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25. August 2008, 11:47 Uhr

Fieses Fernduell

Die Games Convention ist nicht tot. Leipzig will auch 2009 eine Videospielmesse ausrichten. Das ist ein direkter Angriff auf die geplante Gamescom in Köln: Die GC soll nur drei Wochen vor der Kölner Messe stattfinden. Das wäre schlimm. Ein Kommentar von Ralf Sander

GC versus Gamescom - der Gewinner steht noch nicht fest

Eines der beliebtesten Spiele auf der Games Convention 2008 war ein Quiz: "Wie geht es mit der GC weiter?" - die Frage schwirrte zumindest unter den Fachbesuchern ständig hin und her. Munter wurde spekuliert, Absurdes machte die Runde. "Konsolenspiele in Leipzig, PC-Spiele nach Köln." Was haben wir gelacht. Aber gespannt waren wir natürlich auch: Was würde die Messe Leipzig am Sonntag verkünden? Würde sie wirklich klein beigeben und tatenlos zusehen, wie im kommenden Jahr Deutschlands Messe für Videospiele in Köln unter dem Namen Gamescom startet.

Jetzt wissen wir: Die Leipziger, die die Rechte an der Marke Games Convention halten, schalten auf stur: Die GC-Macher verkünden nicht nur mit 203.000 Besuchern einen neuen Rekord, sie haben auch gleich den Termin für die Ausgabe des nächsten Jahres festgelegt: 19. bis 23. August 2009. Damit fände die Leipziger Messe drei Wochen vor der Kölner Konkurrenz statt, die vom 9. bis 13. September öffnet.

Das wäre eine Katastrophe.

Innerhalb von drei Wochen zwei Messeauftritte durchzuziehen, wäre selbst für die Riesen der Branche ein Kraftakt sondergleichen. Die kleineren Publisher müssten sich schon aus finanziellen Erwägungen für einen Standort entscheiden. Die so wichtigen Fachbesucher, die Handelsvertreter und Journalisten, können auf diesen geballten Stress ebenso gut verzichten. Zudem liegt zwischen den beiden Spielemessen traditionell auch noch der Termin der Ifa in Berlin. Die meisten Fachbesucher werden sich für nur einen Besuch entscheiden müssen. Für die eher jungen Spielefans gilt das sowieso.

Bleiben diese Termine so wie sie sind, wäre das größtmögliche Chaos erreicht, angesichts dessen sogar die Frage, ob Deutschland zwei Games-Messen braucht, in den Hintergrund gerät.

Das Ganze wirkt wie ein bewusst provoziertes Kräftemessen. Auf der einen Seite die Games Convention mit einer erfolgreichen und beliebten Veranstaltung im Rücken. Auf der anderen die Kölner Gamescom, die die Unterstützung des Branchenverbandes BIU und einiger großer Publisher genießt.

Beharrten beide Parteien auf ihren Positionen und Terminvorstellungen, wird das ein wenig verspielter Sommer 2009. Für alle Beteiligten.

Ein Kommentar von Ralf Sander
 
 
KOMMENTARE (10 von 33)
 
Joschi1711 (28.08.2008, 12:14 Uhr)
Der Wettbewerb wird es zeigen
wer der Bessere ist...
Marktwirtschaftlich denken fällt vielen schwer, aber wir haben nun mal die Marktwirtschaft.Schlimm an der ganzen Geschichte ist der Versuch die ganze Geschichte mit unlauteren Mitteln durchzuziehen, sprich da kommt so ein "Branchenverein" daher und will bestimmen, wer da welche Messe abhalten darf. Was würden die Leute schimpfen, wenn da einer daher kommt und sagt der VW Golf dürfe nur noch in China gebaut werden? Will sagen zu allererst hat der das Recht die Messe auszutragen, der sie ins Leben gerufen hat und zu dem gemacht hat was sie ist. Ansonsten kann ich nur sagen ... Ricola ^^
johnniedeamonic (26.08.2008, 10:23 Uhr)
....
@sjm 2000
richtig und nicht deshalb weil es in leibzig nur 4 Hotels gibt und jedes Jahr davon hört das sich Messebesucher im Umland von Leibzig einquartieren mussten weil nirgends mehr platz war.
Bleiben sie auf ihrer Fährte ich glaube sie sind da grade einer Verschwörung auf die Spur gekommen ;)
sjm2000 (26.08.2008, 03:13 Uhr)
Leipzig halte durch!
Nur weil einigen BIU und andren Bonzen die Hotels in Leipzig nicht fein genug sind, nach Koeln umziehen? So ein Schwachsinn. Ich hoffe die Gamer halten zu Leipzig. Waere schoen wenn bei dieser Gelegenheit gleich der BIU Vorstand mit davongeblasen wuerde.
senf-dazu-geben (26.08.2008, 01:36 Uhr)
Genug Substanz für zwei Standorte
Wenn sich dermaßen viele Interessierte auf einer Messe stauen wie dieses Jahr auf der Games Convention, dann bedeutet dass, das eine Messe zu klein ist, um sowohl das Fachpublikum als auch die Endkunden zu bedienen. Insoweit kann es sehr wohl möglich sein, mit einem gut geplanten Splitting aus einer Messe zwei zu machen. Offenbar geht es hier aber allein um lokale Hoheitsrechte und nicht darum, föderal einen Industriezweig der modernen Wissens- und ja, auch Spaßgesellschaft des 21. Jahrhunderts in Deutschland zu etablieren.
e2much (26.08.2008, 00:35 Uhr)
Standortentscheidungen dem Veranstalter, Teilnahmeeentscheidung den Teilnehmern
@Nordlich: Genau das ist doch der springende Punkt: Weder die Messe Köln noch der BIU können hier eine Standortentscheidung fällen. Was sie tun können (und tun), ist, eine neue Veranstaltung ins Leben zu rufen - mit all den Risiken für den Messeplatz D, die hier schon diskutiert wurden. Das ist legitim und marktkonform - man soll bitte nur nicht so tun, als ob die GC nächstes Jahr umbenannt in Köln stattfindet, oder als ob die Leipziger Messe "eine Konkurrenzveranstaltung lanciert" (wie nun auch schon in einigen Medien zu lesen war). Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ich denke, dass das nun entstehende Chaos vermeidbar gewesen wäre, wenn BIU und Kölner Messe nicht versuchen würden, sich GRATIS ins gemachte Nest zu setzen (denn mehr als "ideeller Partner" der GC war der BIU bislang nicht). Welchen Einfluss der BIU tatsächlich hat, wird sich 2009 zeigen (z.B. wurde G.A.M.E.S. bislang vollkommen ausser acht gelassen, auch international sind noch ein paar mehr Player im Boot).
Nordlich26 (26.08.2008, 00:16 Uhr)
Standortentscheidung
Mensch, hier wird immer über angeblichen Klüngel gesprochen, aber DHL hat doch auch sein europäisches Frachtdrehkreuz an den Flughafen Leipzig verlagert. DHL ist die Post. Die Post sitzt in Bonn. Und Bonn liegt im Rheinland. Wenn das alles immer geklüngelt würde, dann wäre dieses Filetstück sicher an den Flughafen Köln/Bonn gewandert und nicht nach Leipzig. Es ist nicht immer Klüngel - es sind Standortentscheidungen. Auch wenn sie uns nicht passen. In Westdeutschland haben viele Menschen lange auch nicht verstanden, warum ihre Fabriken geschlossen und plötzlich in Brandenburg produziert wird. Und mal ehrlich: die Messe in Köln liegt an einem der wichtigsten Eisenbahn-Verkehrsknotenpunkte Europas. Wer aus Brüssel, Amsterdam oder Paris zur Messe will, steigt mal eben in den Zug und ist dann da. Über das Einzugsgebiet der Gamescom brauchen wir in einem der bevölkerungsstärksten Ballungsgebiete Deutschlands gar nicht erst reden und Hotelbetten gibts dementsprechend en masse. Und zum Trost: Ich habe es selbst mitbekommen, als einer größeren Messe in NRW vor einigen Jahren von einigen großen Ausstellern "die Pistole auf die Brust gesetzt worden" ist. Das geht auch anderen so...
e2much (25.08.2008, 22:21 Uhr)
Markt vs. Verbandsklüngel (kaufen statt kopieren)
Jede Messegesellschaft kann frei entscheiden, neue (oder "raubkopierte") Konzepte zu starten, jeder Aussteller kann entscheiden zu bleiben oder wechseln oder es ganz zu lassen. Und die Besucher stimmen sowieso mit den Füssen ab.
Was mich an dem Vorgang nur nervt, ist, dass Köln und BIU per Dekret bestimmen wollen, was und wo ne "Leitmesse" ist (das entscheidet schliesslich immernoch der Markt) - und weil nun das Original (GC) nicht den Schwanz einzieht, macht angeblich Leipzig (und nicht etwa Köln&BIU, neinnein) durch Spaltung den deutschen Messemarkt kaputt. Hallo?! Köln wird sich die Aura einer GC erst noch hart erarbeiten müssen, auch mit BIU-Support. Eine Veranstaltung dieser Dimension kann man nicht einfach kopieren (schon gar nicht mit so nem albernen "me-too"-brand wie gamescom).
Wirklich sauber hätte man das ganze aufgezogen, wenn man sich gemeinsam auf ein Konzept geeinigt hätte, bei dem die Messe Leipzig Veranstalter bleibt und andere Messegelände (Köln, oder z.B. rollierend) anmietet. Während andere Branchenmessen nämlich häufig von Industrieverbänden veranstaltet waren, lag bei der GC schon immer alles in den Händen der Leipziger Messe: Konzept, Brand, aber auch alle notwendigen Investitionen (und damit meine ich noch nicht mal Infrastruktur). Warum sollte man das kampflos aufgeben? Hat eigentlich jemand eine Ahnung, wieviele Jahre man üblicherweise investieren muss, bevor ein Messekonzept ein richtiger Erfolg wird? (und die meisten Messeinvestitionen werden es nie). Jetzt, wo der Erfolg da ist, soll der Rahm abgeschöpft werden. Kein Problem, dann hätte man einfach nur die gesamte Veranstaltung abkaufen sollen (das sind dann allerdings keine Peanuts mehr, immerhin ist die GC ne Cashcow), oder die Leipziger das Ganze woanders veranstalten lassen sollen. Die nun leider aufziehende Spaltung (mit allen Gefahren für beide, am Ende unterzugehen) hat vor allem das BIU zu verantworten (bzw. die einfache Mehrheit der 12! Mitglieder). Deutsches Verbandswesen, oje, ein sehr überschaubarer NATIONALER Branchenverband will eine weltweite Leitmesse unter Kontrolle bringen. Da wird erst das Fell zerteilt, dann der Bär erlegt.
BTW: Die Messe Hannover hat die damalige "CeBIT home" im Expo-Jahr 2000 ebenfalls an Leipzig ausleihen wollen (Hannover als Veranstalter in Leipzig). Als klar wurde, dass die Aussteller vom Leipziger Gelände derart angetan waren, dass sie sich für einen dauerhaften Wechsel starkmachten, hat Hannover panisch die ganze Messe abgesagt. Aus diesem Desaster konnte sich die Idee GC überhaupt erst entwickeln...
Und noch ein Beispiel (Energiesektor): Als eine Strombörse in D etabliert werden sollte, entwickelte Leipzig ein recht innovatives Konzept. Ein Verband (!) der deutschen Stromwirtschaft meinte aber formal beschliessen zu müssen, dass es nur eine Börse gibt, und zwar in Frankfurt. Die Leipziger haben sich nicht irritieren lassen, europäische Partner gesucht und ihr Konzept parallel (und erfolgreicher) verwirklicht. Am Ende kams zur "Fusion" (mit Sitz in Leipzig), und heute spielt man europäisch... "thinkaboutit", würde mein chinesischer Kollege sagen... Lasst den Markt entscheiden, aber zahlt auch Marktpreise. Formale Verbandsentscheidungen haben mit beidem wenig zu tun. (sorry, n bisken lang geworden, musste einfach mal raus)
Ein Ex-Leipziger in Zürich
cologne237 (25.08.2008, 21:23 Uhr)
Viva Colonia
http://www.stern.de/computer-technik/computer/:Games-Convention-/612210.html?id=612210
Im Februar gab es u.a. im Stern einen Artikel zum Umzug der GC. Wenn ich mich an die Artikel in der übrigen Presse, insbesondere Presse aus dem Osten der Republik erinnere, wird mir schlecht. Da wurde das alte Ost - West Bild aufgewärmt.
Die Lösung ist doch viel einfacher: Warum Leipzig wenn ich nach Köln darf? ...see you in cologne!
Svjuerg (25.08.2008, 19:16 Uhr)
Dase und Co
Ich kann die Legenden lesen. Und wenn man das richtig macht, und auch Züge die in Köln enden, weil man da ja hin will, einbezieht, sieht man dennoch das es da mehr Leute gibt die hinkommen.
Die einzigen Leute die mehr Fahrzeit hätten, wären die Berliner und Leipzig inklusive nahes Umland.
Ich habe ja auch nicht gesagt das es die mieseste Anbindung ist, sondern das es schlechter ist als Köln, und DAS kann keiner von euch bestreiten.
Und auch habe ich nicht gesagt das Leipzig schlecht oder sonstwas wäre. Und ihr armen Verschwörungstheoretiker tut mir leid, weil ja alles wieder nur gegen den armen Osten ist. ;) Soviel zum Thema "subjektiv". Und warum die Messe in Leipzig gestartet ist kann man locker sagen... weil kein anderer Standort sie wollte nach dem die Cebit und Konsorten immer schlechter laufen. Traurig aber wahr... und das nun alle ein Stück vom Kuchen wollen ist auch klar. Da bringt es auch nichts das ein Flughafen da ist. Und genau das als Schlusspunkt meinerseits.... aus dem Süden wird keiner fliegen von der Zielgruppe der Messe, weil es auch da den Jugendlichen einfach zu teuer ist. DAS ist nämlich das Problem. Diejenigen müssen sparen und fahren dann sogar mit dem Wochenendticket mit der Bahn, und dann dauert das mal richtig lange. :(
Gruss
P.S.: Die LP wurde von Berlin abgelehnt und ist deswegen nach Dortmund gezogen. ;)
Dase82 (25.08.2008, 19:08 Uhr)
Legenden sollte man lesen können
@svjuerg:
Tu doch bitte nicht so verständnisvoll und knall dann ein subjektives Argument nach dem anderen raus:
>>Sorry wenn ihr das nicht versteht, aber 3 Stunden mehr Fahrzeit aus dem Süden Deutschlands sind einfach eine Menge.
Wohnen alle im Süden? Was ist mit Berlinern? Die brauchen nach Köln fast 5 Stunden länger als nach Leipzig... Was ist mit Hamburg? Je nach eigenem Wohnort lässt sich die Liste beliebig fortsetzen.
>>Und 2 gegenüber 7 Verbindungen sind halt anders, tut mir leid.
Kannst du Legenden lesen? Hast du gesehen, dass es sich bei den 2 Linien über Leipzig um stündliche Linien in 4 Richtungen handelt, während es in Köln eine einzige stündliche gibt (die in Richtung Norden maximal regionalen Charakter hat) und die meisten deiner Linien "Einzelne Züge" bzw. 2- oder 4-stündig sind? Dazu kommt noch, dass einige der Linien in Köln enden und damit nur in eine Richtung gezählt werden können. Da relativiert sich dein 2 vs. 7 Vergleich relativ fix, aber hat ja so hübsch ins Bild gepasst.
Man sieht also, die meisten "Argumente", die hier ins Feld geführt werden, sind rein subjektiver Natur. Dass es mir lieber ist, wenn so eine Messe vor meiner Haustür stattfindet, ist vollkommen klar, daraus aber ein generelles "Köln liegt in der Mitte von Deutschland" zu konstruieren, wie es einige Schreiberlinge hier seit einiger Zeit tun, zeigt doch, wie sehr dem Klüngel der Arsch auf Grundeis geht. Ick freu mir, wa :D
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