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7. Juli 2009, 14:40 Uhr

Geheime Banken-Software geklaut

Der weltgrößten Investmentbank Goldman Sachs ist eine streng geheime und Millionen Dollar teure Spezialsoftware gestohlen worden. Ein ehemaliger IT-Experte der Bank steht in dem Verdacht, die Daten kopiert zu haben. Die Spur führt auch nach Deutschland.

Goldman Sachs, Datenklau, Datendiebstahl, Hacker

Gelangt die Software in falsche Hände, droht Goldman Sachs ein Schaden in Millionenhöhe© Chris Hondros/Getty Images

Millionenschwerer Datenklau beim Wall-Street-Primus Goldman Sachs: Ein Ex-Programmierer der weltgrößten Investmentbank soll in New York eine streng geheime Software für Wertpapiergeschäfte gestohlen haben. Die Spuren des Cyber-Verbrechens führen auf einen Computerserver in Deutschland.

Der 39-Jährige Verdächtige kam gegen eine Kaution von 750.000 Dollar (538.000 Euro) auf freien Fuß, wie die Behörden mitteilten. Der gebürtige Russe mit amerikanischer und russischer Staatsbürgerschaft war bereits am Freitag von der US-Bundespolizei FBI auf dem Flughafen Newark bei New York festgenommen worden. Über eine Anwältin bestritt er alle Vorwürfe.

Finanzhäuser wie Goldman Sachs betreiben über komplexe Software-Programme ihren computergesteuerten milliardenschweren Handel mit Aktien und anderen Wertpapieren. Die oft selbst entwickelten Codes der Hochgeschwindigkeits-Systeme sind streng gehütete Geheimnisse.

Die aufsehenerregende Sicherheitspanne mitten im Herzen des globalen Finanzzentrums Wall Street ist laut Experten ein Alptraum für Goldman Sachs. Wie in einem Computerspionage-Thriller soll der Beschuldigte die Daten mit einem potenziellen Millionenwert Anfang Juni heimlich heruntergeladen und via Internet nach Deutschland geschafft haben.

Kopie ist immer noch in Deutschland

Wenn die Software in die falschen Hände gerate, könne sie für Goldman Sachs einen Millionenschaden durch entgangenen Gewinne anrichten, warnte ein Ermittler dem Wirtschaftsdienst Bloomberg zufolge. Die Kopie des Computerprogramms sei in Deutschland noch immer vorhanden. "Derzeit wissen wir nicht, wer noch darauf Zugriff hat."

Goldman Sachs wollte sich zunächst nicht zu dem Fall äußern. Angaben zur Höhe des bisher tatsächlich angerichteten Schadens gibt es nicht. Der Verdächtige war den Ermittlern zufolge bis Juni bei der Bank beschäftigt. Während seines Wechsels zu einer Technologie-Firma in Chicago sei ihm die Bank auf die Schliche gekommen. Der neue Arbeitgeber suspendierte den Vater dreier Mädchen inzwischen und bestritt US-Medien zufolge jede Mitwisserschaft.

Angeklagter weist Vorwürfe von sich

Die Anwältin des Beschuldigten nannte die Vorwürfe bei einer Anhörung "absurd". Goldman Sachs habe gewusst, dass sich ihr Mandant Programme auf seinen Computer geladen habe, um zu Hause Arbeit erledigen zu können. Er habe dabei nur einen Bruchteil des Codes heruntergeladen und ihn keineswegs verbreitet.

Goldman Sachs gilt trotz aller Turbulenzen der Finanzkrise als die erfolgreichste Investmentbank der Welt. Ihr Ruf ist in der Branche legendär. Der Eigenhandel mit Wertpapieren, also die Geschäfte auf eigene Rechnung und nicht im Auftrag von Kunden, war lange eine der Goldgruben für die Wall-Street-Firma.

Im vergangenen Jahr wandelte sich Goldman Sachs rechtlich von der Spezial-Investmentbank in eine reguläre Geschäftsbank um und unterzog sich so stärkerer Kontrolle durch die Bankenaufsicht. In der Praxis betreibt das Finanzhaus aber weitgehend die bisherigen Geschäfte vom Handel über Firmenfinanzierung bis hin zur Beratung bei Übernahmen und Fusionen.

DPA
 
 
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