Russland Inhaftierter Chodorkowski gibt Yukos-Vorsitz auf


Der wegen Betrugs und Steuerhinterziehung inhaftierte Milliardär Michail Chodorkowski ist als Vorstandsvorsitzender des russischen Erdölkonzerns Yukos zurückgetreten.

Im Konflikt zwischen der russischen Justiz und dem zweitgrößten nationalen Erdölkonzern Yukos ist der inhaftierte Konzernchef Michail Chodorkowski als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. "Ich verlasse die Gesellschaft", kündigte Chodorkowski seinen Rücktritt an. Zuvor hatte erstmals der Kreml öffentlich Kritik am Vorgehen der Generalstaatsanwaltschaft geübt. Diese hatte zunächst gegen Chodorkowski Untersuchungshaft wegen schweren Betrugs und Steuerhinterziehung in Milliardenhöhe erwirkt, und anschließend einen Großteil der Yukos-Aktien beschlagnahmt.

Kursanstieg nach Rücktritt

Chodorkowski begründete seinen Rücktritt mit der "schwierigen Situation". "Als Leiter muss ich alles tun, um unser Arbeitskollektiv aus der Stoßrichtung zu nehmen, die gegen mich und meine Partner gerichtet ist", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax aus der Erklärung. Er sei überzeugt, dass die "geschlossene Mannschaft hochprofessioneller Manager" die vor ihr stehende Aufgabe der Globalisierung des Konzerns erfolgreich bewältigen werde. Der Rücktritt Chodorkowskis sorgte an der Moskauer Aktienbörse für einen Kursanstieg der Yukos-Papiere um 3,9 Prozent.

Kritik an Staatsanwaltschaft

Die Beschlagnahme von Yukos-Aktien in der Vorwoche sei eine "nicht zu Ende gedachte Handlung" gewesen, sagte der neue Kreml-Stabschef Dmitri Medwedjew im Staatsfernsehen. "Diese Aktien gehören Offshore- Unternehmen, die Anspruch auf Schadenersatz erheben. Die juristische Effektivität solcher Sicherungsmaßnahmen ist nicht offensichtlich", sagte der promovierte Jurist.

Die Vorwürfe der Justiz gegen Yukos und Chodorkowski stellte Medwedjew nicht in Frage. "Wir gehen davon aus, dass diese Dinge peinlichst genau untersucht werden und dass die Entscheidung über eine Schuld der betroffenen Personen nur von einem Gericht in Übereinstimmung mit den russischen Gesetzten getroffen wird", betonte er.

Politisch motiviertes Vorgehen unterstellt

Die Yukos-Führung steht im Verdacht, bei Privatisierungsgeschäften in den 90er Jahren den Staat um eine Milliarde Dollar betrogen zu haben. Kritiker unterstellen dem Kreml, das Vorgehen der Justiz gegen den politisch ambitionierten Chodorkowski angeordnet zu haben.

Chodorkowski kündigte in seiner Rücktrittserklärung an, er wolle sich künftig auf seine Arbeit als Vorsitzender der Stiftung "Offenes Russland" konzentrieren. Diese von Yukos-Aktionären und privaten Investoren gegründete wohltätige Stiftung hat sich neben Bildungsprogrammen und kulturellen Zielen zur Aufgabe gestellt, der Jugend "die Grundlagen der Demokratie beizubringen".


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker