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30.000 Läden weltweit 50 Jahre Starbucks: Wie ein Italien-Urlauber das Unternehmen zum globalen Café-Riesen machte

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Am 30. März 1971 gründeten drei Studenten mit einer Vorliebe für Kaffee die Starbucks-Kette. Heute feiert das weltweit größte Café-Unternehmen seinen 50. Geburtstag. Ein Blick auf seine Geschichte.

Mit knapp 33.000 Filialen ist Starbucks die mit Abstand größte Café-Kette der Welt, doch es begann alles ganz klein. Drei Studienfreunde, die ihre Vorliebe für guten Kaffee verband, eröffneten am 30. März 1971 ein kleines Ladengeschäft in Seattle. Jerry Baldwin, Gordon Bowker und Zev Sieg schufen so – ganz unbewusst – die Basis für ein Unternehmen, das der US-Geschäftsmann Howard Schultz zu einem globalen Café-Imperium aufbauen sollte.

Starbucks könnte Vorbild sein: Seinen amerikanischen Angestellten bietet das Unternehmen eine Krankenversicherung und die Finanzierung eines Online-Fernstudiums, es unterstützt die Homo-Ehe und schreibt Gerechtigkeit in Sachen Anstellung groß, indem auch Menschen mit Behinderung dort beschäftigt werden. Nur einem kann Starbucks nicht gerecht werden: der konsumkritischen Haltung der Gründer.

Vom studentischen Café zur globalen Marke

Tatsächlich stammen die Gründer aus einer Zeit, in dem eine konsumkritischer Geist herrschte. Doch das Unternehmen entwickelte sich in die entgegengesetzte Richtung. Grund dafür war der langjährige Inhaber und Vorsitzende des Unternehmens Howard Schultz. 1982 heuerte der damals 29-Jährige als Marketingdirektor bei Starbucks an. Eine Geschäftsreise nach Mailand begeisterte ihn von der italienischen Kaffee- und Espresso-Kultur, die er auch in dem kleinen Laden in Seattle einbringen wollte.

Die Starbucks-Gründer teilten seine Vision allerdings nicht, woraufhin Schultz zunächst seine eigene Kette Il Giornale eröffnete, die Espresso und Eiscreme nach italienischem Vorbild verkaufte. 1987 stand Starbucks zum Verkauf – und Schultz griff zu. Es folgte eine drastische Kehrtwende, die den Aufstieg von Starbucks zu einer globalen Marke bedeutete.

1992 brachte Schultz das Unternehmen an die Börse, damals hatte Starbucks gerade einmal 140 Läden. Heute betreibt die Kette mehr als 30.000 Café-Restaurants, weltweit haben nur McDonald's und Subway mehr Filialen. In Deutschland ist Starbucks seit der Eröffnung seines ersten Kaffeerestaurants in Berlin im Jahr 2002 am Start. Zuletzt gab es hier 136 Filialen.

Erfolg mit Schattenseiten

Vom Tellerwäscher zum Millionäre, so lässt sich der Aufstieg des Unternehmens wohl am besten beschreiben. Doch zu welchem Preis? Tatsächlich legt das Unternehmen nicht nur Glanzleistungen hin. Die teils hoch wirkenden Kaffee-Preise dürften noch am ehesten zu verkraften sein.

In Sachen Umweltschutz steht das Unternehmen aber längst nicht so weit vorne. Die nicht recyclebaren Pappbecher, die täglich über die Ladentheken der Café-Kette gehen, kosten jährlich etwa eine Million Bäume. Mittlerweile setzt das Unternehmen zwar vermehrt auf Mehrweg und auf eine Gebühr von fünf Cent auf die Becher – genutzt werden die beschichteten Pappbehälter mit grünem Logo aber immer noch. Laut Umweltbundesamt nutzen die Deutschen jährlich 2,6 Milliarden Pappbecher. Wie viele täglich bei Starbucks ausgegeben werden, verrät das Unternehmen allerdings nicht.

Auch mit Lebensmitteskandalen schaffte es das Unternehmen mehrmals in die Schlagzeilen. So deckte ein Journalist der US-amerikanischen "USA Today" 2012 auf, dass Starbucks Produkte, die als vegan angeboten wurden, in Wahrheit mit dem roten Farbstoff Karmin der Schildlaus färbte. Von veganen Produkten konnte ab dem Zeitpunkt keine rede mehr sein. Zudem war Starbucks 2014 in den "Gammelfleisch-Skandal" verwickelt. Damals soll ein chinesischer Zulieferer abgelaufenes Fleisch umetikettiert und an diverse Fast Food-Ketten verkauft haben.

Auch Etikettenschwindel beim vermeintlich fairen Handel und ein Steuerskandal reihen sich im wenig rühmlichen Teil der Unternehmensgeschichte. Zuletzt geriet der Konzern in die Schlagzeilen, weil 8000 Filialen geschlossen werden mussten. Der Grund war eine in Amerika landesweit durchgeführte Anti-Rassismus-Schulung der Starbucks-Mitarbeiter, ausgelöst durch einen Vorfall in einem Starbucks-Café in Philadelphia. Zwei Afro-Amerikaner hatten dort nach dem Code für die Toilette gefragt, ohne etwas zu bestellen. Weil sich die beiden, obwohl man ihnen die Bitte verwehrte, an einen Tisch setzten, riefen die Mitarbeiter die Polizei. Beide Männer wurden in Handschellen abgeführt.

Jetzt auch noch Corona

Jetzt setzt die Coronakrise dem US-Konzern zu – ausgerechnet zum 50. Jubiläum blickt Starbucks auf eines der schwierigsten Jahre seiner Geschichte zurück. Pandemiebedingte Filialschließungen und Verkaufseinbußen hinterließen tiefe Spuren in der Bilanz. In den drei Monaten bis Ende Dezember brach der Gewinn im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 622 Millionen Dollar ein – dabei lief es schon wieder deutlich besser als in den beiden Vorquartalen.

Die Corona-Pandemie macht dem Unternehmen aber auch hierzulande zu schaffen. "Auch Starbucks Deutschland ist aktuell stark betroffen von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie", sagt Europa-Sprecherin Annick Eichinger. 

Inzwischen sieht der derzeitige Starbucks-Chef Kevin Johnson das Schlimmste jedoch überstanden. In den wichtigsten Märkten USA und China dürfte sich das Geschäft bald wieder vollständig erholt haben, sagte Johnson jüngst dem US-Magazin "Fortune". Dauerhaft geschadet habe die Krise nicht.

Quellen: Starbucks"Süddeutsche Zeitung", "Handelsblatt", Deutsche Welle, DPA

cl DPA

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