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Sorge um Gemeinschaftswährung Griechen-Krise versetzt Welt in Euro-Panik


In aller Welt wächst die Furcht vor einer neuen Finanzkrise, falls Griechenland nach den Wahlen aus dem Euro ausscheiden sollte. Briten-Premier Cameron sieht schon die Euro-Zone insgesamt in Gefahr.
Von Peter Ehrlich, Chicago

Griechenland steht am Abgrund - das Überleben des Euro steht infrage", sagte der britische Premierminister David Cameron am Donnerstag. Er werde alles tun, damit sein Land den heraufziehenden "Sturm" überstehe, versicherte Cameron. Die Euro-Zone müsse mehr tun, um einen Absturz zu verhindern. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Kernländer der Euro-Zone - damit ist vor allem Deutschland gemeint - sollten deshalb stärker Wachstum und Nachfrage fördern. Großbritannien hatte schon früher vor Problemen der Euro-Zone gewarnt, jedoch noch nie in einem solchen Ton, mit dem er auf Abstand zu seinen Partnern in der EU geht. Der Euro notierte am Donnerstag zeitweise bei 1,2669 Dollar und fiel damit auf ein Vier-Monats-Tief.

Kurz zuvor hatte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone als "extrem teuer und hart" bezeichnet, nicht nur für das Land selbst, sondern für alle. Sie bestätigte, dass sich der IWF auf technischer Ebene bereits mit dem Thema beschäftige. Weltbankchef Robert Zoellick sagte, die Kernfrage sei nicht Griechenland, sondern Spanien und Italien.

Internationale Bankenaufseher bereiten Krisenszenario vor

Auch die internationalen Bankenaufseher bereiten sich offenbar auf dieses Krisenszenario vor. Der für Finanzstabilität zuständige Bundesbankvorstand Andreas Dombret sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er wolle nicht über den Austritt spekulieren. Aber: "Sie können davon ausgehen, dass alle Aufseher in allen Ländern in sehr engem Kontakt stehen." Die deutschen Banken seien wegen einer besseren Eigenkapitalausstattung als zu Beginn der Euro-Staatsschuldenkrise weniger gefährdet als früher.

Die EZB hatte die Kreditvergabe an einige griechische Banken am Mittwoch zeitweise ausgesetzt. Dadurch will die Zentralbank ihre Risiken in Grenzen halten. Wenige Stunden zuvor hatte EZB-Chef Mario Draghi gesagt, dass die EZB bei ihren wichtigsten Prinzipien keine Kompromisse eingehen werde, nur um Griechenland im Euro-Raum zu halten.

Die betroffenen griechischen Finanzinstitutionen sind nun auf Kredite ihrer Notenbank angewiesen, um sich zu finanzieren. Sobald sie ihr Kapital ausreichend aufgestockt hätten, stünden ihnen dann wieder die Mittel der EZB zur Verfügung, erklärte die EZB. "Sobald der Rekapitalisierungsprozess abgeschlossen ist, was unserer Erwartung nach bald sein wird, werden die Banken wieder Zugang zu den Standard-Refinanzierungsoperationen des Euro-Systems erhalten". Bereits zuvor hatte Draghi erstmals signalisiert, dass Griechenland aus der Währungsunion herausfallen könnte. Ein Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone werde vom EZB-Rat zwar "stark bevorzugt", sagte der Zentralbank-Chef in Frankfurt. Die EZB werde jedoch weiterhin alles dafür tun, die Integrität ihrer Bilanz zu bewahren.

Euro-Staaten hoffen auf Neuwahl


Griechenland müsste den Euro verlassen, falls bei den Neuwahlen am 17. Juni keine Mehrheit zustande kommt, die die Vereinbarungen mit der Euro-Zone und dem IWF einhält. Die Euro-Staaten drohen für diesen Fall damit, keine neuen Hilfskredite mehr auszuzahlen. EU-Kommissionschef José Manuel Barroso erinnerte am Donnerstag bei einer Rede vor der Uno-Vollversammlung in New York daran, dass die Griechen auch den Willen und die Beschlüsse der anderen 16 Euro-Mitglieder und ihrer Parlamente akzeptieren müssten.

Obama fürchtet neue Euro-Krise

Barroso und zahlreiche andere EU-Politiker bekräftigten, dass sie das Land im Euro halten wollten. Sie appellierten daher an die Griechen, für einen Verbleib des Landes in der Euro-Zone und die Einhaltung der vereinbarten Sparmaßnahmen zu stimmen. Dies läuft de facto auf eine Wahlempfehlung für die beiden traditionellen Parteien Nea Demokratia und Pasok hinaus, die den beiden größten europäischen Parteifamilien, der christdemokratischen EVP und den Sozialdemokraten, angehören. Die beiden sind allerdings auch für die politischen Fehlentwicklungen der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich.

Die Euro-Krise trifft die Industrieländer in einer Phase, in der sich das Wachstum noch nicht wieder erholt hat. US-Präsident Barack Obama fürchtet, dass eine neue Krise in Europa auch die USA trifft und seine Wiederwahl gefährden könnte. Das Thema Griechenland wird auch den am Freitag in Camp David beginnenden G8-Gipfel überschatten. Bundeskanzlerin Angela Merkel dürfte unter Druck kommen, mehr für Wachstum zu tun. Dafür ist neben Cameron und Obama auch der neue französische Präsident Francois Hollande, der unmittelbar vor dem Gipfel am Freitagmorgen einen Antrittsbesuch bei Obama in Washington macht.

FTD

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