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Taxi-Dienste Sexuell übergriffige Fahrer: Uber und Lyft tauschen Namen aus

Ein Lyft-Logo ist auf dem Auto eines Lyft-Fahrers neben einem Uber-Aufkleber angebracht
Laut Ubers Sicherheitstransparenzbericht wurden 2017 und 2018 fast 6000 sexuelle Übergriffe gemeldet
© Gene J. Puskar / AP / DPA
Sie sind Rivalen und wollen trotzdem zusammenarbeiten: Damit Fahrer, die wegen eines sexuellen Übergriffs ausgeschlossen wurden, nicht einfach den Arbeitgeber wechseln, wollen die US-Fahrdienstvermittler Uber und Lyft künftig Namen und Informationen über die Straftäter teilen.

Die beiden US-Fahrdienstvermittler Uber und Lyft – eigentlich erbitterte Konkurrenten auf dem US-amerikanischen Markt – wollen in einer wichtigen Sicherheitsfrage gemeinsame Sache machen. Zukünftig sollen die Unternehmen in den USA die Namen von Fahrern teilen, die wegen sexueller Übergriffe oder anderer Formen von Gewalt gegenüber Fahrgästen ausgeschlossen wurden. Dies erklärte Uber in einer Pressemitteilung. Bisher kam es vor, dass Fahrer trotz derart schwerwiegenden Vorwürfen einfach beim Rivalen anheuerten.

"Industry Sharing Safety Program" – unter diesem Namen soll die Zusammenarbeit der beiden Dienstleistungsschwergewichte in den USA laufen. Im Rahmen der Initiative wollen Uber und Lyft Informationen über Fahrer und Zusteller austauschen, die von den Plattformen wegen "schwerwiegender Sicherheitsvorfälle, einschließlich sexueller Übergriffe und körperlicher Angriffe mit Todesfolge" ausgeschlossen wurden. 

Zuvor hatten die Konkurrenten solche Fälle komplett eigenständig aufgearbeitet. Der Informationsaustausch habe am Donnerstag begonnen. Uber und Lyft hätten bereits Namen von Fahrern ausgetauscht, die seit 2017 wegen entsprechenden Vorwürfen ausgeschlossen worden waren.

Mitbewerber sollen gegen "minimale Gebühr" teilnehmen dürfen

Die angekündigte Kooperation soll allerdings nicht nur die Sicherheit von Uber- und Lyft-Kunden erhöhen. Uber spricht von einem branchenweiten Sicherheitsprogramm. Auch andere Transport- und Liefernetzwerkunternehmen könnten sich – gegen eine "minimale Gebühr" – daran beteiligen. Verwaltet würden die Daten vom externen Unternehmen "HireRight". Der Anbieter für Personallösungen werde die Informationen sammeln, abgleichen und sicherstellen, dass Uber und Lyft sich an die Industriestandards halten. Diese Standards seien von Experten für die Prävention sexueller Gewalt des National Sexual Violence Resource Center (NSVRC) entwickelt worden. "Ich habe oft gesagt, dass Sicherheit nicht proprietär sein sollte", habe der Leiter von Ubers Rechtsabteilung, Tony West, gegenüber "CNN" gesagt. "Während Uber und Lyft an vielen Fronten erbitterte Konkurrenten sind, denke ich, dass wir uns in dieser Sicherheitsfrage einig sind", so West weiter.

Sicherheitsbericht von Uber: fast 6000 sexuelle Übergriffe 2017/2018

Noch vor einem Jahr hatte Uber seinen ersten Sicherheitstransparenzbericht für das US-Geschäft veröffentlicht. Laut "CNN" war dies eine Reaktion auf  CNN-Recherchen aus dem Jahr 2018 über Fahrer, die beschuldigt wurden, ihre Passagiere sexuell angegriffen oder missbraucht zu haben. In dem Bericht heißt es, dass Uber 2017 und 2018 insgesamt 5.981 sexuelle Übergriffe gemeldet worden seien – davon 464 Vergewaltigungen. Uber verpflichtete sich damals, die Namen solcher Fahrer mit der Konkurrenz zu teilen.

"CNN" zufolge hatte sich Lyft infolgedessen ebenfalls zur Veröffentlichung eines solchen Berichts verpflichtet, es bisher allerdings nicht getan. Eine kalifornische Regulierungsbehörde hatte Uber zu einer Geldstrafe in Höhe von 59 Millionen US-Dollar verurteilt und mit einer Entziehung der Lizenz gedroht. Der Dienstleister habe sich "ohne legitime rechtliche oder faktische Gründe" geweigert, weitere Informationen zu den Übergriffen und Belästigungen preiszugeben. Laut "CNN" legte Uber Berufung mit der Begründung ein, die Namen und Kontaktinformationen der Opfer nicht weitergegeben zu haben, um sie nicht erneut zu traumatisieren.

Obwohl es sowohl bei Uber, als auch bei Lyft jährliche Hintergrundüberprüfungen gebe, würden sexuelle Überbegriffe tendenziell zu selten gemeldet, habe Jennifer Brandenburger, Lyfts Richtlinien-Verantwortliche gegenüber "CNN" gesagt. Selbst, wenn solche Straftaten gemeldet würden, käme es in den seltensten Fällen zu einer Anklage, geschweige denn einer Verurteilung, habe Brandenburger weiter erklärt. Opfer solcher Verbrechen wollten aber sicherstellen, "dass das, was ihnen passiert ist, keinem anderen passiert". Hier könne das neue Sicherheitsprogramm helfen. Aktuell sei die Datenweitergabe bezüglich der Fahrer geplant – schließlich verfügten die Dienstleister hier über die meisten Informationen. Aber auch Übergriffe von Passagieren könnten später geteilt werden.

Quellen: "CNN"; Pressemitteilung Uber US; US Safety Report Uber 2017-2018


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