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Suche nach Investor: GM will Opel verschenken

Der Opel-Mutterkonzern General Motors lockt Investoren mit einem neuen Köder für den Einstieg bei seiner deutschen Tochter: Konzernkreisen zufolge will GM einen Teil von Opel abgeben, ohne dafür einen Kaufpreis zu verlangen.

Der angeschlagene US-Autobauer General Motors (GM) verlangt für seine deutsche Tochter Opel offenbar kein Geld, sondern lediglich Investitionszusagen. Ein Investor müsse lediglich eine Kapitalspritze von mindestens 500 Mio. Euro für Opel mitbringen, hieß es Konzernkreisen zufolge. Für Opel ist der Einstieg privater Investoren die entscheidende Voraussetzung für eine eigenständige Zukunft. GM-Chef Fritz Henderson zeigte sich zuversichtlich, die Verhandlungen mit potenziellen Käufern Anfang Mai abschließen zu können. Man sei mit mehr als sechs seriösen Interessenten im Gespräch, sagte Henderson. "Die Sache dürfte in den kommenden zwei bis drei Wochen erledigt sein."

Die Bereitschaft der Amerikaner, einen maßgeblichen Teil von Opel ohne einen eigenen Erlös abzugeben, zeigt die Schwierigkeiten bei der Suche nach einem privaten Investor für den deutschen Autobauer. Experten bezweifeln, dass eine europäische Gesellschaft mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall die erforderliche Größe hat, um sich am Markt zu behaupten.

Da Opel dringend Eigenkapital braucht, um weiterarbeiten zu können, wäre GM in absehbarer Zeit zu einer Finanzspritze gezwungen. Von frischem Kapital eines Investors würde GM profitieren, da die Amerikaner eine Minderheitsbeteiligung an Opel behalten wollen. Die enge Zusammenarbeit in der Entwicklung und in der Produktion soll vorerst fortgesetzt werden.

Dank der Abwrackprämie in Deutschland und der erfolgreichen Markteinführung des neuen Modells Insignia liefen die Geschäfte für Opel in Europa besser als erwartet, sagte der GM-Konzernchef. Akute Liquiditätsprobleme gebe es daher nicht.

General Motors hatte ursprünglich zugesagt, Opel Vermögenswerte wie Anlagen, Patente und Bargeld im Umfang von 3 Mrd. Euro zukommen zu lassen. Einen Teil davon soll die deutsche Tochter im Gegenzug dafür erhalten, dass sie auf Forderungen an GM verzichtet. Dem hat Opels Aufsichtsrat bereits zugestimmt.

Das Votum der US-Regierung steht noch aus. Washington hat ein schlüssiges Konzept für den Konzern und sein Europageschäft eingefordert. Bis Ende Mai muss GM den Plan vorlegen und die Verschuldung des Konzerns drastisch zurückführen. Offene Fragen wie die nach der Zukunft von Opel müssen bis zu diesem Stichtag geklärt sein.

An Opel interessiert sind nach Angaben von GM sowohl Finanzinvestoren als auch Unternehmen der Autobranche. Die deutsche Regierung ist bereit, Investoren mit Bürgschaften zu unterstützen. Eine Staatsbeteiligung lehnt Kanzlerin Angela Merkel ab. SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier warb dagegen erneut dafür, alles zu unternehmen, um Opel zu retten.

Meldungen, wonach der italienische Hersteller Fiat Interesse an Opel hat, wurden nicht bestätigt. "Da gibt es wenig Gegenliebe", hieß es in Opel-Kreisen. "Unsere Ehe mit Fiat wurde nach fünf Jahren geschieden, und das war teuer genug. Wir müssen uns anders orientieren." General Motors hatte seine Beteiligung an der Autosparte von Fiat 2005 an die Italiener zurückgegeben.

Für den Führungsposten bei einer unabhängigen Opel-Gesellschaft brachte eine Gruppe von Händlern am Wochenende den ehemaligen Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder ins Gespräch. Bei GM Europe hieß es, dies sei "nicht geplant".

von Matthias Ruch (New York), Kristina Spiller (Hamburg), John Reed (London) und Daniel Schäfer (Frankfurt)

FTD