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Weltgrößter Versicherer: AIG angeblich mit Milliardenverlust

Der weltweit größte Versicherer, der amerikanische AIG-Konzern, steht angeblich vor dem größten Quartalsverlust, den je ein US-Unternehmen gemacht hat. Offenbar benötigt der Konzern erneute Hilfe von der US-Regierung. AIG soll wohl nächste Woche seine Bilanz vorlegen.

Dem vom Staat gestützten US-Versicherer AIG droht mit einem Rekordminus von 60 Milliarden Dollar (47 Milliarden Euro) laut Medienberichten der größte Quartalsverlust eines Unternehmens in der amerikanischen Geschichte. Wegen enormer Abschreibungen und einer erneut drohenden Pleite verhandle der einstige globale Branchenführer mit der US-Regierung über weitere Nothilfen nach den bereits gewährten rund 150 Milliarden Dollar, hieß es am Dienstag.

Finanzriesen zählen zu Verlierern

Die Hiobsbotschaft trifft die US-Regierung zusammen mit der sich zuspitzenden Krise des auch schon massiv von Staatshilfen abhängigen Finanzkonzerns Citigroup. Die einst weltgrößte Bank drängt Washington nach übereinstimmenden Medienberichten zu einer Teilverstaatlichung von bis zu 40 Prozent, um sich vor dem Abgrund zu retten.

Die beiden Finanzriesen zählen international zu den größten Verlierern der Finanzkrise. Bei ihrem Zusammenbruch drohen weltweite Schockwellen. Angeführt von einem Kurseinbruch an der New Yorker Wall Street reagierten die Börsen weltweit bereits mit Verlusten.

AIG bestätigte grundsätzlich Gespräche mit der US-Regierung und der Notenbank wegen der "finanziellen Herausforderungen", nannte aber keine Details. Die US-Regierung äußerte sich zunächst nicht. Sie hatte aber erst am Montag angesichts der sich verschärfenden Lage ausdrücklich weitere Hilfen für die führenden Finanzkonzerne des Landes in Aussicht gestellt.

Insolvenzantrag für den Notfall

Der Versicherer wolle seine Bilanz für 2008 an Montag kommender Woche vorlegen, berichtete der amerikanische Wirtschafts-Fernsehsender CNBC. Zuvor solle am Wochenende der Verwaltungsrat der Bank zusammenkommen, um eine neue rettende Vereinbarung mit der Regierung zu besiegeln. Für den Notfall eines Scheiterns bereite AIG einen Insolvenzantrag vor.

Die Notenbank Fed hatte den Versicherer erst Mitte September in letzter Minute vor dem Zusammenbruch bewahrt. Im Gegenzug erhielt der Staat knapp 80 Prozent der Anteile. An der Citigroup beteiligte sich der Staat mit einer Kapitalspritze von 45 Milliarden Dollar und einem beispiellosen Rettungsschirm von mehr als 300 Milliarden Dollar.

Möglich sei bei AIG eine Umschuldung von Teilen der Regierungskredite, schrieb das "Wall Street Journal". Eine andere Variante ist die Umwandlung der Vorzugsaktien des Staates in stimmberechtigte Stammaktien. Ein solcher Schritt zur Stärkung der Kapitalbasis steht den Berichten zufolge auch bei der Citigroup an.

Wesentlicher Grund für den drohenden Rekordverlust bei AIG seien riesige Abschreibungen bei Gewerbeimmobilien, hieß es. Nach Privathäusern ist in den USA dieser Immobilienmarkt in der Krise. Milliardenverluste aus riskanten Finanzgeschäften hatten AIG zuvor an den Rand des Abgrunds gebracht. In vier Verlustquartalen in Folge fuhr AIG zuletzt ein Minus von insgesamt 43 Milliarden Dollar ein.

AIG will sich nach bisherigen Plänen von großen Geschäftsfeldern trennen, um die Kredite und Geldspritzen zurückzuzahlen. Die Verkäufe gestalten sich jedoch angesichts der globalen Wirtschaftskrise weit schwieriger als geplant. Unter anderem übernahm der deutsche Versicherungskonzern Münchener Rück vom US-Wettbewerber einen Spezialversicherer.

Die AIG-Aktie verlor seit den Turbulenzen und dem Staatseinstieg im vergangenen Herbst rund 98 Prozent ihres Werts und fiel seither weiter. Zuletzt notierte sie bei gerade einmal bei 0,53 Dollar.

DPA / DPA