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Wolfgang Ziebart: Elektronikexperte ist neuer Infineon-Chef

Er ist kein Chip-Guru und kein ausgewiesener Halbleiter-Experte, aber der neue Infineon-Chef kennt sich mit Automobil-Elektronik und Systemlösungen aus - zwei Bereiche, in denen Infineon die eigene Zukunft sieht.

Der künftige Infineon-Chef Wolfgang Ziebart ist nicht unbedingt ein ausgewiesener Halbleiter-Experte. "Er ist sicher kein Chip-Guru", sagt ein Branchenkenner. Allerdings sei der 54-Jährige ein angesehener Elektronik-Experte, und Halbleiter seien der Kern der Elektronik. Zudem gilt Ziebart als Experte für System- Lösungen, die auch bei Infineon eine immer größere Rolle spielen. Beim Münchner Halbleiter-Konzern bekommt außerdem der wachsende Bereich Automobil-Elektronik immer mehr Bedeutung. Auch hier könnte Ziebart weiter helfen.

Karrierestart bei BMW

Ziebart hat den Großteil seines Berufslebens in München verbracht. Nach dem Maschinenbau-Studium und der Promotion an der Technischen Universität startete er 1976 seine Karriere bei BMW, wo Ziebart zunächst in der Fahrzeugvorentwicklung und in der Fertigung arbeitete und schnell aufstieg. 1992 wurde er Leiter der Hauptabteilung Karosserie und Fahrzeugelektronik. In den Folgejahren leitete er den Bereich Kleine Baureihe und war so für den Erfolg der aktuellen 3er-Modelle verantwortlich. 1999 rückte der Entwickler folgerichtig in den Vorstand auf. Ein Jahr später musste er allerdings im Zuge der Rover-Krise den Konzern verlassen.

Wie viele andere ehemalige BMW-Manager fand Ziebart schnell einen neuen Job in der Branche beim Reifen-Konzern Conti. Als stellvertretender Vorstandsvorsitzender ist er für den Bereich Automotive Systems verantwortlich, in dem unter anderem elektronische Brems- und Airbag-Systeme gefertigt werden. Aus Conti-Aufsichtsratskreisen war in den vergangenen Tagen verlautet, Ziebart ziehe es an die Spitze eines großen Unternehmens. Bei Conti sei dies aber nicht möglich. Konzernchef Manfred Wennemer hält die Zügel bei dem Autozulieferer fest in der Hand. So kam Ziebert das Interesse von Infineon wohl nicht ungelegen.

Gilt als uneitel und teamfähig

Auch Arbeitnehmer-Vertreter erkennen an, dass Ziebart ein technisch herausragender Experte sei. Allerdings sei auch er - wie der von der IG Metall ungeliebte Vorgänger Ulrich Schumacher - ein Anhänger der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Bei seinem früheren Arbeitgeber BMW ist er aber - bei Arbeitnehmern wie Management - weiter hoch angesehen. "Ziebart ist ein völlig uneitler Mann, der gern im Team arbeitet", sagt einer, der mit ihm zusammengearbeitet hat. Damit hätte er seinem Vorgänger Ulrich Schumacher möglicherweise schon einmal etwas voraus.

DPA