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Unternehmergeist: Coca Cola in der Hauptstadt der Anarchie

In der somalischen Hauptstadt Mogadischu trauen sich nur wenige Geschäftsleute zu investieren. Einer von ihnen ist Abdirisak Isse. Der 37-Jährige will mitten in den Ruinen eine Coca Cola-Fabrik eröffnen.

Mogadischu ist die Hauptstadt der Anarchie. Viele Gebäude sind zerschossen, offene Lieferwagen mit schwer bewaffneten Milizen brettern durch die Straßen. Es gibt keine Regierung, keine Justiz, keine Müllabfuhr. Streitigkeiten werden schnell und blutig mit Kalaschnikows ausgetragen. In der somalischen Hauptstadt trauen sich nur wenige Geschäftsleute zu investieren. Einer von ihnen ist Abdirisak Isse. In den kommenden Wochen will der 37-Jährige mitten in den Ruinen eine Coca Cola-Fabrik eröffnen. "Es war nicht einfach, die Leute von dieser Idee zu überzeugen", sagt er grinsend.

Aus Kakteenfeldern voller Plastiktüten erhebt sich das strahlend weiße Gebäude der United Bottling Company. Das wuchtige Tor führt in eine andere Welt: Alles blinkt vor Sauberkeit, die Bürostühle in Unternehmensfarben sind noch in Schutzfolien gehüllt, an den Wänden hängen Feuerlöscher. "Niemand wollte glauben, dass wir es schaffen, in dieser Umgebung internationale Standards einzuhalten", sagt Isse.

Erstes Problem: Sauberes Wasser

Der gebürtige Somalier hat mehrere Jahre in Schweden gelebt und dort Betriebswirtschaft studiert. Seit 1991 herrscht in seiner Heimat Bürgerkrieg. "Als ich das erste Mal zurückkam, war ich geschockt, dass alles kaputt war", sagt er. Bei einem Verwandtenbesuch vor acht Jahren habe er sich entschieden, in Mogadischu eine Coca-Cola-Fabrik zu gründen. "Unser erstes Problem war es, sauberes Wasser zu bekommen", sagt Isse. Mittlerweile liefern zwei Bohrlöcher bis zu 400.000 Liter Trinkwasser pro Tag. Die Produktionsanlage kann 35.000 Flaschen pro Stunde füllen.

Dass das Unternehmen in Mogadischu keine Steuern zahlen muss, sieht er nicht unbedingt als Vorteil. "Wir zahlen auf andere Weise", sagt er. Die Clanchefs kassieren nicht nur an den zahlreichen Straßensperren ab. "Wir müssen ab und zu dazu beitragen, Konflikte einzudämmen", fügt er hinzu. Seine ausländischen Mitarbeiter bewegen sich nur mit Leibwächtern durch die Stadt. Ein Wagen mit zehn bewaffneten Männern fährt voraus, ein zweiter hinterher.

Symbol amerikanischer Lebensweise im islamischen Somalia

Ein solches Symbol amerikanischer Lebensweise im islamischen Somalia ist eine heikle Angelegenheit. Der gescheiterte Einsatz einer amerikanisch geführten UN-Truppe Anfang der 90er Jahre ist vielen noch in lebhafter Erinnerung. Tausende Somalis kamen bei den Kämpfen ums Leben, unter ihnen zahlreiche Zivilisten. Doch der Antiamerikanismus sei längst abgeklungen, meint Isse. "Bislang hat es keine gefährlichen Situationen gegeben."

Die gebrauchte Abfüllanlage hat Isse von einem deutschen Zwischenhändler gekauft. Volker Roth aus Landshut ist seit November in Mogadischu, um die Maschinen in Betrieb zu nehmen. Den 53 Jahren alten Triathleten kann so leicht nichts schocken. "Der Markt in Somalia ist sehr interessant", sagt er. Es sei bloß bedauerlich, dass es kein Bier gebe und dass man aus Sicherheitsgründen nicht an den wunderschönen Pazifikstrand gehen könne.

Ziel: Arbeitsplätze und niedrige Preise

Wie viel Isse in seine Fabrik investiert hat, will er nicht sagen. In der Stadt ist von zehn Millionen Dollar die Rede. "Wir haben 380 Aktionäre", sagt er. Der Coca-Cola-Sirup kommt auf dem Seeweg ins Land. Aus Kostengründen hat sich Isse für Mehrwegflaschen entschieden. Den Preis für eine Cola möchte er von derzeit 50 auf unter 20 Cent senken. "Die Flaschen sollen in Straßenbuden verkauft werden, das schafft Arbeitsplätze", sagt er.

Insgesamt sollen 125 Mitarbeiter beschäftigt werden. "Es ist schwer, ausgebildetes Personal zu finden oder Leute zu überreden, nach Mogadischu zu kommen", sagt er. Aber wenn Coca Cola Erfolg habe, dann würden auch andere Investoren nach Somalia zurückkommen. Isses Frau und seine sieben Kinder leben noch in Stockholm. "Ich möchte, dass meine Kinder eines Tages wieder in Somalia leben können", wünscht er sich.

Ulrike Koltermann, DPA / DPA