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Tourismus: Fernweh überwiegt Terror- und Sars-Angst

Südostasien war in den letzten Jahren nicht gerade das Lieblings-Reiseland der Deutschen. Angst vor Terror, Sars und der Vogelgrippe hielt die Menschen in der Heimat. Doch nun geht mit der Tourismus-Branche wieder aufwärts.

Erst war es der Terror, dann die Lungenkrankheit Sars und der Irak-Krieg, und schließlich noch die Vogelgrippe: Eine Krise nach der nächsten hatte Südostasiens Urlaubsindustrie in den vergangenen eineinhalb Jahren heimgesucht. Selbst in den Hotels an den schönsten Stränden langweilte sich das Personal - wenn es noch nicht entlassen worden war. Inzwischen jedoch schlägt der Puls der für die Region so wichtigen Branche wieder, vor allem dank neuer Reiselust in den asiatischen Nachbarländern. Westliche Urlauber hingegen zieren sich nach Erkenntnissen von Reisefachleuten noch.

"Für Südostasien sieht es ziemlich gut aus", sagt John Koldowski vom Pazifisch-Asiatischen Reiseverband (PATA). So werde etwa der Urlaubermagnet Thailand in diesem Jahr wohl wie erwartet auf 12 Millionen Touristenankünfte kommen. Bis 2006 sei jedes Jahr mit einem Plus von rund einer Million zu rechnen. Die Philippinen melden unterdessen für das erste Quartal 2004 einen steilen Anstieg der Ankünfte von 17 Prozent verglichen zum selben Vorjahreszeitraum, Indonesien weist sogar einen Zuwachs von fast 21 Prozent.

Mehr Besucher - aber viele Billigtouristen

Rund eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Bombenanschlag auf zwei Nachtclubs der indonesischen Ferieninsel Bali mit 202 Toten füllen sich auch dort wieder Betten und Strände. Ein Plus von 52 Prozent bei den Urlauberankünften registrierten die Behörden dort in den ersten vier Monaten. Asiatische Billigtouristen haben die "Insel der Götter" entdeckt, ist zu hören. "Die Zahl der Ankünfte steigt zwar, aber an qualitativ höherwertigen Angeboten geht das vorbei", sagt I Gde Pitana, Direktor des staatlichen Tourismusbüros auf Bali.

"Überall auf der Welt können wir beobachten, dass die Menschen einen neuen, großen Terroranschlag erwarten, also bleiben sie nahe ihrer Heimat", meint John Koldowski. "Deshalb bleiben die Europäer eher in Europa, die Asiaten in Asien und so weiter." Junge, abenteuerlustige Urlauber wie etwa Rucksacktouristen aus Deutschland oder Großbritannien seien dabei die Ausnahme. "Die Deutschen haben noch immer das Geld, die Zeit und die Neigung, weit zu reisen."

"Wir brauchen mehr Hotels"

Auch die Philippinen profitieren vom Reiseboom in Asien. "Die wichtigsten Quellen für unseren Zuwachs sind Südkorea und Japan sowie der wachsende chinesische Markt", sagt Tourismusminister Roberto Pagdanganan im dpa-Gespräch. Das Land der 7000 Inseln hat indes ehrgeizige Ziele: Bis zum Jahr 2010 soll die Zahl der Touristenankünfte auf 5 Millionen verdoppelt werden. Dass es dafür derzeit allerdings noch an der nötigen Infrastruktur hapert, räumt selbst der Minister ein: "Wir brauchen mehr Hotels, wenn wir die 5 Millionen erreichen wollen. Wir brauchen mehr Häfen, mehr Boote. Aber wenn die Nachfrage zunimmt, kommt das sicher automatisch."

Um wieder mehr der zahlungskräftigen Reisenden aus Europa oder den USA anzulocken, haben die Verantwortlichen auf den Philippinen wie auch in Indonesien aber noch eine wichtige Hürde zu nehmen: nämlich Ängste vor Terror und Gewalt zu entkräften. "Westliche Urlauber sind immer noch der Meinung, dass hier Muslime gegen Christen stehen", klagt Balis Tourismuschef I Gde Pitana. "Viele Europäer sind über unser Land nicht richtig informiert", sagt auch der philippinische Tourismusminister Pagdanganan. "Wenn von bestimmten Problemen die Rede ist wie (durch muslimische Rebellen auf der Insel) Mindanao, denken die Leute, das ist gleich um die Ecke. Tatsächlich handelt es sich dabei nur um einen kleinen Landesteil ganz im Süden."

Frank Brandmaier/DPA / DPA