VG-Wort Pixel

Standort in Ulm schließt Nokia streicht 10.000 Jobs


Der angeschlagene finnische Handyhersteller baut bis Ende 2013 10.000 Arbeitsplätze ab. Das Werk in Ulm macht zu. Der einstige Marktführer war von Apple und Samsung geradezu überrollt worden.

Der kriselnde Handy-Riese Nokia streicht 10.000 Arbeitsplätze, um seine Zukunft zu sichern. Die Jobs sollen bis Ende 2013 wegfallen. Das kündigte das finnische Unternehmen am Donnerstag an. Auch die Niederlassung für Forschung und Entwicklung in Ulm mit zuletzt 730 Mitarbeitern ist betroffen. Sie soll Ende September schließen. "Deutschland bleibt für Nokia aber ein sehr wichtiger Standort für unsere Entwicklungsaktivitäten", sagte ein Nokia-Sprecher. Das Unternehmen hat unter anderem in Berlin ein Zentrum für ortsbasierte Dienste.

Solche Dienste sollen neben digitaler Fotografie und mobiler Navigation ein zukünftiger Schwerpunkt von Nokia werden. Der Plan ist, den Fokus auf die neuen Smartphones der Marke Lumia und verwandte Angebote zu legen. Dafür gibt es die Kürzungen bei anderen Geschäftsbereichen. Nokia steckt in roten Zahlen fest und muss dringend die Kosten senken.Allein im ersten Quartal gab es einen gewaltigen Verlust von 929 Millionen Euro.

Von Apple und Samsung überholt

Mit der neuen Strategie geht auch ein breit angelegter Umbau des Führungsteams einher. Es gehen Marketingchefin Jerri DeVard, Handy-Chefin Mary McDowell und Niklas Savander als Zuständiger für Märkte. Zugleich senkte der Konzern den Ausblick für das zweite Quartal.

Nokia war lange Marktführer im Geschäft mit einfachen Handys und auch Computer-Handys, wurde aber von Apple mit seinem iPhone und vor allem Samsung überholt. Die Südkoreaner profitieren von ihrer breiten Modell-Palette und stießen Nokia zuletzt nach 14 Jahren vom Thron des weltgrößten Handy-Herstellers.

Weiterer hoher Verlust befürchtet

Auch Nokias Lumia-Smartphones mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone erwischten im vergangenen Herbst einen mäßigen Start. Laut Marktforschern hängt Windows Phone im Smartphone-Geschäft immer noch bei einem Anteil von rund zwei Prozent fest.

Zugleich senkte der Konzern den Ausblick für das zweite Quartal. Die Marge werde entgegen den Erwartungen noch tiefer im ersten Quartal in den roten Bereich absinken, hieß es. Das deutet auf einen weiteren hohen Verlust hin.

Bislang 125.000 Mitarbeiter weltweit

Jetzt sollen die jährlichen Einsparungen bei den operativen Ausgaben von einer auf drei Milliarden Euro hochgeschraubt werden. Zunächst wird der Stellenabbau aber rund eine Milliarde Euro kosten. Ein Zäsur ist die Schließung des traditionsreichen Werks Salo im Heimatland Finnland.

Nokia hatte nach jüngsten Zahlen weltweit knapp 125.000 Mitarbeiter im Konzern. Ohne den ebenfalls mit heftigen Problemen kämpfenden Netzwerk-Ausrüster NSN waren es 53.500 Arbeitnehmer.

Nokia verkauft Geschäft mit Edelstein-Handys

Zugleich kündigte das Unternehmen an, seine Luxushandy-Marke Vertu an den Finanzinvestor EQT zu verkaufen. Am Mittwoch hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg informierte Personen damit zitiert, der geplante Verkauf bewerte die Edelmarke mit Sitz im englischen Church Crookham mit rund 200 Millionen Euro. Zu den finanziellen Details machten die Unternehmen nach Vollzug an diesem Donnerstag allerdings keine Angaben.

Die Marke Vertu ist bekannt für ihre mit Edelsteinen besetzten Mobiltelefone, die für einen Durchschnittspreis von mehr als 5000 Euro über die Ladentheke gehen. In Westeuropa hatte Vertu 2010 nach Angaben der Marktforschung IDC einen Marktanteil im Luxushandysegment von rund 60 Prozent.

DPA/lin DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker