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12. November 2008, 17:22 Uhr

So funktioniert der Bundestrojaner

Das neue BKA-Gesetz soll künftig auch präventive Überwachungsmaßnahmen erlauben. Besonders umstritten ist dabei die Online-Durchsuchung. stern.de zeigt, wie das staatliche Schnüffeln mit dem "Bundestrojaner" funktionieren könnte - und warum das Datenschützern den Schlaf raubt. Von Markus Wanzeck

Constanze Kurz vom CCC würde den Bundestrojaner gerne wegschieben© Kathrin Harms

Der Bundestrojaner steht vor der Tür. Heute hat der Bundestag die umstrittene Novellierung des BKA-Gesetzes beschlossen, die dem Bundeskriminalamt neben einer Reihe weiterer Maßnahmen "zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus" auch das heimliche Durchschnüffeln privater Computersysteme erlauben soll. Die Ermittler selbst nennen das Hackerinstrument, das dabei zum Einsatz kommen soll, "Remote Forensic Software" (RFS) - ferngesteuerte forensische Software. Der Volksmund hat dafür die griffigere Bezeichnung "Bundestrojaner" gefunden, die in Österreich im vergangenen Jahr sogar zum "Wort des Jahres" gewählt wurde. "Das Wort verweist in knapper Form und zugleich auf pointierte Weise auf aktuelle Entwicklungen im gegenwärtigen öffentlichen Leben unseres Landes, die höchst umstritten, aber offizielle staatliche Politik sind", lautete die Begründung der Jury.

Höchst umstritten ist der Bundestrojaner auch hierzulande. "Bundestrojaner", das klingt bedrohlich. Und bedrohlich ist scheint er tatsächlich zu sein. Fragt sich, für wen. Bedrohlich für die Terroristen, gegen die sich der Trojaner richtet, hofft das BKA. Bedrohlich für die Demokratie und die Bürgerrechte, sagen Datenschützer.

Was er kann, was er soll

Die RFS ist ein Programm, mit dessen Hilfe das Bundeskriminalamt (BKA) künftig unbemerkt IT-Systeme verdächtiger Personen ausspähen will. Oft wird auch von "Online-Durchsuchung" gesprochen. Allerdings ist diese Bezeichnung nicht ganz treffend, da ein heimlicher Spionageangriff nicht unbedingt über eine Internetverbindung erfolgen muss. Auch ein lokales Netzwerk, eine Infrarotschnittstelle oder ein USB-Stick kann als Einfallstor für Schnüffelprogramme dienen. Zudem beziehen sich die geplanten Überwachungsmaßnahmen des BKA nicht allein auf PCs. Der Gesetzesentwurf sieht verdeckte Eingriffe in einem viel weiteren Sinn vor (§ 20k): "Das Bundeskriminalamt darf ohne Wissen des Betroffenen mit technischen Mitteln in vom Betroffenen genutzte informationstechnische Systeme eingreifen und aus ihnen Daten erheben (...)." Dazu gehören, unter anderem, auch mobile Kommunikationsgeräte wie PDAs oder Handys.

"Wenn man von einem Trojaner spricht, meint man meist ein kleines Programm, das sich huckepack und unwissentlich einschleust, etwa, während der Computernutzer wissentlich andere Programme oder Dateien herunterlädt", erklärt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC). Diese "klassische" Variante des Selbst-Hineinlassen des Trojaners kann auf verschiedene Arten geschehen. Der simpelste Weg sei, den Nutzer - gegebenenfalls unter Vorgabe einer falschen Identität - zu einer direkten Interaktion per E-Mail oder Instant Messenger zu verleiten, so Markus Hansen vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein. Er hält aber auch eine subtilere Art der Ferninstallation für möglich: "Denkbar wäre, sich in die Infrastruktur einzuklinken und Daten während der Übertragung zu manipulieren." E-Mails von vertrauten Menschen oder Institutionen müssen durchs Internet - unterwegs kann man ihnen ungebetenes Gepäck aufladen.

Wie der Trojaner digitale Trutzburgen erstürmt

CCC-Sprecherin Constanze Kurz hält auch Bundestrojaner-Varianten für möglich, die sich den Zutritt zum Computer nicht unter der Vortäuschung falscher Tatsachen ergaunern müssen, sondern einfach unbemerkt durch die Hintertür schleichen: "Man muss nicht unbedingt einen "Ok"-Knopf klicken, um einen Trojaner bei sich einzulassen." Es gibt Schwachstellen in der Programmarchitektur von Betriebssystemen und Anwendersoftware, die für feindliche Angriffe ein gefundenes Ziel sind. Zwar veröffentlichen etwa Microsoft, Apple oder Mozilla regelmäßig Software-Flicken, so genannte Patches, um bekannt gewordene Sicherheitslöcher in ihren Programmen zu stopfen. Diese Patches allerdings können nur die gröbsten Löcher schließen und kommen oft mit einer gehörigen Verspätung. Hinweise auf Sicherheitslücken kursieren teilweise mehrere Wochen oder Monate, bevor diese geschlossen werden. Viele bleiben von den Softwarefirmen unentdeckt.

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KOMMENTARE (10 von 44)
 
DrMunzert (15.11.2008, 00:43 Uhr)
@Stern.de Admins: Gelöschter Artikel
Liebe Stern.de Admins,
der verschwundene Artikel hat wie der Bundes-Einbruchs-Trojaner mit Überwachung zu tun. Allerdings durch Wände hindurch: Durch-Mauern-Scanner, der kaum bekannt ist und wohl auch unbekannt bleiben soll.
Vielleicht ist es ja demnächst Ihr Artikel, der aus rechtlichen Gründen still und heimlich von Stern.de gelöscht wird. Wäre doch Scha(n)de!
Beste Grüsse Reinhard Munzert
Administrator (14.11.2008, 16:09 Uhr)
@DrMunzert
Lieber DrMunzert,
vielen Dank für Ihr Posting, das an dieser Stelle leider off topic ist und dessen Aussage wir auch nicht ganz verstehen.
In der Tat ist der von Ihnen genannte Artikel aus rechtlichen Gründen von der Seite genommen worden. Warum das aber hier diskutiert werden sollte, ist uns nicht ganz klar.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihre stern.de-Admins
DrMunzert (14.11.2008, 15:12 Uhr)
Aktueller Stern.de Artikel zur Überwachung gelöscht!
Aktueller Stern.de Artikel zur Überwachungstechnik durch Mauern vom
Netz entfernt!
Nacktscanner-Technologie: Das gläserne Haus. Stern-online, 8.11.2008
von Susanne Härpfer
Link wurde von Stern.de beendet!
http://www.stern.de/computer-technik/technik/:Nacktscanner-Technologie-Das-Haus/644788.html Das "Verschwinden" des
Artikels wurde gestern von einer Mitarbeiterin von stern.de
bestätigt.
Auszug des Artikels (von mir vor dem Verschwinden" gespeichert):
"Selbst wenn der Einsatz von so genannten Nacktscannern an deutschen
Flughäfen vorerst gestoppt ist - die Technologie lässt sich auch
anders verwenden. Beispielsweise zum Durchleuchten von Wänden.
...Zwei-Jahres-Projekt, das durch die Europäische Kommission
gefördert wird. Ziel ist es, Bewegungen und Verhalten von Menschen
hinter Mauern zu verfolgen. Hauptanwender dieser Technik wird die
Polizei sein... Denn der eigentlich interessante Ansatz der Nacktscanner ist aus Security-Sicht sowieso der, durch Wände sehen zu können. Und das
bekommt der Bürger nicht mit."
Frau Härpfer schreibt auch für Telepolis, ein ähnlicher Artikel von
ihr: Durch Wände und Kleider sehen. Telepolis, 27.10.2008 ist
abrufbar:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29010/1.html
Habe gerade von einer Mitarbeiterin von Stern.de, bei der ich gestern
und heute nachgefragt hatte, telefonisch erfahren, dass der Artikel
tatsächlich von stern.de vom Netz genommen wurde.
Auf Nachfrage wurde mir als zuständiger Redakteur Herr Sander
genannt.
Ich habe daraufhin Herrn Redakteur Sander (Redaktion Computer +
Technik Stern.de) angerufen und ihn gefragt, ob er über die Gründe
für die Entfernung des Artikels: Nacktscanner-Technologie Das
gläserne Haus eine Begründung geben könnte. Er sagte daraufhin:
Eigentlich nicht. Ich sagte: Das Verschwinden könnte als Zensur
verstanden werden. Er sagte schliesslich: Es gab rechliche Gründe, eine im Artikel genannte Person habe sich beschwert, die Fakten stimmten nicht.
Auf meine Frage, ob ein überarbeiteter Artikel wieder erscheinen
werde, sagte mir Redakteur Sander, dies sei eher unwahrscheinlich.
Jace (13.11.2008, 21:06 Uhr)
Kalter Kaffee
Der Zugriff auf den PC ist im Net-Framework 1.1 eingerichtet, über den Microsoft auch die Updatefunktion steuert.
bR4iNST0RM (13.11.2008, 12:16 Uhr)
Infoflut
Also erst einmal: Muhahahaha! Was hier einige von sich geben… einfach geil! Vor allem Inteliewengzbestie! Da fehlen mir die Worte.
An anderer Stelle habe ich mich schon genug über solche Leute aufgeregt, die werden es auch mal irgendwann begreifen. Manche brauchen halt länger!
Zum Thema:
Und auch der Staat wird irgendwann begreifen, dass, egal wie sehr man auch die Kontrolle an sich zu reißen versucht, es wird nichts bringen! Zumindest nicht gegen den „Terror“! Eines wird es auf jeden Fall bringen: ganz viel Ärger und noch mehr sinnlos gesammelte Daten. Sollen sie dran ersticken. Empfehlung: nennt in ganz normalen Gesprächen (am Telefon, Mobil oder auch VoIP) möglichst viele Stichworte, wie „Bombe“, „Alkaida“ oder sonst was! Schon regnet es bei den Voyeuren des BKA an Informationen. Ich denke nur durch Überbelastung der Spionage kann man sich als „kleines dummes Wählvieh“ gegen diese Maßnahme wehren! Hören können „unsere“ Volksvertreter ja anscheinend nicht. In diesem Sinne: lasst die Info-Flut beginnen! ;)
grossbuerger (13.11.2008, 10:10 Uhr)
Kleinigkeiten helfen !
Jeder sollte jetzt wenigstens für sich handeln, auch wenn es nur Kleinigkeiten sind, also z.B. mit der Freeware TrueCrypt seinen Rechner inkl. Startplatten verschlüsseln, mittels PGP oder ähnlichem seine E-Mails verschlüsseln und wer cool sein will oder sich auskennt, der steigt auf OpenSolaris (z.B. Belenix) oder Solaris 10 um ! Windows ohne Verschlüsselung zu nutzen, kommt einer Einladung zum Schnüffeln nach !
Malt (13.11.2008, 09:03 Uhr)
Was regt Ihr euch denn...
...eigentlich alle auf? Damit werden doch nur gute deutsche Traditionen weitergeführt:
GeStaPo - STASI - BKA
.
Wir lernen's einfach nicht! Als Nächstes wird, ob wir wollen oder nicht, der Einsatz der Bundeswehr im Inneren durchgeprügelt. Und beim nächsten Castortransport wird die Trasse einfach mit nem MG3 freigeschossen... sind ja schließlich alles Terroristen, die Leute, die nicht wollen, dass in ihrem Vorgarten der atomare Abfall aus französischen Kraftwerken abgeladen wird! So wie die Afghanen ja auch alle Terroristen sind nur weil die IHR LAND verteidigen. Als die Russen dort waren, da waren die Taliban und Mudschahidin Freiheitskämpfer, jetzt sind es eben Terroristen. Obwohl sie nichts anderes machen. Kommt halt immer nur darauf an, wer darüber schreibt, gell, Stern?
ambio (13.11.2008, 08:20 Uhr)
@manndernichdaist
ich bin mir sicher das immer mehr Menschen hier in Deutschland so denken und ich hoffe stark das sich so etwas ähnliches wieder zusammenrottet wie die RAF das Scheuble und Konsorten unschädlich gemacht wird.
manndernichtdaist (13.11.2008, 08:08 Uhr)
Zusatz:
Mittlerweile wundert es mich nicht mehr, dass viele sagen sie würden die RAF mit Geld unterstützen, würde es sie noch geben.
Traurig, aber so weit hat es die Regierung schon wieder getrieben.
sjm2000 (13.11.2008, 08:07 Uhr)
Weitere Demontage des Grundgesetzes
Die echten Terroristen, die sich in der IT-Welt mindetens ebenso gut auskennen wie das BKA werden den Bundestrojaner benutzen, um das BKA auf falsche Faehrten zu setzen. Ein Trojaner laesst sich auch zu einem Doppelspion umfunktionieren.
Der Bundestrojaner wird nichts weiter bringen als eine weitere Demontage des Grundgesetzes. Genauso wie das BKA mit Heler-CDs die Lichtensteiner Steuerhinterzieher ans Finanzamt verkauft hat, werden natuerlich auch andere gefundene "nuetzliche Daten" an die entsprechenden staatlichen Stellen weitergeleitet. Im Luegen ist das BKA noch besser als der Steinmeier. Und falls doch mal ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss was wissen will, sind halt die Akten nicht mehr auffindbar.
Die BRD ist seit dem Fall der Mauer sowieso zum Abklatsch der DDR geworden, dass dabei das BKA die Rolle der Stasi uebernommen hat duerfte nicht verwundern. Mit so vielen Ostdeutschen Seilschaften im Berliner Kabinett auch nicht verwunderlich.
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