HOME

Haushaltssperre in den USA: Wie "Shutdown"-Betroffene versuchen, sich ohne Gehalt über Wasser zu halten

Während Donald Trump und die Demokraten sich im Haushaltsstreit unversöhnlich gegenüberstehen, wissen viele Staatsbedienstete nicht mehr, wie sie ihre Familien ernähren sollen - und suchen verzweifelt nach Möglichkeiten zum Geldverdienen.

"Wir wollen arbeiten!": Demonstranten in Ogden, im US-Bundesstaat Utah fordern ein Ende der Haushaltssperrre

"Wir wollen arbeiten!": Demonstranten in Ogden, im US-Bundesstaat Utah fordern ein Ende der Haushaltssperrre

Getty Images / AFP

Tag 26. der Haushaltssperre in den USA: Präsident Donald Trump und die oppositionellen Demokraten sind sich im Streit um den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko keinen Schritt näher gekommen. Mittlerweile ist der "Shutdown" zum längsten Regierungsstillstand der US-Geschichte geworden und hat zahlreiche der rund 800.000 betroffenen Bundesbediensteten in eine echte Notlage gebracht. Weil sie entweder unentgeltlich arbeiten müssen oder in unbezahlten Zwangsurlaub geschickt wurden, wissen viele nicht mehr, wie sie ihre Familien ernähren und ihre Rechnungen begleichen sollen. Um wenigstens das Nötigste bezahlen zu können, ergreifen manche Betroffene jeden Job, den sie finden können.

"Shutdown" zwingt Anwältin zur Zimmervermietung

Cheryl Inzunza Blum aus Arizona arbeitet im Auftrag der Regierung als Rechtsanwältin am Einwanderungsgericht in Tucson. Weil die Regierung sie wegen der Haushaltssperre nicht mehr bezahlt, vermietet sie jetzt ein Zimmer über Airbnb, wie sie der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) erzählt. Sie habe keine andere Wahl, als weiterhin unbezahlt am Gericht zu arbeiten, weil einige ihrer Kunden inhaftiert seien oder Gerichtsverhandlungen hätten und deshalb von ihr abhängig seien, sagt Blum. Aber sie habe auch Rechnungen zu bezahlen: Beiträge für die Anwaltskammer, Berufshaftpflichtversicherung und eine Telefonrechnung von mehr als 500 Dollar für die letzten beiden Monate, weil sie bei ihrer Tätigkeit so viel telefonieren müsse.

Donald Trump sagt live im Fernsehen, er habe das Weiße Haus seit Monaten nicht verlassen

Normalerweise stelle die Anwältin ihre Kosten der Regierung in Rechnung, berichtet AP. Aber seit Beginn des "Shutdowns" am 22. Dezember letzten Jahres habe das für sie zuständige Büro keine Schecks mehr geschickt. "Nachdem ich also den ganzen Tag bei Gericht gearbeitet habe, gehe ich nach Hause und mache das Zimmer super sauber, weil sie heute Abend ankommen", erzählt Blum über ihre Airbnb-Mieter. "Ich habe einen jungen Mann, der die Stadt zum Radfahren besucht und er wird morgen kommen und eine Woche bleiben", fügt sie hinzu. "Ich bin begeistert, denn das bedeutet sofortiges Geld. Sobald sie einchecken, ist am nächsten Tag etwas Geld auf meinem Konto."

Blum hat laut AP bereits jede erdenkliche Quelle angezapft, um sich über Wasser zu halten, sogar ihre Kinder im Highschool- und Collegealter. Nun denke sie darüber nach, auch noch für die Taxidienste Uber und Lyft zu fahren.

Chris George aus Hemet in Kalifornien macht das bereits. Der 48-Jährige ist dem Bericht zufolge von seinem Job als leitender Forsttechniker für das US-Agrarministerium beurlaubt. Er fährt für Lyft, verdient damit aber nur etwa zehn Dollar in der Stunde und muss davon auch noch das Benzin für seinen Wagen bezahlen.

Er habe gerade erfahren, dass er 450 Dollar Arbeitslosengeld pro Woche bekommen wird, bislang aber noch nichts davon erhalten, sagt George der Nachrichtenagentur. In der Zwischenzeit nehme er Handwerker- oder andere Gelegenheitsarbeiten an, wo immer er könne. "Ich mache einfach Nebenjobs, wenn sie sich ergeben. Letzte Woche hatte ich zwei, was diese Woche bringen wird, weiß ich nicht."

"Es ist peinlich, um Geld zu bitten"

Auch der Luftwaffenveteran George Jankowski gehört zu denen, die auf allen möglichen Wegen Bargeld herbeischaffen müssen. Er erhalte ein wöchentliches Arbeitslosengeld von 100 Dollar, das sei aber kaum genug, um Lebensmittel und Benzin zu bezahlen, berichtet er AP. Vergangenen Montag habe er 30 Dollar verdient, indem er einem Freund aus Cheyenne im Bundesstaat Wyoming geholfen habe, aus einer Wohnung im dritten Stock auszuziehen.

Jankowski wurde ebenfalls vom US-Landwirtschaftsministerium beurlaubt, wo er in einem Callcenter beschäftigt ist. Mit einer rückwirkenden Gehaltszahlung nach Ende der Haushaltssperre rechne er nicht, da er in Teilzeit und nur stundenweise arbeite. Die Situation sei "zermürbend", zitiert ihn AP. "Es ist peinlich, um Geld zu bitten, damit man Rechnungen bezahlen kann oder jemanden zu bitten, dir Geld für Essen zu leihen."

Israel Diaz, Veteran des United States Marine Corps, hat sich einen Uber-Job gesucht und als Wachmann beworben, nachdem er von seinem Arbeitgeber, dem Finanzministerium in Kansas City, in den Zwangsurlaub geschickt wurde, wie er AP erzählt. Die Arbeit für den Staat sei zunehmend demoralisierend geworden und er und viele seiner Kollegen würden darüber nachdenken zu kündigen. "Früher hast du für die Bundesregierung gearbeitet, du hast Zusatzleistungen erhalten, großartig", sagte Diaz, ein Republikaner wie US-Präsident Donald Trump. "Nun lohnt sich nicht mal mehr das."

Solche Sorgen muss sich John Walls aus Ashburn im Bundesstaat Virginia nicht mehr machen. Zwar befindet sich der Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde Fema ebenfalls in unbezahltem Zwangsurlaub, aber die Ehefrau des ehemaligen Angehörigen der US-Luftwaffe hat am vergangenen Wochenende den Top-Preis in der Virginia Lotterie gewonnen: 100.000 Dollar (87.000 Euro) und ein brandneues Ford-SUV. "Ich habe geweint. Ich konnte es nicht glauben", sagte Carrie Walls, als sie von ihrem Glück erfuhr. Einen Teil des Gewinns will die 35-Jährige für einen Urlaub mit ihrer Familie im Vergnügungspark Disney World im Bundesstaat Florida verwenden. Anders als viele Museen, Gedenkstätten und Nationalparks ist der nämlich in Privathand - und trotz Haushaltssperre geöffnet.

Quellen: Associated Press, Fox News