HOME

Tankflugzeug-Poker bei EADS: EU-Kommission prüft Ausschreibungsbedingungen

Die EU-Kommission schaltet sich in die Diskussionen um den Rückzug des EADS-Konzerns aus dem Bieterverfahren für einen Rüstungsauftrags des US-Militärs ein. Das Gremium will die Ausschreibungsbedingungen prüfen.

Nach dem Rückzug des europäischen EADS-Konzerns aus dem Bieterrennen für US-Militärflugzeuge hat sich die EU eingeschaltet. "Die EU-Kommission wäre extrem besorgt", falls sich herausstellen sollte, dass die Ausschreibungsbedingungen einen offenen Wettbewerb verhindert haben, erklärte Handelskommissar Karel De Gucht am Dienstag in Brüssel. Am Montagabend hatten die EADS-Tochter Airbus und ihr US-Partner Northrop Grumman ihren Ausstieg aus dem Riesenprojekt erklärt. Es geht um zunächst 179 Tankflugzeuge für rund 35 Milliarden Dollar (25,7 Milliarden Euro), die nun voraussichtlich der US-Rivale Boeing baut.

"Es ist höchst bedauerlich, wenn ein wichtiger potentieller Anbieter sich außerstande fühlt, für einen Vertrag dieser Art zu bieten", erklärte De Gucht. Offene Beschaffungsmärkte garantierten einen besseren Wettbewerb und setzten das Geld des Steuerzahlers besser ein. Die Kommission werde nun "weitere Entwicklungen in dem Fall sehr genau verfolgen".

Die Ausschreibung bevorzuge unfairerweise das Boeing-Angebot, hatten Northrop Grumman und Airbus kritisiert. "Die US-Luftwaffe weiß, dass wir bei weitem das bessere Produkt anbieten", sagte Airbus-Chef Thomas Enders der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland". Am Dienstag urteilte EADS-Chef Louis Gallois in Paris, die Ausschreibung verschaffe Boeing "einen Vorteil". "Wir haben keine Möglichkeit, den Wettbewerb zu gewinnen." Das Konsortium hatte den Auftrag 2008 eigentlich bereits in der Tasche, Boeing ging aber dagegen vor und erreichte eine Neuausschreibung.

AFP / AFP