Die Experten des stern.de-Ratgebers, Dr. Sabine Schmidt, Kinderärztin beim Präventions- und Informationsnetzwerk Allergie/Asthma, und Professor Ulrich Wahn, Direktor der Klinik für Kinderheilkunde an der Berliner Charité, beantworten Ihre Fragen:
In dem Fall sollten Sie Ihrem Kind spezielle Säuglingsmilch geben, so genannte hydrolisierte Milch, in der die Eiweiße aufgespalten sind. Sie haben dann nicht mehr den starken, Allergie auslösenden Effekt wie Eiweiße in normaler Kuhmilch oder in gängiger Säuglingsmilch auf Kuhmilchbasis. Der Nutzen stark hydrolisierter Milch wurde bei Kindern nachgewiesen, die aufgrund ihrer Veranlagung ein hohes Risiko für Neurodermitis hatten. Diese Milch ist sehr teuer, kann aber auf Rezept verschrieben werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten.
Sogenannte hypoallergene oder HA-Milch ist als Anfangsnahrung günstiger. Die Eiweiße darin sind nicht ganz so klein aufgespalten wie in stark hydrolysierter Milch. Untersuchungen haben belegt, dass HA-Milch Allergien vorbeugen kann - allerdings nur bei einer Verwendung bis zum sechsten Monat. Wenn das Kind bis dahin keine allergischen Symptome entwickelt hat, kann es danach wie ein Kind ohne Allergieneigung ernährt werden.
Wenn die Mutter selbst eine Nahrungsmittelallergie hat und deshalb eine Diät einhalten muss, sollte sie das auch in der Stillzeit tun. Liegt bei einem Kind ein besonders hohes Allergierisiko vor, kann eine Diät mit Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel von Nutzen sein. Der vorbeugende Effekt ist allerdings relativ gering. Zudem birgt das Weglassen bestimmter Nahrungsmittel das Risiko einer Fehlernährung der Mutter. Deshalb sollte eine Diät nie ohne Rücksprache mit dem Arzt durchgeführt werden.
Immer wieder hört man, dass Impfungen zum Beispiel Neurodermitis auslösen würden. Diese Annahme ist schlichtweg falsch. Bislang gibt es keine seriösen wissenschaftlichen Nachweise für diese Behauptung. Vielmehr dürfen und sollen Kinder, die an Neurodermitis erkrankt sind, nach Impfplan geimpft werden. Allerdings sollten die Eltern und der Arzt darauf achten, dass möglichst in einer stabilen Phase der Hautreizungen geimpft wird, da sich die Symptome sonst eventuell vorübergehend verschlechtern könnten.
Kinder mit Asthma sollten gegen Keuchhusten und Pneumokokken geimpft werden. Manche Impfstoffe enthalten Hühnereiweiß. Kinder, die an einer nachgewiesenen Hühnereiweißallergie mit schweren Symptomen oder Asthma leiden, sollten daher entweder unter stationärer Überwachung gegen Mumps-Masern-Röteln geimpft oder in den Praxisräumen anschließend noch bis zu eineinhalb Stunden beobachtet werden.