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Pipeline "Druschba": Weißrussland will Ölhahn wieder aufdrehen

Weißrussland hat angekündigt, die Öllieferung der im Streit unterbrochenen Pipeline "Druschba" gen Westen wieder aufzunehmen. Die russische Betreiberfirma hatte Weißrussland vorgeworfen, die Pipeline illegal angezapft zu haben und die Lieferung ausgesetzt.

Weißrussland will noch am Montag den Betrieb der Ölpipeline "Druschba" in Richtung Westen wieder aufnehmen. Das kündigte ein Sprecher der staatlichen Betreiberfirma Belneftechim nach Angaben der Agentur Interfax am Montag in Minsk an. Gründe für die Unterbrechung wurden nicht genannt.

Der russische Pipeline-Betreiber Transneft hat Weißrussland vorgeworfen, sich über die Pipeline Druschba (Freundschaft) illegal mit Öl zu versorgen. Dies sei der Grund dafür, dass die Lieferungen über die Pipeline nach Polen und Deutschland in der Nacht zum Montag gestoppt worden seien, wurde Transneft-Chef Semjon Wainschtok von der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti zitiert. Transneft suche derzeit nach alternativen Routen, um die Lieferungen nach Deutschland und Polen wieder aufzunehmen.

Ein Fünftel kommt aus der "Druschba"

Ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte die Schließung der Pipelin, durch die jährlich 22 Millionen Tonnen Öl an die Raffinerien Schwedt und Leuna fließen - etwa ein Fünftel der gesamten deutschen Ölimporte. "Wir forschen noch nach den Ursachen", fügte der Sprecher hinzu. Das Ministerium gehe aber davon aus, dass es keine Versorgungsengpässe geben werde und die ausfallenden Ölmengen durch Reserven und Importe ersetzt werden könnten. Man stehe in Verbindung mit der Mineralölwirtschaft.

Nach Angaben des EU-Energiekommissars Andris Piebalgs gibt es trotz des Stopps "kein unmittelbares Risiko" für die Europäischen Union. Er bemühe sich aber um eine "eilige und ausführliche Erklärung" des Vorfalls. Außerdem will Piebalg eine Sondersitzung von Energieexperten der 27 EU-Mitgliedstaaten einberufen. Piebalgs Sprecher Ferran Tarradellas Espuny sagte, Polen habe Ölreserven für 70 Tage, Deutschland für 130 Tage.

Schwieriges Verhältnis zu Weißrussland

Die Pipeline "Druschba" ist eine der längsten der Welt. Das Verhältnis von Weißrussland und Russland war bereits vor dem Streit über Öllieferungen von einem Zwist über Gaspreise belastet. Am Silvestertag legten die beiden Nachbarländer den Streit in letzter Minute bei, Weißrussland erklärte sich zur Zahlung höherer Preise bereit. Durch Weißrussland laufen etwa 20 Prozent der russischen Gasexporte nach Europa.

Ölimporte nach Deutschland (in 1000 Tonnen)

Importland1990199520002005
Russland*21.28420.62929.75438.293
Norwegen660321.20318.57917289
Großbritannien14.87517.92113.04114.559
Algerien3493517965014572
Libyen11.49311.27311.84312.915
Nigeria6127450519832124
Saudi-Arabien5993615845684137
Syrien3513440670923405
Irak220-220-
Iran28701566908475
Arabische Emirate744---
Venezuela4577395918811332
Sonstige Länder927424547111.800
Insgesamt88.060100.636103.555112.203

Quelle: Energiedaten Bundeswirtschaftsministerium, Stand August 2006

*: 1990 Sowjetunion

Reuters/DPA / DPA / Reuters