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Verbraucherschützer zeigen Maschmeyer an: Wiener Staatsanwalt prüft Betrugsvorwürfe gegen AWD

Es ist starker Tobak, den die österreichischen Verbraucherschützer Carsten Maschmeyer vorwerfen. Der Verein für Konsumenteninformation zeigte den AWD-Gründer und 19 Manager des Finanzvertriebs wegen gewerbsmäßigen Betrugs an. Die Wiener Staatsanwaltschaft hat den Fall aufgegriffen.

Von Hans-Martin Tillack

Eine für Wirtschaftskriminalität und Korruption zuständige Sondereinheit der Wiener Staatsanwaltschaft geht massiven Vorwürfen gegen den von Carsten Maschmeyer gegründeten Finanzvertrieb AWD nach. Wie das Magazin stern in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet, reagieren die Ermittler damit auf eine detaillierte Strafanzeige des österreichischen Vereins für Konsumenteninformation (VKI). In der bereits im April erstatteten Strafanzeige gegen Maschmeyer selbst sowie gegen 19 weitere AWD-Manager erheben die Verbraucherschützer den Vorwurf des schweren gewerbsmäßigen Betrugs. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wollte gegenüber dem stern Ermittlungen "weder bestätigen noch dementieren". Damit ließen die Ermittler auch offen, ob Maschmeyer persönlich in ihr Visier geraten ist. Nach Informationen des stern hat die Staatsanwaltschaft aber bereits mehrere Zeugen vernommen, darunter einen aus Deutschland stammenden ehemaligen hohen AWD-Manager.

Der VKI, zu dessen Mitgliedern die Republik Österreich gehört, wirft dem AWD vor, tausenden Kunden in Österreich gezielt und systematisch riskante Anlagen mit falschen Ver-sprechungen verkauft zu haben, um selbst hohe Provisionen einzustreichen. Die 83-seitige Strafanzeige stützt sich auf eine Vielzahl interner AWD-Unterlagen sowie auf Zeugenaussagen ehemaliger Mitarbeiter. Demnach sollen Maschmeyer und andere AWD-Manager "vorsätzlich ein Anreizsystem geschaffen", das dazu geführt habe, dass die Vermittlung hochriskanter Finanzprodukte durch die AWD-Agenten gefördert worden ist", heißt es in der Strafanzeige. Der Anreiz für den Verkauf "wertbeständiger Veranlagungen", also etwa Lebensversicherungen oder Bausparverträge, sei hingegen "relativ gering" gewesen.

Maschmeyer hört zum ersten Mal vom Verfahren

Vom stern mit den Vorwürfen konfrontiert, gaben sowohl der AWD Österreich als auch Maschmeyer an, sie hörten zum ersten Mal von dem Verfahren. Das Unternehmen und Maschmeyer weisen die Vorwürfe als abstrus zurück: Sie entbehrten "jeglicher Grundlage". Der AWD Österreich erklärte, "soweit der VKI mit diesen abstrusen Behauptungen nunmehr (...) auch noch die Staatsanwaltschaft beschäftigt haben sollte, scheint dies von dem Versuch getragen zu sein, seinen vor den Zivilgerichten seit rund zweieinhalb Jahren erfolglos gebliebenen Bemühungen auf diesem Wege Nachdruck zu verleihen." AWD-Gründer Maschmeyer, der den AWD seit 2007 an den Schweizer Konzern Swiss Life verkauft hatte, wollte sich ebenso wie der AWD Österreich nicht zu einzelnen Details äußern. "Sicher werden Sie verstehen", so ein Sprecher zum stern, "dass Herr Maschmeyer sich im Rahmen der Geschäftsordnung als einzelner Verwaltungsrat der Swiss Life weder zu Swiss-Life-Themen noch zum AWD äußern kann."