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Bitcoin-Parallele: Als Tulpen für einen der krassesten Börsencrashs sorgten

Es braucht keine Kryptowährung wie den Bitcoin, um eine Finanzblase heraufzubeschwören. Im 17. Jahrhundert waren es in den Niederlanden Tulpen, die einen irren Boom auslösten. Bis es zum Knall kam.

Hendrik Gerritz Pot satirisches Bild von Floras Narrenwagen, um 1640.

Hendrik Gerritz Pot stellte in diesem satirischen Bild von Floras Narrenwagen den Irrsinn und die Lasterhaftigkeit der Tulpenmanie dar. Das Bild entstand um 1640.

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und Holland - das gehört heute fest für uns zusammen. Rund 80 Prozent der Tulpen, die wir heute heute in die Vase stellen, stammen aus den Niederlanden. Doch vor rund 380 Jahren sorgte die Blume für einen Börsen- und anschließend auch Wirtschaftscrash. Die Tulpe was Auslöser dafür, dass das einfache Volk genauso wie reiche Adelige vom großen Geld träumen konnten - und sich am Ende finanziell ruinierten.

Heute kommt kaum ein BWL-Student an dem Ur-Crash vorbei, denn die Unsicherheit von Optionsscheinen und Termingeschäften lassen sich am Wirtschaftsgut Tulpe perfekt erklären. Ob nun die Immobilienblase vor zehn Jahren in den USA, der "Schwarze Freitag" 1929 oder der aktuelle Hype um den : Die Parallelen zum Tulpen-Crash sind auffällig.

Tulpen für die Reichen und Mächtigen

Zunächst war die Tulpe - wie so Vieles in der damaligen Zeit - den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Wahrscheinlich brachte ein Diplomat die Blume aus Konstantinopel mit nach Wien. Zumindest avancierte die langstielige Blume schnell zu einem beliebten Souvenir aus der Türkei nach Europa. Dass sich ausgerechnet die zum Hotspot für den Tulpenhandel entwickelte, lag zum einen an der Kultivierung der Pflanze. Botaniker züchteten schnell besondere Sorten - und begannen diese zu tauschen und zu handeln. Die Biologie der Tulpe verstärkte den aufkommenden Hype. Denn aus einer Muttertulpenzwiebel erwachsen zwei bis drei neue Tulpenzwiebeln. Und nach wenigen Jahren geht die Pflanze ein. Um neue Tulpen auf den Markt zu bringen, dauerte es hingegen Jahre. 

Und so lockten die Tulpen auch Diebe und Gauner an, die Blumen und Zwiebeln klauten. Auch das trieb den Preis für eine Zwiebel.

Aus Tulpen wurden Tulpen-Future

Schnell kletterte der Preis nach oben. Nach heutigem Wert konnte man in den 1630er Jahren 25.000 Euro zahlen - für eine Blumenzwiebel. Die heute ausgestorbene Tulpe "Semper Augustus" war sogar zeitweise eine Million Euro wert.

Irgendwann ging es nicht mehr um die Blumen, sondern um die Rechte daran. Optionsscheine kamen auf, der Markt brauchte Zwischenhändler, da nun nicht mehr eine Blumenzwiebel zwischen Verkäufer und Käufer weitergereicht wurde. Sie blieben in der Erde stecken - man kaufte nur noch ein Versprechen auf etwas, das physisch noch gar nicht existierte, Der Markt blähte sich auf, die Hoffnung, vom großen Tulpenboom zu profitieren, trieb sämtliche Bevölkerungsschichten zur Investition. 

Hypotheken und Kredite

Das Problem: Die Tulpen waren da schon vom sogenannten Tulip Breaking oder Breeding Virus befallen. Die kranken Blumen schafften es noch ein, zwei Mal zur Blütenpracht - dann war Schluss. Doch das wussten die Investoren nicht. Sie investierten, weil es alle taten, weil alle vom Boom profitieren wollten. Auch das einfache Volk. Sie nahmen Hypotheken auf ihre Häuser, Werkstätten und Läden auf. Sie liehen sich Geld und steckten die Summen ins Tulpen-Business. Und dann kam das Jahr 1637.

Die Blase platzte recht unspektakulär. Bis dahin lief das Geschäft nur noch deshalb, weil sich immer ein Dümmerer gefunden hatte, der noch dringend einsteigen wollte. Aber plötzlich kam der Tag, an dem einer der Tulpen-Future-Händler niemanden mehr fand, der die irren Preise zahlen wollte - so lautet zumindest eine der Geschichten zum großen Crash. Die Blase platzte, der Preis erodierte. Alle wollte ihre Optionen auf zukünftige Blumen loswerden. Auch der Staat griff durch und beschränkte den Höchstpreis der Tulpenzwiebel und annulierte alle Spekulationsvereinbarungen.

Tulpencrash machte Rembrandt arm

Weite Teile der Bevölkerung verloren ihr Hab und Gut. Einer von ihnen war der unter seinem Vornamen bekannte Maler Rembrandt Harmenszoon van Rijn. Der Künstler war schon damals gut im Geschäft, doch die Tulpenmanie ruinierte den Maler. Zum einen hatte er selbst viel investiert, zum anderen fehlte den reichen Kaufleuten das Geld für Kunstwerke. Doch der Tulpencrash ließ die Wirtschaft nicht vollkommen einbrechen. Das lag auch an den Kolonien und dem internationalen Handel der Niederlande.