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20. August 2008, 10:02 Uhr

Auftakt zum großen Finale

Die Leipziger Messehallen öffnen zum letzten Mal ihre Pforten für Spieler und Spielemacher. Herrscht Endzeitstimmung vor der Games Convention? Auf keinen Fall. Die Spielehersteller fahren mindestens so groß auf wie in den Jahren zuvor. Besonders umworben: Mädchen und Frauen.

Auf Europas größter Computerspiele-Messe Games Convention werden ab Donnerstag die neuesten Entwicklungen vorgestellt© Waltraud Grubitzsch/dpa

Das vergangene Jahr sollte einen erneuten Rekord bringen, doch die Zahlen stagnierten. Mit insgesamt 185.000 Besuchern fanden lediglich 2.000 Spielefans mehr den Weg auf die Games Convention als im Jahr 2006. Doch die Anzahl der Fachbesucher war von 8.700 auf 12.300 angestiegen. Die Gründe dafür sind simpel. Die Games Convention als Mischung aus Publikums- und Fachmesse wurde nach dem Schrumpfen der US-Veranstaltung E3 noch wichtiger, als sie es ohnehin schon war: Über 500 Aussteller wollten 2007 ihre Produkte in Leipzig präsentieren, 2006 hatten sich lediglich 374 registriert. Die Games Convention hat sich in den gerade mal sechs Jahren ihres Bestehens zu einer der wichtigsten Spielemessen weltweit gemausert.

Doch nach 2008 wird Schluss sein. Die GamesCom in Köln soll ab 2009 die Games Convention ersetzen; der deutsche Spiele-Branchenverband BIU will es so, weil Leipzig zu klein und zu abgelegen sei und zu wenig Übernachtungsmöglichkeiten für alle Gäste und Aussteller biete. Es gibt Gerüchte, die neue Veranstaltung werde in erster Linie eine Fachmesse. Spielefans und neugieriges Publikum, die das Bild in Leipzig bisher bestimmen, wären dann eher nebensächlich. Doch wie auch immer die GamesCom schließlich ausgerichtet werden wird - 2008 ist noch ein Games-Convention-Jahr. Hunderte von Spielemachern und Tausende von Spielern finden ein letztes Mal in Leipzig zusammen.

Zum Anfassen

2008 könnte tatsächlich das Rekordergebnis bringen, das sich die Veranstalter schon fürs Vorjahr erhofft hatten. Immerhin konnte die Messeleitung Anfang Juli bereits über 500 Aussteller verbuchen. Und das bedeutet zumindest viele, viele Fachbesucher. Aber auch in den Hallen wird nicht weniger als früher geboten - eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Bei Deep Silver darf man beispielsweise "Stalker: Clear Sky" sowie "Geheimakte 2: Puritas Cordis" ausprobieren. Codemasters plant ein Kino, in dem die Entwickler "Rise of the Argonauts", "Damnation", "Die Minen von Moria" (ein Add-on zu "Der Herr der Ringe Online"), "Jumpgate" und "Operation Flashpoint: Dragon Rising" vor großem Publikum präsentieren. Am Eidos-Stand lässt sich "Tomb Raider: Underworld" sowohl in der Konsolen- als auch in der PC-Version antesten lassen Und wer wird dem brandneuen Lara-Croft-Model Alison Carroll für ein Foto widerstehen können? Auch Publisher und Entwickler Ubisoft bleibt sich treu und will auf großer Ausstellungsfläche nicht nur eine Bühne platzieren, sondern auch wieder reichlich Anspielmöglichkeiten für Titel wie "Far Cry 2" und "Brothers in Arms: Hell's Highway" bieten. Electronic Arts dürfte allerdings mal wieder eines der größten Spektakel auffahren: "Spore", "Crysis: Warhead", "Dead Space", "Mercenaries 2", "Command & Conquer: Alarmstufe Rot 3", "Fussball Manager 09" und "Left 4 Dead" sind bloß einige der Titel, die in Halle 3 gezeigt werden. Inwiefern das Aufgebot des mittlerweile weltweit größten Publishers Activision Blizzard dem Paroli bieten kann, bleibt bis zuletzt ein Geheimnis. Aussage der Firmenvertreter bisher: "Es wird ähnlich groß wie im vergangenen Jahr." Allerdings ist es so gut wie sicher, dass "Diablo 3", "Starcraft 2" und "World of Warcraft: Wrath oft the Lich King" mit großem Aufwand in Szene gesetzt werden dürften. Besonders spannend: Fast jeder große Publisher hat für die GC eine Enthüllung in petto. Darunter befinden sich auch echte Knaller, vor allem heiß erwartete Serien-Fortsetzungen.

Änderungen im Markt

Die Computerspieler in Deutschland kehren allmählich dem PC den Rücken und kaufen immer mehr Spiele für Konsolen. Wie der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware mitteilte, wurden im ersten Halbjahr 2008 insgesamt 24,3 Millionen Spiele verkauft. Während Konsolenspiele einen Zuwachs von 27 Prozent verzeichneten, ging der Absatz bei den PC-Spielen um 7 Prozent zurück. Handheld-Spiele waren mit einem Plus von 38 Prozent ebenfalls sehr begehrt. In absoluten Stückzahlen hatten die PC-Spiele hingegen die Nase noch vorn. Während in diesem Segment 11,4 Millionen Exemplare abgesetzt wurden, waren es bei den Konsolenspielen 7,1 und bei den Handhelds 5,8 Millionen Einheiten.

Mädchen und Frauen als Zielgruppe

Bei den Preisen gerieten die PC-Spiele unter Druck, der Durchschnittspreis sank von 19,05 Euro im ersten Halbjahr 2007 auf jetzt 16,17 Euro. Konsolenspiele kosteten dagegen in den ersten sechs Monaten 2008 durchschnittlich 40,58 Euro nach 33,76 Euro im Vorjahreszeitraum. Die Preise für Handheld-Spiele sanken leicht von 32,07 Euro auf 29,65 Euro. Der Marktanteil der PC-Spiele ist Angaben zufolge in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Lag der Wert im Jahr 2004 bei 69 Prozent, ging er in diesem Jahr auf 47 Prozent zurück. Deutlich zulegen konnten vor allem Handheld-Spiele, die ihren Anteil von 4 Prozent in 2004 auf jetzt 24 Prozent steigerten. In diesem Segment konnte die Branche vor allem weibliche Spielefans gewinnen: 54 Prozent aller verkauften Spiele im ersten Halbjahr 2008 wurden von Mädchen und Frauen erworben.

Reichlich Abwechslung

Wer trotz des tollen und riesigen Spieleangebots mal die Nase vom Ausprobieren voll hat, findet reichlich Alternativen in und um die Ausstellungshallen. Vier Sonderausstellungen zum Beispiel zeigen Aspekte der Computerspielkunst, unter anderem gibt es Machinima-Videos (Filme, die mit Hilfe von Spiele-Engines entstehen) und besonders lebensechte Polygonschönheiten zu bestaunen. Letztendlich sind jedoch die Spiele die Hauptattraktion der Messe.

Gamestar/ap
 
 
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