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Tourismus: Tarifgespräche im Schatten von Billigfliegern

Mit deutlich härteren Tarifverträgen wollen Reiseveranstalter und Fluggesellschaften auf die Krise im Tourismus und den zunehmenden Konkurrenzkampf mit den Billigfliegern reagieren.

Längere oder flexiblere Einsatzzeiten von Piloten, eine stärkere Verteilung der Arbeitszeit auf das gesamte Jahr oder auch vom Unternehmensgewinn abhängige Zahlungen von Weihnachts- und Urlaubsgeld stehen bei vielen Verhandlungen im Vordergrund. Die Touristikunternehmen seien Krisenerscheinungen ausgesetzt, die inzwischen eine dauerhaft veränderte Situation bedeuteten, betont die Tarifgemeinschaft des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalter Verbandes. An diesem Montag steht in Frankfurt die zweite Verhandlungsrunde für die rund 70.000 Beschäftigten an. Der Branchenprimus TUI droht unverhohlen mit dem Austritt aus dem Arbeitgeberverband, wenn es nicht zu einer Einigung kommt.

Lufthansa quasi mit ver.di einig

Auch in der Luftfahrt, in der für einzelne Unternehmen getrennt verhandelt wird, geht es längst nicht mehr um nur die Frage, ob das Gehalt um ein oder zwei Prozent angehoben wird. Vielen Gesellschaften sitzen Low-Cost-Carrier wie EasyJet oder Ryanair im Nacken. Bei der Lufthansa laufen die Gespräche derzeit auf Hochtouren, im Kern hat sich die größte deutsche Fluggesellschaft mit der Gewerkschaft ver.di auf eine Neuausrichtung des Konzerntarifvertrags verständigt, heißt es in der Mitarbeiterzeitung "Lufthanseat". Bis Mitte August soll ein "Bündel von Maßnahmen" vereinbart werden.

Wie das Ergebnis aussehen könnte, zeigt der Abschluss bei der Lufthansa-Tocher City Line. Hier wurde für die Kabine eine Nullrunde über 30 Monate vereinbart. Den Abschluss bewertete Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber als beispielhaft: "Das zeigt mir, dass die Gewerkschaften Interesse an einer langfristigen Perspektive für unsere Mitarbeiter haben." Mayrhuber hatte zuvor bereits das Motto ausgegeben: Mehr Arbeit für das gleiche Geld, um die Arbeitsplätze in dem Konzern mit 93.000 Mitarbeitern zu sichern.

Auch Condor soll sparen

Bei dem in tiefrote Zahlen geratenen Ferienflieger Condor will der Mutterkonzern ebenfalls deutlich Kosten sparen. "30-15" heißt in der Branche die Formel, die die Arbeitgeberseite laut Gewerkschaftkreise erreichen will: Bis zu 30 Prozent Mehrarbeit und bis zu 15 Prozent weniger Gehalt. Das Mutterhaus Thomas Cook hatte im vergangenen Jahr vor allem auch wegen der Flugsparte Verluste gemacht, jetzt soll Condor auch den Billigfliegern mit Schnäppchenpreisen ab 39 Euro Konkurrenz machen. Alternativen haben die Thomas-Cook-Reiseveranstalter ohnehin: Erstmals in diesem Sommer nutzt die Hauptmarke Neckermann bereits selbst einen Billigflieger: Zwei Mal wöchentlich gibt es Neckermann- Reisen mit dem Low-Cost-Carrier Germanwings von Köln nach Mallorca.

Beim Tourismus-Branchenprimus TUI konnte kurz vor Beginn der Haupturlaubszeit ein Streik der Piloten der Flugtochter Hapag Lloyd in letzter Minute abgewendet worden. TUI und die Pilotenvereinigung Cockpit einigten sich, dass die Piloten sowohl bei der traditionellen Hapag-Lloyd-Flug als auch beim Billigableger Hapag-Lloyd-Express (HLX) eingesetzt werden können. TUI hatte bereits Ende vergangenen Jahres angekündigt, die Kosten bei der traditionellen Fluggesellschaft kürzen zu wollen.

Fluglotsen drohen mit Streik

Ganz andere Probleme als in der Luft oder im Reisebüro gibt es bei der Deutschen Flugsicherung (DFS): Hier sprachen sich die Fluglotsen für einen Streik aus, wenn das Unternehmen die Gewerkschaft der Flugsicherung nicht als Tarifpartner anerkennt. Dies lehnt die DFS ab, weil die Lotsenvereinigung nicht wie gesetzlich vorgesehen überbetrieblich sei - die DFS ist praktisch der einzige Arbeitgeber. Bevor es zu einem Streik kommen könnte, soll aber zunächst ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Frankfurt abgewartet werden, mit dem am 22. Juli gerechnet wird.

DPA