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Tarifstreit im öffentlichen Dienst: Gewerkschaften wollen fünf Flughäfen bestreiken

Die Warnstreiks im öffentlichen Dienst sollen ab Dienstag die größten deutschen Flughäfen lahmlegen. Passagiere müssen mit Verspätungen rechnen.

Die Gewerkschaft Verdi will im Kampf um höhere Löhne im öffentlichen Dienst die größten deutschen Flughäfen zeitweise lahmlegen. Die Gewerkschaft rief vor allem ihre Mitglieder in der Bodenabfertigung dazu auf, am Dienstag in den Ausstand zu gehen. Auf mehreren Airports dürfte damit der Flugverkehr von morgens an bis in den Nachmittag hinein aus dem Takt geraten.

Auf dem Flughafen Frankfurt soll nach Lufthansa-Angaben von 5.00 Uhr bis 14.30 Uhr gestreikt werden. Darüber hinaus sollten die Flughäfen München (6.00 - 14.00 Uhr), Düsseldorf (8.00 - 14.00 Uhr), Köln (4.00 - 12.00 Uhr) und Stuttgart (6.00 - 11.00 Uhr) betroffen sein. Die Bodenabfertigung ist unter anderem dafür zuständig, dass Flugzeuge be- und entladen werden. Verdi bestätigte die Streiks, wies aber darauf hin, dass sich die Zeiten noch ändern könnten. Der Gewerkschaft zufolge sind auch in der Frühschicht auf kleineren Airports - etwa in Dortmund, Hannover und Bremen - Arbeitsniederlegungen geplant. Am stärksten betroffen dürfte die Lufthansa sein. Deutschlands größte Airline wickelt am Tag im Schnitt 1850 Flüge ab. Wie viele Verbindungen ausfielen, sei noch nicht absehbar, sagte ein Konzernsprecher. Genaueres sei erst am späten Nachmittag klar. Bei Air Berlin sei vorgesehen, acht von mehreren Hundert Flügen zu annullieren, sagte eine Sprecherin.

Am Frankfurter Flughafen droht nun erneut ein Verkehrschaos. "Es wird voraussichtlich erhebliche Auswirkungen auf den Flugverkehr geben und auch Flugstreichungen", sagte ein Sprecher der Betreiber-Gesellschaft Fraport. Für Deutschlands größten Airport ist es nicht der erste Streik in diesem Jahr. Die Vorfeld-Angestellten am Frankfurter Airport hatten im Februar mit Unterbrechungen zwei Wochen lang die Arbeit ruhen lassen - insgesamt fielen rund 1800 Flüge aus.

Bsirske schließt gemeinsame Aktion mit IG Metall nicht aus

Schwerpunkte der Verdi-Warnstreiks etwa im Nahverkehr, bei der Müllabfuhr, in Verwaltungen oder in Kitas waren am Montag Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg. Dort legten nach Verdi-Angaben rund 34.000 Beschäftigte vorübergehend die Arbeit nieder.

Kurz vor der entscheidenden Tarifrunde drohte Verdi-Chef Frank Bsirske eine härtere Gangart an. "Die Chancen stehen 50 zu 50 für einen unbefristeten Streik", sagte Bsirske in Stuttgart. Sollten die Verhandlungen am Mittwoch und Donnerstag in Potsdam scheitern, würden die Arbeitgeber die Schlichtung anrufen. Sollte deren Lösungsvorschlag Mitte April von einer der beiden Tarifparteien nicht angenommen werden, sei mit der Urabstimmung in der zweiten Aprilhälfte zu rechnen, sagte Bsirske. Ende April könne es dann zu einem unbefristeten Streik kommen. Die Dienstleistungsgewerkschaft verlangt für die rund zwei Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro zusätzlich im Monat. Die Arbeitgeber boten bei einer Laufzeit von 24 Monaten 3,3 Prozent mehr und eine Einmalzahlung an. Verdi-Chef Bsirske schließt für Anfang Mai gemeinsame Aktionen mit der IG Metall nicht aus. So könne es nach Ablauf der Friedenspflicht in der Metall- und Elektroindustrie am 28. April zu Kundgebungen und Demonstrationen kommen. "Damit offenbart sich, dass sich die Bundesrepublik Deutschland in einem harten Verteilungskampf befindet", sagte Bsirske. Die IG Metaller fordert für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten ebenfalls 6,5 Prozent mehr Lohn.

fro/DPA / DPA