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Post-Logistik: DHL kämpft an vielen Fronten

Die Deutsche Post ist US-Präsident George W. Bush in besonderer Weise zu Diensten: An vielen Orten, wo die USA weltweit Flagge zeigen, ist die US-Logistik-Tochter der Deutschen Post, die DHL, dabei.

Derzeit bedient sie die US-Olympiamannschaft in Athen ebenso exklusiv wie die US-Truppen im Irak oder in Afghanistan. Die prestigeträchtigen Geschäfte sind Erfolge der DHL auf einem Markt, auf dem sie gerade mal sechs Prozent Anteil hat. Die US-Giganten UPS und FedEx dominieren den lukrativen US-Express- und Paketmarkt mit seinem Gesamtumsatz von 50 Milliarden Dollar.

Vor schwieriger US-Expansion

Aber die DHL, im Expressgeschäft schon Weltmarktführer, will in den USA expandieren. Denn sie spielt in der globalen Strategie des Post-Chefs Klaus Zumwinkel eine zentrale Rolle. Das Ziel: schon 2005 will der Konzern weltweit im Logistikgeschäft die Nummer eins sein. Innerhalb der Post gibt es sogar Spekulationen, dass dann auch der Name Deutsche Post zugunsten von DHL verschwinden würde. Nun gibt die DHL allein 2004 in den USA 150 Millionen Dollar für eine Marketing-Kampagne aus. "Mit sensationellem Erfolg", sagt DHL-Vize-Vorstand Dick Metzler und verweist auf die rapide gewachsene Bekanntheit von DHL in den USA.

Insgesamt sollen bis 2007 rund 1,2 Milliarden Dollar in den US-Zustelldienst investiert werden. Mit neuer Logistik, dem Ausbau von Kapazitäten und aggressiven Marketing soll der Marktanteil erhöht werden. Jüngst wurden die Briefzusteller SmartMall und QuickPack erworben. Damit wird die Deutsche Post Global Mail USA führender Partner der US-Post auf dem US-Briefmarkt.

Noch schreibt DHL rote Zahlen

Aber noch schreibt DHL mit ihren 40.000 Mitarbeitern in den USA zur Enttäuschung der Zentrale in Bonn rote Zahlen. Im ersten Halbjahr 2004 wurden die Verluste auf dem Amerika-Markt mit 229 Millionen Euro angegeben - bei einem Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Zumwinkel hat das Ziel vorgegeben: 2005 soll die Gewinnzone erreicht werden. Bisher schmälerten nach seinen Worten die aufwendige Investitionen - so auch für das "Neu-Branding" - neue Farben (gelb/rot) - die Erträge.

Allerdings muss sich die DHL gegen Konkurrenten behaupten, die alle politischen Hebel gegen den Emporkömmling aus Deutschland in Bewegung setzen. "Wir werden behandelt wie jeder Marktkonkurrent auch, eben knallhart", betont Post-Repräsentant in den USA, Wolfgang Pordzik. Seit Jahren wird gegen die DHL prozessiert, um zu beweisen, dass sie die Fluglinie Astar Air Cargo kontrolliere - was nach US- Recht für ein ausländisches Unternehmen verboten wäre. "Unerbittlicher und aggressiver Lobbyismus soll Konkurrenz vom Markt fernhalten", sagt Pordzik. Derzeit sieht es nach einem juristischen Sieg der DHL aus, aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

UPS beklagt Subventionierung der Post

UPS überzeugt im US-Kongress am meisten mit Verweisen auf deutsche Subventionen. Die "Quersubventionierung des Paketversands der Post mit Profit aus dem monopolgeschützten Briefversand... stellt eine Wettbewerbverzerrung dar", so UPS-Chef Michael Eskew vor kurzem in einem Zeitungsinterview. Mit "verdrehten Fakten und falschen Anschuldigungen" wollten die Konkurrenten DHL aus dem US-Markt drängen, hält Pordzig dagegen. "Die Kampagnen sollen Kunden verunsichern, das Vertrauen beschädigen."

Pordzig hat den Fehdehandschuh der Konkurrenten geschickt aufgegriffen. Das beweist auch die DHL-Präsenz im US-Wahlkampf. Auf den Parteitagen der Demokraten und Republikaner zeigt Pordzig mit eigenen Empfängen Flagge - denn politischer Lobbyismus ist ein Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg. "Wir übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, das ist in hier wichtig". Die Post hilft: ob mit Lebensmitteln für Afghanistan, der Unterstützung von Obdachlosen oder der Nachwuchsförderung von schwarzen Amerikanern.

Gefährliche Dienste

Die exklusiven Dienste der DLH für Washington sind nicht ohne Tücken. Der Transport von täglich 50 Tonnen Briefe und Pakete an die Soldaten am Golf bedarf nicht nur aufwendiger Logistik. Vor einem Jahr gingen spektakuläre Fernsehbilder um die Welt, als der DLH-Flieger nach feindlichem Beschuss brennend notlanden musste.

Laszlo Trankovits, dpa / DPA