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Pleite von Manroland: Das Ringen um Arbeitsplätze beginnt

Das Ringen um die Arbeitsplätze beim insolventen Augsburger Druckmaschinenhersteller Manroland hat begonnen. Eine erste Krisensitzung am Wochenende hat den Beteiligten Mut gemacht - vorerst geht der Betrieb bei Manroland weiter, es fließt Insolvenzgeld.

Nach der Pleite des Druckmaschinenherstellers Manroland hat ein erstes Krisentreffen in Augsburg die nächsten Schritte abgestimmt. Am Montag kommt zudem Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) in die Fuggerstadt, um die Möglichkeiten einer Fortführung auszuloten. Durch die Pleite des Konzerns mit seinen rund 6500 Mitarbeitern sind allein in Augsburg rund 2500 Arbeitsplätze bedroht.

Auch in Sachsen sollen schnell Gespräche zur Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze beginnen. Der Zwickauer Bevollmächtigte der IG Metall, Stefan Kademann, kündigte an, ein erstes Treffen sei für Montag mit dem Landrat des Vogtlandkreises, Tassilo Lenk (CDU), geplant. Hilfe hatte bereits Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) angeboten. "Wir wollen alles tun als sächsische Staatsregierung, mit unseren Möglichkeiten, um uns für den Standort Plauen einzusetzen", sagte Tillich am Samstag in Plauen. In Plauen arbeiteten zuletzt 726 Mitarbeiter, knapp die Hälfte davon in Kurzarbeit, wie der Betriebsrat auf dpa-Anfrage mitteilte.

Nach dem Krisentreffen der "Allianz für Arbeit" am Samstag im Augsburger Rathaus äußerte sich Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) im Bayerischen Rundfunk (BR) zuversichtlich. "Wir werden Konzepte erarbeiten, wo die Fortführung des Betriebs aufgezeigt wird", sagte er. Und dann müsse es in erster Linie darum gehen, "dass jemand ins Boot geholt wird, der mit Kapital einsteigt."

Sorge auch in Hessen

Reinhold Demel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg, sicherte den Beschäftigten für die kommenden Wochen sichere Gehälter zu. Die Zahlung in Form von Insolvenzgeld erfolge noch in der kommenden Woche termingerecht, zitiert der BR Demel. Auch die Erste Bevollmächtigte der IG Metall Augsburg, Christiane de Santana, lobte das erste Zusammentreffen, an dem auch der stellvertretende Manroland-Aufsichtsratschef Jürgen Kerner teilnahm. Alle Seiten seien entschlossen, die Kräfte für ein Fortbestehen der Arbeitsplätze zu mobilisieren, sagte de Santana der dpa.

Sorge besteht auch in Hessen. So sieht die SPD am Offenbacher Standort des Druckmaschinenherstellers das Land Hessen in der Pflicht und verwies auf Vorbilder: "Baden-Württemberg hat dem direkten Konkurrenten, der Heidelberger Druckmaschinen AG, 2009 mit Landesbürgschaften in Höhe von 229 Millionen Euro das wirtschaftliche Überleben gesichert", teilte der Offenbacher SPD-Fraktionschef Andreas Schneider am Samstag mit. Auch wenn es "vielleicht schon 5 nach 12 ist", müsse auch Hessen alles für den Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze in Offenbach und Mühlheim tun.

Schweizer Unternehmen möchte Manroland weiterführen

Unterdessen meldete sich am Sonntag das Schweizer Beteiligungsunternehmen Capvis zu Wort, das sich nach eigener Darstellung an Manroland beteiligen und beide Firmenbereiche weiterführen wollte. "Die unterschiedlichen Vorstellungen der Beteiligten, unter welchen Voraussetzungen das Unternehmen weitergeführt werden kann, veranlasste uns allerdings nach einer sorgfältigen Prüfung, den Plan einer Beteiligung aufzugeben", teilte Daniel Flaig, Partner bei Capvis Equity Partners AG, mit und sprach von "festgefahrenen Verhandlungspositionen". Die Firmenzahlen für 2011 hätten deutlich unter, zu erwartende Restrukturierungskosten indes deutlich über den vorherigen Erwartungen gelegen.

Die Pleite von Manroland ist die größte Insolvenz in Deutschland seit rund zwei Jahren. Die Eigentümer Allianz und MAN entließen den angeschlagenen Druckmaschinenhersteller und seine insgesamt 6500 Beschäftigten diese Woche - nur einen Monat vor Weihnachten - in die Ungewissheit über ihre Zukunft.

kave/DPA / DPA