Skoda-Manager Helmuth Schuster Weltweites Geflecht


Die Konturen werden klarer: Über ein Netz verschachteIter Firmen soll Helmuth Schuster, der ehemalige Personalvorstand von Škoda, heimlich Millionendeals mit dem Mutterkonzern VW eingefädelt haben.

Der Skandal bei VW ist auch ein Fall für den Staatsanwalt. Gegen den Ex-Vorstand der VW-Tochter Škoda, Helmuth Schuster, sowie den Leiter der Abteilung Personalprojekte in Wolfsburg, Klaus-Joachim Gebauer, laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs. Sie sollen versucht haben, sich heimlich an Geschäften mit dem eigenen Konzern zu beteiligen. Schuster steht zudem im Verdacht, in Indien im Rahmen der Ansiedlung eines neuen Autowerks Schmiergeld in Millionenhöhe kassiert zu haben. Schuster und Gebauer mussten den Konzern verlassen.

Die Angola-Connection:

Ab Mitte 2003, so vermuten die Ermittler, sollen Schuster und Gebauer versucht haben, sich über Strohmänner den Škoda-Generalimporteursvertrag für Angola zu sichern. Zunächst traten als Vermittlerfirmen die ITF Europe und eine Lengfeld y Asociados Consulting (Mallorca) auf. Diese riefen für den Deal die Firma Ancar Worldwide in Delaware (USA) ins Leben. Gehalten wurde die Ancar mehrheitlich über einen Treuhänder. Die nötigen Investitionen soll eine Canterbury Ventures aufgebracht haben. Auch in Luanda (Angola) entstand eine Dependance. Mit Schusters Hilfe ergatterte Ancar den Škoda-Importeursvertrag. Als das Geschäft floppte, wechselten die Drahtzieher: 2004 trat eine Schweizer Firmengruppe auf den Plan, die nun via Lissabon versuchte, Fahrzeuge nach Afrika zu verkaufen. Sie unterhielt in Dubai ein weiteres Kontaktbüro, das möglicherweise auch als Brückenkopf für Geschäfte in Indien diente.

Die Luxemburg-Connection: Große Pläne schmiedete eine Firma namens Propery Finance, ursprünglich Middle Rock genannt, in Münsbach (Luxemburg). Die Propery wurde von einer Future Times Ltd. von der Schwarzgeldoase Gibraltar aus kontrolliert. Der Geschäftszweck: Finanzierung von Projekten in der eigenen Firmengruppe. 2003 gab es eine solche Investment-Chance: Unter der Federführung von Vorstand Schuster plante Škoda den Bau eines Autoforums in Prag - ähnlich der VW-Autostadt in Wolfsburg. Als Entwicklungsbüro für das 80-Millionen-Euro-Vorhaben trat die Firma F-BEL auf, die zur Propery Finance gehörte. Im August 2004 wurde F-BEL verkauft - nach stern-Informationen für 200000 Euro. Ein halbes Jahr später wurde das Prestigeprojekt gestoppt.

Wer hinter dem früheren F-Bel-Finanzier Future Times steht, ist unklar. An F-BEL war zumindest der VW-Betriebsratschef Klaus Volkert (inzwischen zurückgetreten) beteiligt, angeblich "auf Drängen der Herren Dr. Schuster und Gebauer".

G. Wedemeyer/R. Rickelmann/J. Röhrig print

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