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Russland: Yukos-Meldungen lassen Ölpreis verrückt spielen

Gerichtsvollzieher wiesen die wichtigsten Yukos-Förderbetriebe an, die Veräußerung von Vermögenswerten zu stoppen und damit auch den Verkauf von Öl einzustellen. Dies könnte den Zusammenbruch des Konzern beschleunigen.

Ein Lieferstopp für den russischen Ölkonzern Yukos hat am Mittwoch für Rekordstände bei den Ölpreisen und damit für Kursverluste der Aktien an der New Yorker Wall Street gesorgt. "Die Yukos-Meldungen haben den Ölmarkt in Aufregung versetzt, was wiederum den Aktienmarkt in Aufregung versetzt hat", sagte Anlage-Stratege Alfred Kugel von Stein Roe Investment Counsel. "Yukos sorgt für rund zwei Prozent des weltweiten Ölangebots", stellte er fest. Sollten diese Mengen dem Weltmarkt vorenthalten werden, müsse dies für eine Verknappung des Angebots sorgen.

Kurz vor Zerschlagung

Das russische Justizministerium hatte den Druck auf den vor der Pleite stehenden Ölkonzern Yukos weiter erhöht. Der Yukos-Konzern habe die Anordnung zum Wochenbeginn erhalten, bestätigte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch nach Angaben der Agentur Interfax. Damit drohe ein Produktionsstopp in den nächsten Tagen, teilte Yukos mit.

Justizminister Juri Tschaika bestätigte, dass der bereits beschlagnahmte Förderbetrieb Juganskneftegas in Westsibirien zur Tilgung der Steuerschuld verkauft werden soll. Nach Einschätzung von Beobachtern führt der Verkauf des mit Abstand wichtigsten Förderbetriebs zur Zerschlagung des Konzerns. Gerichtsvollzieher teilten am Mittwoch mit, sie hätten bislang 15 Milliarden Rubel (427 Mio Euro) aus dem Yukos-Vermögen eingetrieben. Der Konzern muss allein für das Jahr 2000 Steuerschulden in Höhe von 99 Milliarden Rubel (2,8 Mrd Euro) begleichen.

Yukos fördert mehr als Libyen

Unklar blieb zunächst, ob Yukos wegen des Verkaufsverbotes seine Öl-Lieferungen sofort einstellen muss oder lediglich keine neuen Lieferverträge abschließen darf. Kommt der Verkauf zum Erliegen, dürfte Yukos schnell zusammenbrechen. Der Konzern fördert pro Tag 1,7 Millionen Barrel Öl und damit mehr als der Opec-Staat Libyen. Etwa ein Fünftel des russischen Erdöls stammt aus Yukos-Produktion. Russland selbst ist nach stetigem Wachstum in den vergangenen fünf Jahren nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Erdöl-Exporteur.

"Das gibt Yukos nicht viel Zeit, weil plötzlich kein frisches Geld mehr herein kommt", sagte der Ölanalyst Stephen O’Sullivan beim Handelshaus UFG. "Das dürfte die Sache sehr rasch einer Entscheidung entgegen treiben." Yukos-Aktien verloren in Moskau 21 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Mai 2001. Daraufhin wurde der Handel mit den Papieren bis auf weiteres ausgesetzt. Die Aktien befinden sich bereits seit vergangener Woche im freien Fall, als die Gerichtsvollzieher den Verkauf der Yukos-Kerngesellschaft Yuganskneftegaz angekündigt hatten. Mit dem Erlös sollten Steuerschulden aus dem Jahr 2000 in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar eingetrieben werden. Experten zufolge könnten sich die Steuerforderungen des Staates auf bis zu zehn Milliarden Dollar summieren. Yukos sieht sich deshalb nach eigenen Angaben vom Bankrott bedroht.

Ölpreis erreichte Rekordniveau

Ein Barrel (knapp 159 Liter) der führenden Nordseesorte Brent zur Lieferung im September verteuerte sich in London um 1,05 Dollar auf 39,59 Dollar. In der Spitze stieg es bis auf 39,64 Dollar, dem höchsten Stand seit 14 Jahren. US-Öl kletterte sogar auf ein Allzeithoch von 43,05 Dollar je Barrel. Sollte die Erdöl-Förderung in Russland wegen der Yukos-Krise hinter den Prognosen zurück bleiben, wird nach Einschätzung von Analysten der Druck auf die übrigen Erdöl-Produzenten zu einer höheren Förderung steigen. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) hatte die tägliche Fördermenge bereits auf 25,5 Millionen Barrel erhöht und damit den höchsten Stand seit 1979 erreicht. Ursache für die Ölknappheit ist ein sprunghafter Anstieg des Verbrauchs in China und den USA.

DPA / DPA