Ein Mechaniker verrät die Abzock-Tricks

23. Januar 2013, 10:00 Uhr

Wucherpreise, Schludereien, Mängel, die bloß erfunden sind. Autowerkstätten haben ein schlechtes Image. Im stern verrät Mechaniker-Urgestein Wolfgang Ridzewsky die dreisten Maschen der Branche. Von Dominik Stawski und Nicolas Büchse

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Wolfgang "Charly" Ridzewsky in seiner Garage in Hamburg. Schwer zu glauben, aber der Mechaniker findet hier in Sekunden den richtigen Schlüssel.©

Werkstatttermin. Das Übliche. Bitte mal die Reifen wechseln. Eine Stunde später, die Quittung. Der Mechaniker steht am Tresen des Autohauses: "Die Bremsbeläge sind runter, sehr porös. Die Bremsscheiben sehen nicht mehr gut aus. Sind an der Verschleißgrenze. Und wir haben das Scheibenwasser nachgefüllt."

Danke auch. Jeder kennt das. Das Gefühl, ausgeliefert zu sein. Die Wehrlosigkeit, weil man nicht versteht, was die Mechaniker da machen.

Es gibt aber einen Mechaniker, der die Kunden versteht. Und der jetzt offen im aktuellen stern darüber spricht.

Flüssigkeiten gehen ins Geld

"Das ist die Hölle", sagt Wolfgang Ridzewsky. Der Mechaniker steht in seiner Garage im Hamburger Osten. Er selbst kann das Ganze entspannt sehen. 32 Jahre lang war er Pannenhelfer beim ADAC, davor schraubte er an Motorrädern, Autos und Panzern bei der Bundeswehr. Heute ist er 72 Jahre alt, kann das Werkeln an seinen Autos aber immer noch nicht lassen. Zwei Mal die Woche hilft er hobbymäßig beim Tüv. Wenn es einen gibt, der sich nicht über den Werkstatttresen ziehen lässt, dann er. Wolfgang Ridzwesky, Spitzname Charly.

Nach einem halben Jahrhundert Schrauben hat er sich vorgenommen, über seine Branche auszupacken und die Tricks der Werkstätten zu verraten. "Richtig Geld machen die Werkstatten mit Flüssigkeiten", sagt er im Interview mit dem stern.

Er rechnet vor: "Motoröl kostet im Einkauf um die 1,50 Euro der Liter, aber das geht auch billiger. Und die Werkstätten berechnen einem gerne mal 15. Oder für das Longlife 28 Euro. Wenn sie schon mal dabei sind, nehmen sie gern das teuerste."

Genervt von den vielen Warnlampen

"Charly" Ridzewskys Tipp: Öl im Baumarkt kaufen und zum Ölwechsel in die Werkstatt mitnehmen. "Da ziehen die Mechaniker ne Schnute, aber der Kunde hat richtig Geld gespart", sagt er den stern-Reportern.

Früher, erzählt er, da riefen die Leute den ADAC, weil der Keilriemen hinüber war oder der Tank leer. "Jetzt geht es fast nur noch um die Batterie. Die hält heute drei, vier Jahre. Früher doppelt so lange. Hängt die ganze Elektronik dran." Früher konnte man mal eben eine Zündkerze wechseln, heute läuft ohne Computer nichts, sagt er dem stern. Früher hatte man in den Werkstätten ölverschmierte Hände, heute laufen Meister in Anzügen herum, den Laptop in der Hand.

Überhaupt, die ganze Elektronik. "Die Leute sind genervt von den Warnlampen, da gibt's dauernd Alarm. Weil die keinen Bock haben, in so dreisten Werkstätten über 100 Euro zu zahlen und noch unnötige Reparaturen angedreht zu bekommen, rufen die den ADAC an. Kostet ja nichts. Mein Tipp: So ein Gerät zum Auslesen kostet gut 30 Euro, das zeigt die meisten Fehler an."

Bloß keine Pauschalaufträge!

Charly ist in Fahrt. So viel Pfusch und Murks. Das beleidigt seine Mechaniker-Ehre. Man sollte immer aufpassen, wenn man sein Auto in Reparatur gibt. "Machen Sie auf jeden Fall einen Kostenvoranschlag. Würde ich immer machen. Dann kann man vereinbaren, dass einen der Chef anrufen muss, bevor er was macht, was abweicht. Und bloß keine Pauschalaufträge wie 'Tüv-fertig machen'". Das sei die Lizenz zum Gelddrucken für Werkstätten, nicht selten würden Kunden dann unnötige Reparaturen untergejubelt.

Doch was, wenn man das Gefühl hat, die Reparatur war nicht nötig, Charly? "Man muss immer auf dem Auftrag ankreuzen, dass man die ausgebauten Teile behalten will. Dann kann man hingehen, nach den Teilen fragen, sehen, ob die wirklich kaputt sind. Und wenn sie die nicht zeigen können, ist das ihr Untergang. Da geben die Gerichte dem Kunden recht."

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