Feind im eigenen Bett

29. November 2012, 06:18 Uhr

Der neue Cayman steht nicht nur satter da, sondern rückt immer mehr an den Porsche 911 Carrera heran. Hauptgrund ist eine Diät gepaart mit einer Vitaminspritze.

Nichts ist beständiger als der Wandel. Das gilt selbst für eingefleischte Anhänger Zuffenhausener Sportwagen. Mittlerweile hat der ehemals als "Hausfrauen-Porsche" verspottete Cayman seinen Platz in der Porsche Gemeinde gefunden. Zu überzeugend sind die agilen Eigenschaften des kurvenhungrigen Mittelmotor-Sportwagens. Die oft gestellte Frage: "was brauche ich noch einen Carrera, wenn ich einen Cayman habe" dürfte jetzt neue Nahrung erhalten, wenn am 2. März 2013 der neue Cayman beim Händler steht. "Beim neuen Cayman haben wir einen riesen Schritt nach vorne gemacht", sagt Porsche-Technik-Vorstand Wolfgang Hatz.

Solche Aussagen hört man ja bei fast jedem Auto. In der Tat ist der Mittelmotor-Sportler, wie der Boxster, von Grund auf neu entworfen. Durch den verstärkten Einsatz von Aluminium ist die Roh-Karosse ist um rund 47 Kilogramm leichter als die des Vorgängers. Unter anderem bestehen die Türen, beide Kofferraumdeckel, Vorder- und Hinterwagen sowie der Boden aus dem Leichtmetall. Gleichzeitig legt die Torsion-Steifigkeit um 40 Prozent zu. Diese Komposition verspricht gesteigerte Agilität.

Mit der Diät geht auch eine Verbesserung der Aerodynamik einher: Im Visier war vor allem der Abtrieb an beiden Achsen. Der schicke Frontspoiler mit den breiten Nüstern hat eine neue Lippe, die den Anpressdruck an der Vorderachse erhöht, was zu einem schärferen Einlenkverhalten führt. Das Pendant dazu ist der neue Heckflügel, der 40 Prozent mehr Wirkungsfläche hat als bisher. Damit ist die Balance hergestellt.

Wie der Boxster hat auch der Cayman ein für alle Mal das Kindchenschema abgelegt: Der Radstand ist um sechs Zentimeter gewachsen und unter 18-Zoll-Rädern geht gar nichts, bei der S-Variante sind es 19-Zoll. Serienmäßig steht der Cayman auf rollwiderstandarmen Pneus, die den Durst minimieren. Die verkürzten Überhänge dienen nicht nur dem erwachsenen Auftritt, sondern natürlich auch der Straßenlage des Mittelmotor-Sportwagens. Wer will, kann seinen Zweisitzer mit allerlei Dynamik-Extras aufrüsten: Angefangen von variablen Dämpfern bis hin zum elektronischem Torque Vectoring, das mit Bremseingriffen an einzelnen Rädern den Cayman um die Ecke zirkelt. Neu ist auch die elektromechanische Lenkung.

Bei den Motoren übertrifft der Cayman seinen Oben-Ohne-Bruder Boxster um jeweils zehn PS: Damit sind 275 beziehungsweise 325 PS beim Cayman S, der weiterhin auf 3,4 Liter Hubraum hat. Trotz des PS-Plus hat der Basismotor jetzt 200 Kubikzentimeter weniger Hubraum - 2,7 statt 2,9 Liter. Damit hat die schwächere Version des Cayman mit 101,6 PS pro Liter Hubraum ein veritables Leistungs-Gewichtsverhältnis. Die beiden Sechszylinder Boxer wollen mehr denn je gedreht werden: Spitzenwert sind nun 7.400 U/min anstatt 7.200 U/min. Start-Stopp mit Segelfunktion, die den Motor abkoppelt, sobald man vom Gas geht, gibt es geschenkt. Doch wer mit dem Cayman die meiste Zeit dahinrollt, bewegt den gut 1,3 Tonnen schweren Sportler nicht artengerecht. Deswegen gibt es - quasi als Gegenprogramm - eine Sport-Taste, mit der man den Porsche etwas schärfer stellen kann.

Der sieben Zoll große Bildschirm wird jetzt, wie bei den 911er-Modellen durch eine 4,6-Zoll-große-Variante im rechten der drei Rundinstrumente unterstützt. Der Heck-Kofferraum fasst mit einem Volumen von 425 Litern um 15 Liter mehr, als der Vorgänger. Bei den Assistenzsystemen haben die Zuffenhausener auch nachgelegt und den Cayman auf ein zeitgemäßes Niveau gehievt: Der Tempomat mit Abstandskontrolle passt die Geschwindigkeit automatisch und falls notwendig bis zum Stillstand an. Droht eine Kollision, wird auch bei deaktivierten Tempomaten eine Vollbremsung initiiert. Doch der Cayman hat wie jeder Porsche seinen Preis. Die Basisversion ist ab 51.385 Euro zu haben, der Cayman S kostet mindestens 64.118 Euro.

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