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Ausverkauf in Geschäften "Ich werde alles kaufen, was es zu kaufen gibt" – H&M-Schließung löst Kundenansturm in Russland aus

Eine lange Schlange bildet sich vor der H&M-Filiale in einem Shopping-Center in Moskau.
Eine lange Schlange bildet sich vor der H&M-Filiale in einem Shppping-Center in Moskau. H&M zieht sich vom Markt in Russland zurück
© Natalia Kolesnikowa / AFP
Es ist nur ein kurzes Vergnügen: Für den Ausverkauf öffnet H&M ein letztes Mal die Filialen in Russland. Vor den Geschäften bilden sich lange Schlangen.

Mit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine zogen sich zahlreiche Unternehmen vom Markt in Russland zurück – darunter auch die schwedische Modekette H&M. Seit Anfang März waren alle 170 Filialen im Land vorübergehend geschlossen, Mitte Juli kündigte das Unternehmen jedoch an, sich komplett vom russischen Markt zurückziehen zu wollen. Nicht aber, ohne vorher nochmal die Lagerbestände in Russland an den Kunden zu bringen.

Während der Einrichtungskonzern Ikea sich auf einen reinen Online-Ausverkauf festlegte, öffnet H&M in dieser Woche ein letztes Mal einige Filialen in Russland – und löst damit einen wahren Ansturm aus. Fotos im Internet zeigen Hunderte Kunden, die in langen Schlangen vor den Geschäften warten. "H&M schließt, deswegen stehen wir hier. Ich werde alles kaufen, was es zu kaufen gibt", erklärte eine Kundin namens Irina gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Ekaterina, eine weitere Kundin, sieht die Schließung im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt – ohne den Krieg beim Namen zu nennen, denn dafür drohen in Russland drakonische Strafen. "Der Grund, warum das alles passiert, ist schrecklich. Alles andere ist bedeutungslos – auch, wie wir ohne H&M zurechtkommen werden."

H&M schließt 170 Filialen in Russland

Gegenüber dem "Guardian" bestätigte der Modekonzern den Ausverkauf in Russland, der in den meisten Filialen im August und September stattfinden solle, bis "der größte Teil unserer Lagerwaren verkauft ist". "Nach langen Überlegungen sehen wir es in der aktuellen Situation als unmöglich an, unsere Geschäfte in Russland weiterhin zu betreiben", hatte H&M-Geschäftsführerin Helena Helmersson die endgültige Schließung der Läden in Russland begründet. Davon betroffen sind auch 6000 Mitarbeiter, die nicht weiter von dem Textilunternehmen beschäftigt werden. Die Geschäftsaufgabe kostet das Unternehmen laut Medienberichten rund 190 Millionen Euro. Wie es anschießend mit den 170 Filialen weitergeht, ist noch unklar. Laut dem russischen Ministerium für Industrie und Handel sollen sie von einem russischen Unternehmen oder einem ausländischen Unternehmen, dessen Land Russland keine Sanktionen aufgelegt hat, gekauft werden.

Ikea und H&M reihen sich mit der endgültigen Schließung in eine lange Kette internationaler Firmen an, die Russland auch den Rücken kehren werden. Mitte Juli hatten bereits Nike, Cisco und Lego verkündet, dass sie den russischen Markt verlassen. Auch der amerikanische Handelskonzern TJX, der in Europa die "TK Maxx"-Filialen betreibt, und die polnische Kette LPP, die unter anderem das Label Reserved vertreibt, kündigten einen Schlussstrich für die Russland-Geschäfte an.


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