Flotter Frischluftkäfer

29. November 2012, 06:07 Uhr

Sportlicher, kräftiger und mehr Käfer-Feeling: Das neue Beetle Cabrio lässt seinen direkten Vorgänger im Nu vergessen.

Der ist ja der Hammer! Auf den hat ganz Los Angeles gewartet!", sprudelt es aus Mark Shapiro heraus. "Eine Schande, dass wir ihn erst im Januar bekommen. Schon heute würden wir spielend drei oder sogar vier von ihm pro Woche verkaufen." Dass Mark Shapiro der Marketing- und Verkaufsmanager des größten Volkswagenhändlers im amerikanischen Santa Monica ist, erklärt seinen Enthusiasmus bis zu einem gewissen Grad. Doch die Menschentraube, die sich im Nu um das neue VW Beetle Cabrio gebildet hat, spricht Bände. Der Neue im VW-Stall kommt an.

Der in seiner Topversion mit 147 kW / 200 PS ums Eck flitzende und 221 Kilometer pro Stunde schnelle Fronttriebler kann aber mehr, als nur durch sein modernes und zugleich auch dem klassischen Käfer wieder näher kommenden Design glänzen. Der mit einem ordentlichen Gaspedaldruck nach mehr als nur dem verbauten 2,0 Liter großen Vierzylindermotor klingende Beetle beschleunigt mit Hilfe von 280 Newtonmetern Drehmoment in knapp sieben Sekunden von Null auf 100 Kilometer pro Stunde. Etwas langsamer öffnet sich das edel anmutende Stoffverdeck. Nach 9,5 Sekunden und bis Tempo 50 ist der Blick in den freien Himmel frei. Das Schließen dauert zwar 1,5 Sekunden länger, doch dürften die elf Sekunden auch für einen Platzregen völlig ausreichen.

Das in Deutschland im Februar auf den Markt kommende neue Beetle Cabrio ist um 15,2 Zentimeter auf 4,25 Meter in der Länge gewachsen, was sich bei einer Parkplatzsuche allerdings nicht wirklich bemerkbar macht. Und auch seine um 8,4 Zentimeter angewachsenen Hüften lassen den 1,81 Meter breiten Beetle noch in fast jede Parklücke rangieren. Dank seiner mit 1,47 Metern um fast drei Zentimeter flacher gewordenen Silhouette wirkt er zudem etwas maskuliner als sein direkter Vorfahre. Was nicht heißen soll, dass in dem Viersitzer nur noch Einkaufstüten auf die hinteren Sitze und in den Kofferraum ein paar Badelatschen hineinpassen. Ganz im Gegenteil finden auch hochgewachsene Mitfahrer im Fond ausreichend Platz für eine Spritztour - auch bei geschlossenem Dach. Der Kofferraum ist um spürbare 24 Liter auf 225 Liter erweitert worden. Pfiffig ist die Windschottunterbringung gelöst, die den Besitzern zuvor Kopfzerbrechen bescherte. Es lässt sich einfach in einer flachen und an der Decke des Kofferraums befindlichen Plastikverschalung verstauen.

Ausgezeichnetes Fahrwerk

Gar nicht aus Plastik ist das Sportfahrwerk des 1,5 Tonnen schweren Cabrios, welches sich auf jedem anderen Untergrund als Kopfsteinpflaster von seiner besten Seite zeigt. Im Zusammenspiel mit der sehr direkten Lenkung und des in den Sportmodus wechselbaren Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebes werden kurvenreiche Landstraßen zur natürlichen Umgebung des offenen Käfers. Kein Versetzen, keine Beschleunigungslöcher, der Neue funktioniert. Bei einem Preis von 31.250 Euro für die Topversion ohne viel Schnickschnack ist diese Qualität allerdings auch zu erwarten.

Manchmal scheppert es doch

Einen Schatten auf eben jene Qualität werfen die Türen, werden sie, wie bei nahezu jedem Autokauf, zum Test mit Schwung ins Schloss zurück befördert. Der berühmte Spruch von VW-Chef Martin Winterkorn in einem Hyundai sitzend "Da scheppert nichts" würde hier nicht fallen. Und auch das deutlich zu klein ausgefallene Handschuhfach kratzt ein wenig am ordentlichen Gesamtauftritt. Selten traf die Bezeichnung so zu wie hier, denn ein Paar Handschuhe passt tatsächlich hinein - mehr aber auch nicht.

Positiv fällt hingegen die wie bei jedem VW zwar immer noch recht spärlich ausfallende aber dank des Berganfahrassistenten mit ein paar hilfreichen Dingen gespickte Serienausstattung auf. Das knapp 2.000 Euro Aufpreis pflichtige Navigationssystem kann allerdings ruhigen Gewissens unangekreuzt auf der Zubehörliste verweilen. Das Geld kann lieber in die optionalen Xenon-Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht für 760 Euro, das schlüssellose Schließ- und Startsystem für 370 Euro und das 325 Euro teure Windschott investiert werden. Für den Rest darf es ein mobiles aber bestimmt benutzerfreundlicheres Navigationssystem sein.

VW Beetle Cabrio
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