VG-Wort Pixel

"Die Stunde Null" Raisin-CEO Tamaz Georgadze: "Negativzinsen tun den Menschen weh"

Niedrige Zinsen und trotzdem sparen
Die Zinsen sind im Keller. Trotzdem haben die Deutschen im vergangenen Jahr so viel Geld angespart wie nie.
© malerapaso / Getty Images
Die Deutschen, sagt Tamaz Georgadze, Ceo der Raisin Bank, haben in den letzten Monaten historische Ersparnisse eingefahren. Dabei sind die Zinsen niedrig, wenn es überhaupt welche gibt. Wie konnte der Kontostand dennoch anwachsen?

Beschränkte Reisemöglichkeiten, geschlossene Restaurants, keine Konzerte: Während der Pandemie haben die Deutschen sehr viel gespart. "Die Nettosparquote lag bei 23 Prozent im ersten Quartal", sagt Raisin-Chef Tamaz Georgadze im Podcast "Die Stunde Null". "Das ist tatsächlich der absolute Rekord. Normalerweise liegt sie bei 12 bis 14 Prozent." Allerdings bleibe ein Großteil der Ersparnis auf dem Gehaltskonto liegen: "Das tut den Kunden natürlich weh, weil das ein automatischer Wertverlust ist."

Raisin hat mit seiner Internetplattform WeltSparen vor diesem Hintergrund viele neue Kunden gewonnen: Auf der Plattform lassen sich Angebote von mehr als 100 europäischen Bänken vergleichen, um am Ende die bestmöglichen Zinsen zu bekommen. "Wir hatten das beste Quartal unserer Geschichte, trotz aller widrigen Marktumstände", sagt Georgadze.

Jüngere wagen mehr Risiko

Zwar investieren immer mehr Deutsche inzwischen auch an der Börse. Allerdings handelt es sich dabei nach Einschätzung des Raisin-CEOs vor allem um "die jüngeren Bevölkerungsschichten". Der Grund: "Die Risikotragfähigkeit im jungen Alter ist sehr hoch, weil die Anlagezeiträume sehr lang sind". Der Durchschnittskunde von Raisin sei hingegen in einem Alter von 55 Jahren. Für den sei "eine kurzfristig verfügbare Liquidität" wichtig und Festgeld für ein bis drei Jahre daher ein sehr wichtiges Anlageprodukt.

Unlängst hat Raisin eine Fusion mit dem Hamburger Konkurrenten Deposit Solutions verkündet, der die Plattform Zinspilot betreibt. Das Gemeinschaftsunternehmen namens Raisin DS wird laut Einschätzung von Branchendiensten mit 2,5 Milliarden US-Dollar bewertet und 170 Partnerbanken haben. Ziel ist es, ein großes europäisches Unternehmen aufzubauen, das auch in den USA wettbewerbsfähig sein kann. Eine solche Größe allein zu erreichen hätte "deutlich länger gedauert und sehr viel mehr Energie in Anspruch genommen", sagt Georgadze, der die Führung des Gemeinschaftsunternehmen übernehmen soll.

Hören Sie außerdem in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Wie die neuen Büroräume von Raisin in Berlin aussehen
  • Wie die Gespräche mit Deposit Solutions verliefen
  • Ob Raisin eine Aufsichtsfunktion für Banken haben könnte

Alle Folgen finden Sie direkt bei Audio Now, Apple oder Spotify oder via Google.

Capital

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker