Tarifrunde IG-Metall fordert vier Prozent mehr Lohn


Zweieinhalb Wochen vor Beginn der Metall-Tarifrunde stehen die Zeichen auf Konfrontation: Der IG-Metall-Vorstand beschloss in Frankfurt am Main, für die 3,5 Millionen Beschäftigten vier Prozent mehr Geld zu verlangen.

Zweieinhalb Wochen vor Beginn der Metall-Tarifrunde stehen die Zeichen auf Konfrontation: Der IG-Metall-Vorstand beschloss am Donnerstag in Frankfurt am Main, für die 3,5 Millionen Beschäftigten vier Prozent mehr Geld zu verlangen und erteilte den Forderungen der Arbeitgeber nach Verhandlungen über längere Arbeitszeiten eine strikte Absage. Der Präsident des Arbeitsgeber-Verbands Gesamtmetall Martin Kannegiesser beharrte indes darauf, das Thema Arbeitszeit müsse zu einem zentralen Thema der Tarifrunde werden.

IG-Metall-Chef Jürgen Peters warnte den Arbeitgeberverband Gesamtmetall davor, die Tarifrunde "auf Konfliktkurs zu bringen" und forderte die Arbeitgeber zu sachlichen und konstruktiven Verhandlungen auf. Peters erklärte in Frankfurt am Main, die Tarifbewegung dürfe nicht mit immer neuen Forderungen überfrachtet werden, sie sei schwierig und komplex genug. Eine Öffnung der Tarifverträge zur unbezahlten Verlängerung der Arbeitszeit lehne die IG Metall strikt ab.

Kannegiesser fordert flexiblere Einigungen auf Betriebsebene

Kannegiesser erklärte im Gegenzug, die Forderung der IG Metall nach vier Prozent mehr Geld werde der Problemlage der Branche "in keinster Weise gerecht". Der Gesamtmetall-Chef forderte erneut die Möglichkeit von Betriebsvereinbarungen, um die Arbeitszeiten auf bis zu 40 Stunden pro Woche erhöhen zu können. Die Entscheidung über die Ausweitung und deren Bezahlung sollten die Betriebsparteien treffen können.

Damit könnten Arbeitsplätze gesichert und geschaffen werden. "Bisher haben die Betriebsparteien nur die tarifliche Möglichkeit, durch kürzere Arbeitszeiten und unter Lohnverzicht Arbeitsplätze zu sichern", erklärte Kannegiesser in Berlin. Die Betriebe bräuchten aber größere Gestaltungsräume, um ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern zu können, sonst drohten weitere Verlagerungen in die osteuropäischen EU-Beitrittsländer. Die Behauptung, Gesamtmetall wolle die 40-Stunden-Woche wieder einführen, bezeichnete Kannegiesser als Irreführung.

Huber betont Streikfähigkeit

Der als zweiter IG-Metall-Vorsitzender für die Tarifpolitik zuständige Berthold Huber betonte unterdessen die Streikfähigkeit der Gewerkschaft. "Wir sind streikfähig, da sollte sich besser niemand vertun", sagte Huber der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Der IG-Metall-Vize betonte aber zugleich, dass es die IG Metall nicht von vornherein auf einen Streik anlege. Huber sagte, das öffentlich angedeutete Angebot der Arbeitgeber von 1,4 Prozent sei "doch nicht ernst zu nehmen".

Der IG-Metall-Vorstand folgte mit seiner Entscheidung erwartungsgemäß den Beschlüssen der Gewerkschaftsbezirke. Die ersten Verhandlungstermine sind für 15. Dezember angesetzt, darunter auch im IG-Metall-Bezirk Baden-Württemberg, der in der letzten Tarifrunde den Pilotabschluss erzielt hatte. Die Tarifverträge laufen am 31. Dezember aus, die Friedenspflicht endet am 28. Februar.

Die IG Metall verlangte eine Laufzeit von zwölf Monaten und begründete ihre Tarifforderung mit einer mittelfristig zu erwartenden Preisentwicklung von voraussichtlich bis zu 1,5 Prozent und einem Produktivitätszuwachs von rund zwei Prozent. 1,4 Prozent müssten für die Angleichung der Entgelte von Arbeitern und Angestellten aufgebracht werden, teilte die Gewerkschaft mit.


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