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Streik der Lokführer: Ausstand beendet - vorerst

Nach sechs Stunden sind die Lokführer wieder in ihre Führerstände zurückgekehrt. Doch Reisende müssen noch den gesamten Tag mit Verspätungen rechnen. Und: Die Zugführer könnte jederzeit erneut in den Ausstand treten.

Der massive Streik der Lokführergewerkschaft GDL hat den Bahnverkehr in Deutschland am Donnerstag erheblich getroffen. Im morgendlichen Berufsverkehr gab es vor allem bei den S-Bahnen in Berlin, Hamburg, Hannover, München, Frankfurt am Main, Nürnberg, Stuttgart und Rhein-Neckar Behinderungen. Auch bei Regional- und Fernzügen kam es bundesweit zu Ausfällen und Verspätungen durch den Ausstand, der nach GDL-Angaben um 10 Uhr beendet wurde. Noch bis in den Abend müssen Reisende aber mit Störungen rechnen, da Züge erst an die vorgesehenen Stellen im Netz gebracht werden müssen.

Nebenstrecken wurden kaum noch befahren

Bundesweit standen in Großstädten und Ballungsräumen Züge still. In Nordrhein-Westfalen lag ein Schwerpunkt der Aktionen im Raum Köln. "Vom Bodensee bis zum Odenwald haben wir Zugausfälle", sagte ein Bahnsprecher in Baden-Württemberg. In München fuhren S-Bahnen nur noch im Stundentakt, die Flughafenlinie S8 aber alle 20 Minuten. In Nürnberg rollte nur die Hälfte der S-Bahnen. Auf vier Nebenstrecken im Regionalverkehr fiel der Betrieb komplett aus, weil die Deutsche Bahn Fahrer auf anderen Strecken einsetzte. In Hessen waren Regional- und Fernzüge sowie S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet betroffen.

In Sachsen und Sachsen-Anhalt kam der Zugverkehr nach GDL-Angaben quasi zum Erliegen. "Am Hauptbahnhof in Leipzig bewegt sich so gut wie kein Zug", sagte Peter Taschenberger von der GDL. Auch der Zugverkehr ab Halle war weitgehend lahmgelegt, am dortigen Hauptbahnhof versammelten sich 70 streikende Lokführer. Bei der S-Bahn Berlin fuhren fast keine Züge. Die Außenäste des Netzes seien "praktisch tot", sagte der stellvertretende GDL-Landesbezirksvorsitzende, Klaus-Peter Schölzke. In Nordeutschland legten auch zahlreiche Lokführer der Nord-Ostseebahn (NOB), AKN Eisenbahn und Metronom die Arbeit nieder.

Streik trifft auf wenig Verständnis

Im Güterverkehr, der bereits seit Mittwochabend lahmgelegt wurde, konnten rund 300 Züge nicht losfahren, wie die Bahn mitteilte. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) kritisierte den Streik. "Es ist besorgniserregend, wie hier eine relativ kleine Gewerkschaft den Nerv einer hochentwickelten Volkswirtschaft trifft", sagte Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben im Bayerischen Rundfunk. Und auch die Bahn hat kein Verständnis. Der bundeseigene Konzern zahle schon heute die höchsten Löhne und biete die besten Arbeitsbedingungen.

Der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky drohte mit einer Verschärfung der Aktionen, mit denen einheitliche Tarifstandards bei allen großen Bahnunternehmen erreicht werden sollen. "Wer uns kennt, weiß, dass wir sehr weit gehen können. Aber das wollen wir eigentlich nicht, denn wir wollen Verhandlungen", sagte Weselsky in Mannheim. Er sprach von einer sehr guten Streikbeteiligung. Die Deutsche Bahn forderte die Gewerkschaft erneut zu Verhandlungen auf, die bisher laut Bahn am Verhalten der GDL. Deutsche-Bahn-Vorstand Ulrich Weber verlangte von der Gewerkschaft, "dass sie sich auf Sache einlässt, dass sie an den Verhandlungstisch zurückkehrt". Die Gewerkschaft fordert einen einheitlichen Tarifvertrag für alle 26.000 Lokführer. Kernforderung sind einheitliche Einkommen auf dem Niveau des Marktführers DB sowie fünf Prozent Aufschlag auch bei den großen Wettbewerbern Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn.

swd/DPA/AFP / DPA