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Versicherungen: Gerling-Konzern wird 100

Er wird hundert Jahre alt, hat zuletzt an Gewicht verloren, sieht aber allen Grund zu einem großen Geburtstagsfest: Der Kölner Gerling Konzern blickt nach zwei Krisenjahren unmittelbar vor seinem Jubiläum am 4. Mai optimistisch nach vorn.

Er wird hundert Jahre alt, hat zuletzt an Gewicht verloren, sieht aber allen Grund zu einem großen Geburtstagsfest: Der Kölner Gerling Konzern blickt nach zwei Krisenjahren unmittelbar vor seinem Jubiläum am 4. Mai optimistisch nach vorn. "Die Krise ist vorbei", sagt Vorstandschef Björn Jansli, der seit gut einem Jahr auf der Kommandobrücke steht. "Gerling ist in seiner neuen Aufstellung als Industrie- und Sachversicherer und mit seinem Lebensversicherungsgeschäft wieder zu seinen Anfängen zurückgekehrt", betont er. Gerling sei zwar nun als reiner Erstversicherer kleiner geworden, dafür aber wieder gesund.

Gesundschrumpfung erfolgreich

In den beiden vergangenen Jahren war der Konzern immer wieder in die Negativschlagzeilen geraten. Auslöser waren Großschäden in den USA, die allein der Gerling-Rückversicherungssparte einen Verlust von rund 740 Millionen Euro bescherten. In monatelangem Krisenmanagement wurde 2003 ein schmerzvolles Notprogramm beschlossen: Zwei Filetstücke des Kölner Konzerns wurden verkauft, um Gerlings Überleben zu sichern und das Unternehmen wieder flott zu machen. So wechselten die beiden Konzernbereiche Rück- und Kreditversicherung ihren Besitzer. In der Kreditversicherung hatte es Gerling nach der Fusion mit der niederländischen NCM Holding gerade erst zur weltweiten Nummer zwei gebracht. Doch Gerling NCM mit einem Prämienvolumen von mehr als einer Milliarde Euro ging für 655 Millionen Euro an die Deutsche Bank und Swiss Re und heißt heute Atradius.

Verkauf steht nicht zur Debatte

Die schwierige Umstrukturierung ist nach Angaben von Gerling mittlerweile abgeschlossen. "Die Konzentration auf das Erstversicherungsgeschäft war der beste Weg", meint Unternehmenssprecher Christoph Groffy. "Mit der Industrie- und der Lebensversicherung stehen wir gut da und schreiben auch schwarze Zahlen im Jubiläumsjahr." Im vergangenen Jahr erzielte Gerling 4,4 Milliarden Euro Prämieneinnahmen mit 7.200 Beschäftigten. In seinen besten Jahren zählte der Konzern dagegen mehr als 11.000 Beschäftigte und zehn Milliarden Euro Prämieneinnahmen. Ein Verkauf des Traditionsversicherers steht nach dem Umbau nicht mehr zur Debatte, betont der Sprecher. Seitdem gehören 94 Prozent der Anteile dem Gründer-Enkel Rolf Gerling, die restlichen 6 Prozent dem Aufsichtsratschef Joachim Theye. Groffy bestätigte, es gebe Überlegungen, über eine Unternehmensanleihe an frisches Kapital zu gelangen. "Im Moment besteht da aber keine Notwendigkeit."

Start mit bescheidenen Mitteln

Derzeit blicken die Kölner lieber mit Stolz auf ihre bewegte Vergangenheit zurück. Am 4. Mai 1904 hatte Robert Gerling mit einer bescheidenen Startinvestition von 1.000 Mark mit seinem "Bureau für Versicherungswesen" den Grundstein für den Konzern gelegt. Gründer-Sohn Hans Gerling nahm unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs das Versicherungsgeschäft wieder auf und wurde 1949 Vorstandschef sämtlicher Gerling-Gesellschaften. 1954 gründete er die Globale Rückversicherungs-AG, die auch als erste deutsche Versicherung nach Übersee expandierte.

Die Zahl der Beschäftigten kletterte bereits 1956 erstmals über 4.000. Anfang der 60er Jahre durfte sich der Konzern als zweitgrößter deutscher Versicherer bezeichnen und über eine Prämieneinnahme von über einer Milliarde DM freuen. Nachdem Hans Gerling 1974 Anteile verkaufen musste, wurde er 1986 wieder 100-prozentiger Eigentümer. Sein Konzern hatte inzwischen rund 8.000 Mitarbeiter und gut zwei Millionen Kunden. Nach Gerlings Tod 1991 lenkte zunächst Adolf Kracht das Kölner Traditionsunternehmen.

Dritte Generation am Ruder

1992 kam dann mit Gründer-Enkel Rolf Gerling die dritte Generation zum Zug. Er hielt 70 Prozent der Anteile, die Deutsche Bank stieg mit 30 Prozent ein. 1996 übernahm Jürgen Zech den Vorstandsvorsitz. Ende der 90er Jahre brach die Expansion ab. Heinrich Focke ging nach nur einem Jahr an der Konzern-Spitze und wurde im Frühjahr 2003 von Jansli abgelöst, der seine Mannschaft im Jubiläumsjahr an den Neustart führt - ohne Trauermiene, wie der Unternehmenssprecher versichert. "Wir werden am 4. Mai mit einem großen Festakt mit 400 Gästen und auch Prominenten in unserer Zentrale feiern und am 7. Mai ein Mitarbeiterfest quer durch die Republik veranstalten."

Yuriko Wahl und Sebastian Okada, dpa / DPA
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