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11. Februar 2007, 17:11 Uhr

Wo Vista fünf Euro kostet

Die Kopierschutzmaßnahmen, mit denen Microsoft sein neues Windows schützt, interessieren sie gar nicht: Schon eine Woche nach Veröffentlichung ist Vista auf den Schwarzmärkten in Südamerika erhältlich - zu grotesken Preisen.

Wer diese Software auf einem Markt in Sao Paolo kauft, weiß, dass es sich um Raubkopien handeln muss© Caetano Barreira/Reuters

Nur wenige Tage nach der offiziellen Vorstellung des neuen Windows-Betriebssystems Vista sind in Mittel- und Südamerika billige Raubkopien auf dem Markt. "Was es auch immer ist, wir bekommen es sehr schnell", sagt Händler Jose Luis aus Mexiko-Stadt, der die Raubkopien für neun Dollar (knapp sieben Euro) verkauft. Er zieht zwei schwarz gebrannte DVDs aus seinem nachgemachten Puma-Rucksack und lässt sie in einer Plastiktüte verschwinden. "Dabei behaupten sie immer, es ließe sich nicht kopieren."

Microsoft hatte Vista in der vergangenen Woche für einen offiziellen Verkaufspreis von etwa 300 Euro in 70 Ländern auf den Markt gebracht. Es wurde als revolutionäres Programm für Digitalmedien und wichtigste Software-Weiterentwicklung seit Windows 95 angepriesen. In die Entwicklung hatte Microsoft etwa 4,6 Milliarden Euro investiert.

Auch in südamerikanischen Großstädten sind bereits Raubkopien des Betriebssystems im Umlauf. Im brasilianischen Sao Paulo wird die portugiesische Vista-Version "Ultimate" von Schwarzhändlern für etwa 5,50 Euro verkauft. Die offizielle Version könne sich doch niemand leisten, sagt Carlos, der auch noch andere nachgemachte Softwareprogramme und Computerspiele im Angebot hat.

Raubkopien in der Überzahl

Brasilien liegt einer Gruppe multinationaler Unternehmen zufolge auf dem vierten Platz bei der Produktpiraterie - hinter China, Russland und Indien. Etwa die Hälfte aller verkauften CDs und rund 30 Prozent der DVDs sind in Brasilien Raubkopien. In Mexiko sind nach Schätzungen der Business Software Alliance etwa 65 Prozent der verkauften Software illegale Kopien. Durch die Produktpiraterie gingen der mexikanischen Wirtschaft jährlich gut 400 Millionen Euro verloren.

Die Polizei ist in mittel- und südamerikanischen Großstädten eher mit der Bekämpfung von Gewaltverbrechen beschäftigt. Vergehen wie das illegale Brennen von Filmen, Musik und Software bleiben dagegen oft unentdeckt, nicht zuletzt dank der Zahlung von Schmiergeld.

Armando Tovar/Reuters
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
ElWiegaldo (11.02.2007, 20:27 Uhr)
Groteske Preise
Die "orginal Preise" für Windwos Vista sind nicht weniger "grotesk". Fast 600€ für die einzige Version die man in einem halbwegs professinellen Umfeld nutzen kann, überflüssiger "Desing"-Schnickschnak, der schon bei MacOS nervte, zum Glück kann man das wenigsten ausschalten. Zudem noch haljährige Aktivierungspflicht, machen sie das mal bei 100 Rechnern oder mehr... ja klar könnte man auch für viel, viel Geld den neuen Aktivierungsserver kaufen..... zum Glück läuft der Support für XP erst 2014 aus.
mfg
Ein Vista-Beata-Tester
iovialis (11.02.2007, 12:10 Uhr)
Ostblock
Scheinbar waren die Reporter noch nie im Ostblock ;-)
Hier in Kiew gibt's einen eigenen Markt für Software, Musik oder Filme. Man bezahlt pro CD und nicht für den Inhalt. In Moskau ist so ein Markt noch viel größer. Man bekommt wirklich alles und die Kosten belaufen sich auf ca. 5USD.
Die Polizei macht ab und zu eine Razia und beschlagtnahmt die Schwarzware - einige Tage später bekommt man die CDs/DVDs dann wieder; sie kosten nur etwas mehr, um den Verlust auszugleichen.
Auf der einen Seite können sich die Leute die Originalpreise nicht leisten; auf der anderen Seite leben die Cracker davon, weil sie sonst keinen Job bekommen. Irgendwo ist das verständlich...
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