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Uwe Hück: Der 355-PS-Betriebsrat

Noch hat Porsche VW nicht übernommen. Aber die Mitbestimmung in der Holding haben die Stuttgarter bereits ausgehandelt - ohne den Betriebsrat von VW. Drahtzieher des Deals, der den Wolfsburger sauer aufstößt, und neuer starker Mann, ist Porsche-Arbeiterführer Uwe Hück.

Von Marcus Müller

Es dürfte den 100 Kilogramm schweren und durchtrainierten Körper von Uwe Hück kräftig geschüttelt haben beim folgenden Satz: "Wir haben heute in drei Stunden alle Konfliktpunkte angesprochen, analysiert und schließlich verabredet, dass wir sie in weiteren Gesprächen ausräumen wollen." So fasste der zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, jüngst ein von ihm moderiertes Gespräch zwischen Porsche-Betriebsratschef Hück mit seinem VW-Amtskollegen Bernd Osterloh zusammen. Von einer konstruktiven Atmosphäre sprach Huber und "ehrlichem Bemühen auf beiden Seiten, an Lösungen zu arbeiten".

Hück bevorzugt Sätze von großem Kaliber

So reden sonst nur Diplomaten, wenn sie nichts sagen wollen oder können, weil die Gesprächspartner ineinander verkeilt sind. Deutschlands bekanntester Betriebsratsvorsitzender Uwe Hück redet anders. Der Mann mit dem Glatzkopf bevorzugt Sätze von größerem Kaliber, an denen nicht mehr so viel heruminterpretiert werden muss. "Ich muss Kraft haben, ich muss Macht haben, ich muss Geld haben, dann erreich' ich was für andere", ist so ein Satz, mit dem SPD-Mitglied Hück kürzlich im stern sein Lebens- und Betriebsratsmotto bündig zusammenfasste.

Lange bevor der heute 45-Jährge zur Kraft der Worte fand, trainierte er sich die körperliche an. Nachdem seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen waren, wuchs er mit seinen Geschwistern als Waisenkind in Heimen auf. Dort lernte er schnell, sich gegen Größere und Stärkere durchzusetzen. Auch als Profi-Thaiboxer feiert er bis in die Mitte der achtziger Jahre Erfolge und er lässt sich noch immer gerne mit nacktem Oberkörper und Boxhandschuhen fotografieren.

Der Aufstieg zur Macht beginnt für den gelernten Lackierer mit dem Einstieg bei Porsche 1985. Einigermaßen zügig wird er Vertrauensmann, Betriebsrat, bald von der Arbeit freigestellt, Mitglied des Aufsichtsrats. Seit fünf Jahren ist er Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats bei Porsche. Er hat einen deutlichen Rückhalt bei den Mitarbeitern, deren Sprache er noch immer spricht und denen er als der Kumpel Uwe entgegentritt.

Mit dem Chef zusammen die Macht festgezurrt

Die Belegschaft wird es Hück auch kaum krumm nehmen, das er zusammen mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking die Macht im derzeit neu entstehenden Konzern festzurrte. Hück tat das zwar gemeinsam mit Vertretern der Gewerkschaft IG Metall, aber ohne die bisher so mächtigen Betriebsräte von Volkswagen. Und die sind deswegen sauer. Denn sie sollen im Aufsichtsrat der als so genannte Europa-AG geplanten Porsche-Holding genauso viele Sitze bekommen wie die Porsche-Betriebsräte, sobald Porsche die Mehrheit an VW übernommen hat. Und das wird nach dem Fall des VW-Gesetzes allgemein als sicher erwartet.

Nun sprechen also die VW-Betriebsräte davon, dass es nicht akzeptabel sei, dass die rund 325.000 VW-Beschäftigten künftig mit drei Aufsichtsrats-Mandaten repräsentiert werden sollen und es für die nur 12.000 Porsche-Mitarbeiter ebenfalls drei Sitze geben soll. Sie haben "Unruhe und Verunsicherung" ausgemacht, die sich jetzt auch bei den Info-Großveranstaltungen in den VW-Werken gezeigt hätten.

Zwar waren viele dieser Treffen an den VW-Standorten auch eine Machtdemonstration und Drohung. Doch natürlich hört sich das alles deutlich weniger markig an, als Hücks knappe Analyse der Angelegenheit: "Wenn ich ein Haus kaufe, ziehe ich nicht in den Keller, sondern ins Penthouse", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Zwar schob er versöhnlich hinterher, dass man die Wolfsburger gerne mitnehme und es nur noch um die Verteilung der Zimmer gehe. Ebenso wie zuvor schon Chef Wiedeking machte Hück damit aber noch einmal ganz klar: Das viel kleinere Familienunternehmen Porsche übernimmt hier gerade Europas größten Autobauer.

Dienst-Cayenne inklusive

In der Spielklasse von Porsche und VW gehört es inzwischen dazu, dass auch ein Arbeiterführer ordentlich verdient. Wie viel, das sagt Hück allerdings nicht genau. "So viel wie eine normale Führungskraft", ließ er sich entlocken, aber keine halbe Million, wie es auch immer mal wieder heißt. Die "Wirtschaftswoche" schätzt es auf 250.000 Euro im Jahr. Zu den Annehmlichkeiten gehört darüber hinaus ein Dienst-Cayenne und ein privat geleaster Porsche mit 355 PS.

Kritiker werfen Hück eine zu große Nähe zur Porsche-Führung vor. Von Vasallentreue ist in Artikeln schon mal die Rede und vom willigen Helfer Wiedekings. Auch die Mitbestimmungs-Vereinbarung, die der Porsche-Chef mit dem Betriebsrats-Vorsitzenden für die Holding ausgehandelt hat, scheint später kaum mehr zugunsten von VW zu ändern zu sein. Es geht jetzt wohl nur noch um einen Kompromiss, der VW vielleicht ein paar mehr Betriebsratsposten sichert, die eigentliche Machtverteilung im Aufsichtsrat aber nicht mehr ändert.

Dafür hätte Hück dann wohl auch die diplomatischen Floskeln von IG Metall-Vize Huber gerne ertragen, und dafür halten sich beide Seiten zurzeit auch eisern an das vereinbarte Stillschweigen. Auch das kann Hück - wenn es seiner Sache dient.

Ohnehin wird der Porsche-Betriebsratsvorsitzende trotz seines betont männlichen Auftretens immer wieder auch als harmoniebedürftig beschrieben. "Wir müssen zusammenarbeiten", hat er in dem Streit auch immer wieder mal betont. Seinem Motto, mit all seiner Macht letztlich anderen zu helfen, folgt er obendrein. Er kümmert sich um Waisen- und Flüchtlingskinder. Ein paar schwierigen Jugendlichen zeigt er, wie man boxt. Die haben wahrscheinlich schon längst begriffen, wofür das gut ist. Bei so einem Trainer.