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Zukunft: Ausbildungsmarkt: Lage ist ernst

Nach Einschätzung von Bundesbildungsministerin Bulmahn ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt "wirklich ernst". Zu Beginn des neuen Lehrjahres könnte keine Entwarnung gegeben werden.

Nach Einschätzung von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt "wirklich ernst". Zu Beginn des neuen Lehrjahres am 1. September könnten "keine Zeichen der Entwarnung" gegeben werden, sagte Bulmahn heute in Berlin. Laut Bundesanstalt für Arbeit hatten im August 167.640 Jugendliche noch keine Lehrstelle. Dem standen 54.577 Ausbildungsplatz-Angebote gegenüber. Damit ergibt sich rein rechnerisch eine Lücke von 113.063 fehlenden Lehrstellen.

Die Ministerin sagte, für eine Diskussion über eine Ausbildungsplatzpauschale sei der Zeitpunkt zu früh. Zunächst versuche man, noch im September zusätzliche Lehrstellen zu gewinnen. Wenn sich die Situation bis Ende des Monats allerdings nicht verbessert habe, erwarte man spätestens bei einem Ausbildungsgipfel Anfang Oktober "klare Angebote" der Arbeitgeber.

Bulmahn: Ausbildungsoffensive ist nicht gescheitert

Ziel der Bundesregierung sei es weiterhin, jedem Jugendlichen in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz anbieten zu können, sagte Bulmahn. Die Wirtschaft sei hier an erster Stelle in der Verantwortung, sie werde "noch einmal kräftig zulegen müssen". Wie die Ministerin sagte, reiche es schon aus, wenn jedes zweite der 500.000 Unternehmen, die einen Ausbildungsplatz anbieten könnten, dies jetzt auch tue. Zudem gehöre die Sicherung von Ausbildungsplätzen in die Tarifverträge.

Trotz der vielen noch fehlenden Lehrstellen ist die Ausbildungsoffensive, mit der in den vergangenen Monaten für Lehrstellen geworben wurde, nach Ansicht von Bulmahn nicht gescheitert. Immerhin 12.000 zusätzliche Ausbildungsplätze seien so gewonnen worden. Dies sei aber "nicht ausreichend".

Noch 6.300 Jugendliche im Norden ohne Lehrstelle

Die Lage auf dem norddeutschen Ausbildungsmarkt ist weiterhin angespannt. In Schleswig-Holstein und Hamburg suchten Ende August noch 6.300 Jugendliche eine Lehrstelle, 1.800 mehr als vor einem Jahr, teilte das Landesarbeitsamt Nord heute in Kiel mit. Zugleich gab es Ende des abgelaufenen Monats noch 1.800 freie Ausbildungsplätze. Lehrstellen fehlten vor allem für Kaufleute, Arzthelfer und Kfz-Mechaniker. Seit Beginn des Ausbildungsjahres im Oktober 2002 seien den Arbeitsämtern bei 28.700 jugendlichen Bewerbern 25.600 Ausbildungsstellen gemeldet worden, 2.100 weniger als im Vorjahr.

Dennoch zeigte sich der Chef des Landesarbeitsamtes, Jürgen Goecke, optimistisch, vielen der Arbeitssuchenden noch in diesem Jahr einen Ausbildungsplatz anbieten zu können. "Täglich gehen neue oder wieder frei gewordene Lehrstellen bei den Arbeitsämtern ein", sagte Goecke. "Dank der zahlreichen Aktivitäten aller Beteiligten am Ausbildungsmarkt ist beim Schlussspurt noch einiges in Bewegung gekommen." Gerade mobile Jugendliche hätten noch gute Chancen und sollten daher die Hoffnung nicht aufgeben. In Schleswig-Holstein suchten Ende August noch 4.100 junge Menschen eine Lehrstelle, 1.500 weniger als im Vormonat. In Hamburg waren es mit 2.200 Suchenden rund 800 weniger als im Juli.

Lehrstellenmarkt ist in Bewegung

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Rohwer (SPD) sieht den Ausbildungsmarkt trotz Lehrstellenmangels im Aufwind. "Der Lehrstellenmarkt ist in Bewegung, die Zahlen werden sich in den nächsten Monaten noch verbessern", erklärte Rohwer. Die drei Industrie- und Handelskammern in Flensburg, Kiel und Lübeck hätten bis Ende August mit 8.044 Lehrverträgen nur 52 weniger als vor einem Jahr eingetragen. Rohwer wies darauf hin, dass durch ein seit April laufendes Sofortprogramm bislang mehr als 1.900 zusätzliche Angebote für Ausbildung und Qualifizierung bereitgestellt worden seien. Dabei handelt es sich allerdings zum überwiegenden Teil um vier- bis sechswöchige Fortbildungsmaßnahmen.