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Gas-Krise Auch Ökostrom wird teurer, obwohl kein Gas darin ist. Das sind die Gründe

Windräder stehen auf einem Feld im Sönke Nissen Koog nahe der Nordsee bei Bordelum
Bei Wind- oder Solarenergie wird kein Erdgas verwendet. Dennoch dürfte Ökostrom teurer werden.
© Christian Charisius / DPA
Die Strompreise steigen als Folge des Ukraine-Krieges und der Gas-Krise. Wer Ökostrom bezieht, dürfte sich wahrscheinlich in Sicherheit wiegen. In grünem Strom ist ja kein Gas enthalten. Doch auch Ökostrom-Bezieher müssen sich auf höhere Rechnungen einstellen.

Die Preise steigen, es stehen harte Monate vor uns. Heizen wird deutlich teurer, dank enorm gestiegener Gas-Preise. Eine Folge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine und gedrosselten Gaslieferungen aus Russland. Auch die Strompreise steigen infolgedessen.

Bezieherinnen und Bezieher von Ökostrom dürften sich da womöglich sicher vor steigenden Stromrechnungen fühlen. Immerhin ist in grünem Strom kein Erdgas, sondern nur Energie aus Wind, Sonne, Wasser oder Biomasse.

Doch auch wer Ökostrom bei sich zu Hause nutzt, muss sich auf Preissteigerungen gefasst machen.

"Steigende Marktpreise wirken sich immer auf Ökostrom-Tarife aus"

Das hat verschiedene Gründe. Einer davon ist der Strommarkt, wie die Energieagentur Ebersberg-München erklärt. Denn die Preise für die Stromlieferungen entstehen an den Strombörsen, zum Beispiel der Leipziger Strombörse EEX. Kraftwerksbetreiber oder Großhändler treffen hier auf die Stromlieferanten oder Industriebetriebe, also die Nachfragenden.

Auch die Anbieter E.ON und EnBW handeln an Strombörsen. "An den Börsen bestimmen verschiedene Marktfaktoren wie Beschaffungskosten oder Angebot und Nachfrage die Preise für Strom. Da Strom aus Kohle und Gas in der aktuellen Situation teurer ist, steigt die Nachfrage und somit auch der Preis für Ökostrom. Steigende Marktpreise wirken sich demnach immer auch auf Ökostrom-Tarife aus. Das ist aktuell auch der Fall", teilt ein Sprecher von EnBW dem stern mit.

Die Gestaltung des Strommarktes spielt allerdings auch eine Rolle, wie ein Sprecher des Stromkonzerns E.ON auf stern-Anfrage mitteilt. Die Deckung des Angebots und die Gestaltung des Strompreises erfolgen dabei nach der sogenannten Merit-Order. "Dieses legt – knapp formuliert – fest, dass für Strom der Preis der teuersten Produktionsart verlangt wird", so der E.ON-Sprecher. 

In der Praxis heißt das, dass "in der Angebotsreihenfolge so lange Kraftwerke von günstig nach teuer hinzugeschaltet werden, bis alle Nachfrager ihre Stromkäufe decken können", schreibt die Energieagentur Ebersberg-München.

Auch regionaler Ökostrom betroffen

In dieser Reihenfolge kommen erneuerbare Energien zuerst, dann Atomkraftwerke, dann Braunkohlkraftwerke, gefolgt von Steinkohlekraftwerken, Gas- und Dampfkraftwerken und zuletzt Gasturbinenkraftwerke. "Der Strompreis für alle Anbieter richtet sich nach dem teuersten Angebot des Anbieters, der zur Erfüllung der geforderten Strommenge beiträgt." Der Preis Strom hängt also vom teuersten Kraftwerk ab, das noch gebraucht wird, um die Stromnachfrage zu decken. Und das sind im Moment die Gaskraftwerke.

Steigt der Gaspreis also weltweit, steigen auch die Stromkosten in Deutschland – auch bei Ökostrom.

Auch regionaler Ökostrom ist von den Preisschwankungen betroffen, so die Energieagentur Ebersberg-München. Denn solche direkten Lieferverträge – die sogenannten over the counter oder OTC-Verträge – richten sich ebenfalls nach Strombörsenpreisen, da es die Orientierungsmarke für marktübliche Preisniveaus sei.

Das Problem: Verkaufen Ökostromanbieter ihren Strom über den Wert des Börsenpreises, wären sie nicht konkurrenzfähig. Wenn der Ökostromanbieter aber niedrigere Preise zahlen will, würden die Betreiber von Windrädern und Co. zu Abnehmern wechseln, die zum Börsenpreis einkaufen – oder direkt an die Strompreisbörse gehen. Deshalb werden auch direkte und sogar regionale Lieferveträge für Ökostrom vom Börsenpreis geprägt.

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"Preislicher Vorteil damit leider so aber nicht verbunden"

Doch um wie viel wird Ökostrom teurer? Die Prognose der Entwicklung der Kosten für Ökostrom sei durch die aktuellen Entwicklungen schwierig, so EnBW.

Die reduzierte Gasmenge aus Russland hat die Dynamik an den Energiemärkten noch weiter gesteigert. Dies und andere Einflussfaktoren von außen erschweren Prognosen zur Preisentwicklung zu treffen.

Grüner Strom bleibe zwar die nachhaltigere Alternative. "Ein preislicher Vorteil ist damit leider so aber nicht verbunden."

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