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Chronik VW-Affäre: Die Wahrheit kommt in Häppchen

Im Jahr 2005 wird eine Führungskraft nach der anderen entlarvt. Schliesslich müssen mehrere Spitzenmanager VW verlassen, weil sie in die Affäre verwickelt sind.

11. November In der seit Monaten schwelenden Affäre um Korruption und Begünstigung von Betriebsräten ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen zehn Beschuldigte. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG legte am Freitag einen Zwischenbericht ihrer parallelen Untersuchungen vor.

Zuerst gerieten der frühere Personalvorstand der VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster, und VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer ins Visier. Sie sollen ein Netz von Tarnfirmen aufgebaut haben, um sich auf VW-Kosten zu bereichern. Die Affäre weitete sich auf den Betriebsrat aus. Mehrere Mitglieder des Gremiums sollen an Lustreisen und Feiern mit Prostituierten teilgenommen und die Kosten über VW abgerechnet haben. Eine zentrale Rolle spielt dabei Gebauer als Bindeglied zwischen Management und Betriebsrat, der die Kosten für umstrittene Veranstaltungen über Eigenbelege abgerechnet hat.

28. Juni

VW erstattet Strafanzeige gegen Schuster und Gebauer.

30. Juni

VW-Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert tritt zurück. Er begründet dies mit der Affäre, betont aber, er habe sich keiner kriminellen Handlung schuldig gemacht.

1. Juli

VW schaltet neben der internen Revision die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ein und lässt alle Vorgänge extern untersuchen.

4. Juli

Die Staatsanwaltschaft nimmt mehrere Firmen um Schuster ins Visier: Gelder, die VW zugestanden hätten, könnten auf Konten dieser Firmen gelangt seien. Auf das Konto der Firma Vashishta Wahan in Indien hat der Bundesstaat Andhra Pradesh zwei Millionen Euro für den Bau eines VW-Werks überwiesen. Der VW-Konzern stoppt wegen der Affäre seine Baupläne.

5. Juli

Volkert räumt ein, er sei mit Schuster und Gebauer an der Prager Firma F-Bel beteiligt gewesen, die sich um einen Auftrag von Skoda in Prag beworben hat.

8. Juli

VW-Personalvorstand Peter Hartz bietet seinen Rücktritt an: Er übernehme die politische Verantwortung für Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter.

13. Juli

Das Aufsichtsratspräsidium empfiehlt die Annahme von Hartz’ Rücktrittsangebot. Er soll ohne Abfindung gehen.

25. Juli

Der Prüfungsausschuss des VW-Aufsichtsrats stellt Strafantrag, um mögliche Begünstigungen des Betriebsrates untersuchen zu lassen.

04. August

Hartz geht in Ruhestand.

19. August

Die Staatsanwaltschaft weitet die Ermittlungen gegen Volkert aus. Anlass: Eine gemeinsame Indien-Reise von Volkert, Schuster und Gebauer, für die VW eine sechsstellige Summe zahlte.

21. August

Volkert verlässt VW.

3. September

Gebauer belastet Hartz in einem Medienbericht: Hartz habe ihn 1993 und 1997 angewiesen, Volkert jeden Wunsch zu erfüllen.

9. September

Volkert sagt als erster Beschuldigter bei der Staatsanwaltschaft aus.

6. Oktober

Die Staatsanwaltschaft vernimmt Gebauer zu angeblichen Lustreisen von VW-Managern und Betriebsräten.

7. Oktober

Die Ermittlungen werden auf Hartz wegen des Verdachts der Untreue ausgeweitet. Seine einstigen Arbeitsräume werden durchsucht, Beweismaterial beschlagnahmt.

11. November

Audi-Personalvorstand Horst Neumann folgt Hartz als VW-Arbeitsdirektor. Laut KPMG ist VW durch die Affäre ein Schaden von fünf Millionen Euro entstanden.