - an achtungkunde@stern.de. Wir veröffentlichen ausgewählte Beiträge anonym.

So wollte die Mutter unserer Leserin Joanna eigentlich auf Nummer sicher gehen. Sie sendete ihr Weihnachtspaket schon am 6. November los, damit es die nach Neuseeland ausgewanderte Tochter auch ja rechtzeitig erreicht. Doch daraus wurde nichts. Am 7. November wurde es zuletzt in Frankfurt gesehen, danach verliert sich die Spur. Neuseeland jedenfalls erreichte das Päckchen voller deutscher Weihnachtsspezialitäten nicht, alle Nachforschungsaufträge blieben erfolglos. "Dieses Jahr hat uns die Deutsche Post wirklich unseren letzten Nerv geraubt", schreibt Joanna.

Paket-Ärger mit Benachrichtigungszetteln

Aber auch auf innerdeutschen Wegen kann viel passieren: Eine Sendung von Leserin Karin ging zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember mehrfach zwischen Absender, und Packstation hin und her, bevor es schließlich in einer Packstation am anderen Ende der Stadt landete. "Im 21. Jahrhundert braucht ein Paket von Sachsen nach Baden-Württemberg viereinhalb Wochen! Respekt!", schreibt sie.

Ein zunehmendes Ärgernis, das zeigte schon der Beschwerdebericht der Netzagentur, sind Benachrichtigungszettel à la "Wir haben Sie leider nicht angetroffen", obwohl den ganzen Tag jemand zu Hause war. Melanie aus Mainz berichtet, sie habe den Paketboten sogar vom Balkon aus beobachtet und sich noch gewundert, dass er ohne Paket aus seinem Wagen ausgestiegen und zur Haustür gelaufen sei. "Als ich einige Zeit später in meinem Briefkasten nachsah, war dort eine Benachrichtigungskarte, dass man mich nicht angetroffen hätte. Ich solle mein Paket am nächsten Tag in der Postfiliale abholen." 

In flagranti erwischt: Hier hantiert der Paketbote des Grauens

Die Schuld sehen die Kunden allerdings nicht zwingend bei den Boten, die gerade zur Weihnachtszeit häufig hoffnungslos überlastet sind. "Die Zusteller sind doch auch nur die letzten in der Nahrungskette, aber leider die, die greifbar sind", bringt es ein Leser auf den Punkt. Und es gibt auch Lob für die Paketboten: "Mein -Stammzusteller ist spitze und macht einen guten Job!!!!", schreibt Bernd aus Berlin. "Probleme gibt's eigentlich nur, wenn der Stammzusteller frei hat oder krank ist", fügt er hinzu. Dann taucht auch bei ihm das Problem mit den Benachrichtigungskarten auf.

DHL sieht sich für Weihnachten gut gerüstet

Der größte Zusteller DHL verneint auf Anfrage ein flächendeckendes Problem mit Paketlieferungen. Unterm Strich erreichten 94 Prozent der Briefe und 90 Prozent der Pakete bereits am nächsten Werktag ihre Empfänger, betont das Unternehmen. Mit 10.000 Aushilfskräften und mehr als 12.000 zusätzlichen Fahrzeugen sieht man sich für das Weihnachtsgeschäft gut gerüstet. Natürlich könne es in einzelnen Zustellbezirken aus verschiedenen Gründen zu Problemen kommen, etwa wegen kurzfristiger Erkrankungen oder Witterungseinbrüchen, erklärt eine DHL-Sprecherin. "Wir nehmen jede einzelne Beschwerde ernst und sind immer bereit, den konkreten Fällen nachzugehen."

Vereinzelt berichten unsere Leser auch von beschädigten Paketen. Laut einem Test des Deutschen Instituts für Service-Qualität wird jedes vierte Paket zu rabiat behandelt. Gemessen daran halten sich die Beschwerden unserer Leser noch in Grenzen. Ärgerlichster Fall aus dieser Kategorie: Ein Leser, der Handy und Hülle bestellt hatte, erhielt ein aufgeschlitztes Paket, bei dem das Mobiltelefon fehlte. Für den Verlust treffe den Paketdienst keine Schuld, erhielt der Kunde auf Nachfrage zur Antwort.

Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Verantwortung für eine verloren gegangene Sendung nicht beim Empfänger liegt, sondern bei Absender und Transportunternehmen. Der Absender müsse sich in der Regel auch um die Nachforschung kümmern. Kommt das Paket schon äußerlich beschädigt an, sollten Empfänger laut Verbraucherzentrale noch im Beisein des Zustellers überprüfen, ob die Ware unversehrt ist. Wird eine beschädigte Sendung beim Nachbarn abgegeben, sollte dieser die Annahme verweigern.