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11. Januar 2008, 18:15 Uhr

Plötzlich war die Homepage weg!

stern.de-Mitarbeiter Scheibe hat die erste Krise des neuen Jahres bereits hinter sich gebracht: Am Montag waren plötzlich alle seine Homepages weg. Am Freitag waren sie wieder da. Was dazwischen passiert ist, erfahren Sie an dieser Stelle.

 

© Carsten Scheibe

Meine berufliche Existenz liegt nach 17 Jahren des reinen Journalismus allein im Internet. Hier betreibe ich mehrere Web-Projekte, die inzwischen einen netten Pagerank haben und die viele Besucher anziehen. Seit Weihnachten aber hatten wir das Problem, dass unser Server das eine ums andere Mal plötzlich ausfiel - mal für ein paar Sekunden und mal für eine ganze Stunde. Das waren, wie wir jetzt wissen, die Vorboten des Unheils.

Montag: Auf zu einem schönen Urlaubstag!

Am Montag früh stelle ich noch ein paar letzte Texte online, starte ein Mailing und schließe dann das Büro ab. Mit der Familie geht es auf zum Tropical Islands, um hier zu baden und sogar die Nacht zu verbringen. Dazu haben die Veranstalter in der umgebauten Cargolifter-Halle extra kleine Zelte aufgebaut.

Während die Kinder plantschen und ich mal die Muße finde, ein echtes Buch zu lesen, schaue ich mich verstohlen um, ob ich nicht doch ein Internet-Terminal entdecke. Aber es ist keines da und so entspanne ich mich mit Rutschen, Futtern, Minigolf und einer netten Abendshow unter Palmen in Brandenburg.

Dienstag: Du musst jetzt ganz stark sein!

Nach einer Nacht in den simulierten Tropen geht es am nächsten Tag wieder nach Hause. Im Büro warten diverse Anrufe, ein paar Faxe und 685 Mails auf mich. 600 der Mails sind Spam und schnell gelöscht. Den Rest ackere ich in einer Stunde durch. Die letzte stammt von meinem Webmaster Denny und hat es in sich: "Du musst jetzt ganz stark sein, Carsten. Dein Server ist seit Montag früh um 6 Uhr nicht mehr zu erreichen."

Wie? Nicht zu erreichen? Ich öffne den Web-Brower, füttere ihn mit meiner Web-Adresse. Der Browser rödelt ewig rum und gibt sein Unterfangen schließlich bedauernd mit einer Fehlermeldung auf. In meinem Magen formiert sich ein Eiskloß. Kein Kunde kann mehr auf die Seiten? Das Buchungsformular ist blockiert? Oh Gott, das kostet jetzt richtig Geld.

Hektisch rufe ich meinen Webmaster an, der bereits mit dem Provider gesprochen hat. Nix genaueres weiß man nicht, man wird sich der Sache annehmen. Meine Finger zittern, und mir ist schwindelig, als hätte ich zu viel getrunken, wäre Achterbahn gefahren und hätte noch einen Schlag in den Magen bekommen. Ich zwinge mich dazu, ruhig zu bleiben, und meine normale Arbeit wieder aufzunehmen. Das fällt mir schwer, weil ich normalerweise alle paar Minuten per Mausklick checke, wie sich die Besuchszahlen auf meinen Homepages entwickeln. Ein echter Spleen, aber was soll man machen?

Nachts ist immer noch kein Server online - ich kann kaum schlafen. Sonst kriege ich immer Dresche von meiner Frau, weil ich schon schlafe, sobald mein Kopf das Kopfkissen berührt. Dieses Mal schläft sie vor mir ein.

Mittwoch: Die Festplatte ist kaputt

Am Mittwoch wissen wir es dann. Die Festplatte meines Servers ist kaputt. Wir bekommen nach unzähligen Telefonaten mit dem Support die Meldung, dass die Festplatte inzwischen ausgetauscht wurde und nun mit dem Zurückspielen der Daten begonnen wird. In ein paar Stunden müsste alles wieder online sein.

Das Problem: Ein paar Stunden später sind wir immer noch nicht wieder online. Ein Kunde ruft an und fragt vergnügt: "Na, gibt es euch schon nicht mehr?" Na, super. Wir kriegen also nicht nur ein Server-, sondern auch ein echtes Image-Problem.

Inzwischen fühle ich mich, als hätte man mir Arme und Beine amputiert. Irgendetwas fehlt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so auf meine Homepages angewiesen bin und mich so unvollständig fühle, wenn sie nicht da sind. Die Kinder backen mir einen Kuchen, um ihren Papa aufzuheitern. Wir mailen den ersten Kunden, dass ihre Aufträge mehr oder weniger ruhen müssen, bis alles wieder läuft.

Ich rufe jetzt selbst beim Support an, am Ende sicherlich 15- oder 20-mal. Jedes Mal habe ich sofort jemanden an der Leitung, jedes Mal ist es jemand anders. So komme ich mir vor wie beim Spiel "Ich packe meine Koffer". Jedes Mal erzähle ich minutiös, was genau und in welcher Reihenfolge passiert ist, und füge dann die aktuelle Entwicklung der letzten Stunden hinten an. Jedes Mal höre ich: "Ja, das sehe ich hier auch, Genaueres weiß ich aber auch nicht, ich habe keinen Zugriff auf das Rechenzentrum. Bitte warten Sie ab, das wird schon."

Donnerstag: Bitte geben Sie mir Ihren Vorgesetzten!

Hoch und heilig wurde mir versprochen, dass der Server am Donnerstag früh wieder einsatzbereit ist. Morgens stelle ich mir extra den Wecker früher, um in den Schulferien noch schneller als sonst beim Rechner zu sein. Doch die Wartezeit nach der Eingabe der Web-Adresse zeigt mir schon wieder: Alles ist beim Alten. Es ist nix da.

Mehr von Carsten Scheibe In seiner Freizeit geht Carsten Scheibe golfen - und arbeitet daran, dass der Golfball auf der selben Bahn ankommt, von der er abschlägt. Wenn's mit dem Spielen nicht so gut klappt, schreibt er lieber - für das eigene, kostenfrei in den Golf-Clubs ausliegende Magazin "Mein Golf-Heft". Das gibt's mit allen Artikeln auch im Internet. Natürlich ist der PC auch hier ein Thema.

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Scheibes Kolumne

Seit 1990 lebe ich als freiberuflicher Journalist vom Schreiben. Das war schon immer ein Traum. Kurios: Als Diplom-Biologe mit Kernfach Bakteriengenetik hat es mich in den PC-Journalismus getrieben.

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