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11. Februar 2005, 15:59 Uhr

Apples guter Kern

Alle Welt schaut auf Steve Jobs, doch was macht eigentlich der andere Apple-Gründer, Steve Wozniak? stern.de hat exklusiv mit ihm gesprochen. Von Karsten Lemm

Zoom

Apple entstand in einer Garage, wo Steve Jobs (hinten) und Steve Wozniak anfangs noch selbst schraubten© Apple

Als Steve Jobs vor einigen Monaten im Krankenhaus lag und sich von einer Krebsoperation erholte, schickte Steve Wozniak seinem alten Freund eine E-Mail, in der stand: Gute Besserung - und übrigens... Pizza essen ist gut gegen Krebs! Das hatte er in einem Artikel gelesen, den er Jobs gleich mitschickte. "So bin ich halt", sagt Wozniak. "Ich versuche immer, dem Leben eine heitere Seite abzugewinnen."

Wozniak ist der Apple-Gründer, den außerhalb der Fangemeinde kaum jemand kennt: ein bescheidener, gutmütiger Brummbär von 54 Jahren, das rundliche Gesicht von einem grauen Vollbart eingerahmt. Seit seinem Ausstieg bei Apple 1982 hielt er sich stets im Hintergrund. Jobs trifft er selten, außer bei Veranstaltungen wie der Macworld-Messe im Januar in San Francisco. Da haben die beiden kurz "Hallo!" gesagt, "wie geht's?", und das war's auch schon. "Steve ist ein berühmter Mann, ich mag ihm nicht die Zeit stehlen", sagt Wozniak, bevor er etwas wehmütig nachschiebt: "Wir sind keine engen Freunde. Ich wünschte, wir wären es."

Zwei Steves, ein Gedanke

Früher war das auch mal so: Anfang der 70er Jahre, als sich das Obstanbaugebiet südlich von San Francisco ins Silicon Valley verwandelt, treffen sich zwei Jugendliche, die beide Steve heißen, und entdecken ihre gemeinsame Liebe zur Elektronik. Der eine ist schlank, gewitzt, charismatisch - ein perfekter Verkäufer, wie sich bald zeigen wird. Der andere - stämmig, sanftmütig, ein bisschen naiv vielleicht - liebt Scherze jeder Art und besitzt ein außergewöhnliches Talent für alles, was mit Technik zu tun hat. Beide Steves begeistern sich für Heimcomputer - eine neue Sorte von Rechengeräten, die Bastler im Silicon Valley zusammenlöten und dann bei Treffen des "Homebrew Computer Club" stolz ihren Kumpeln vorführen.

Wozniak, damals Ingenieur bei Hewlett-Packard, entwickelt einen Heimcomputer, der eleganter konstruiert ist, mit weniger Bauteilen auskommt und mehr leistet als alle anderen Geräte der "Homebrew"-Bastler: "Apple I" nennen Wozniak und Jobs ihre Maschine, und sie wird ein Hit, auch wenn die Firma, die die beiden Freunde im April 1976 gründen, erst mit dem Nachfolge-Rechner, dem "Apple II", groß und berühmt wird. Bis IBM 1981 den PC auf den Markt bringt, kann kein Konkurrent Apple das Wasser reichen. Dann beginnt der Aufstieg von Windows und parallel dazu der lange Abstieg von Apple in die Nische: Heute tragen nicht mal mehr zwei von einhundert PCs, die weltweit verkauft werden, das berühmte Logo mit dem angeknabberten Apfel.

Optimistisch in der Nische

Steve Wozniak ist dennoch optimistisch: "Ich glaube, Apple hat eine große Zukunft vor sich", sagt er. "Die Firma wird wieder gewaltig wachsen." Der Ipod, der sich schon über 10 Millionen Mal verkauft hat, bringe viele Windows-Nutzer auf den Geschmack, sich auch Apples Macintosh-Rechner näher anzusehen: "Viele Leute entdecken jetzt, was ihnen die ganze Zeit entgangen ist", sagt Wozniak. Nicht, dass er mit Apple-Computern rundum glücklich wäre; alles, was er heute kaufen kann, findet Wozniak viel zu kompliziert. "Es kommt mir vor, als wären wir Sklaven der Technik statt ihre Herren", klagt er. "Aber Apple schafft es von allen Firmen noch am besten, den Menschen zu berücksichtigen."

"Jeder ist willkommen"

Lange Zeit zeigten Macintosh-Rechner beim Starten ein freundlich lächelndes Computergesicht. Es war ein kleines Zeichen dieser Menschlichkeit, die Wozniak meint und die viele mit ihm in Verbindung bringen: In der Apple-Gemeinde ist Wozniak, den alle nur "Woz" nennen, bekannt für seine Großzügigkeit, sein weiches Herz, seine offene Art. "Jeder ist willkommen" lautet das Motto des dreifachen Familienvaters auf seiner privaten Website, jede E-Mail beantwortet der Apple-Gründer persönlich, und per "Wozcam", einer Internet-Kamera, lässt er sich im Büro jederzeit über die Schulter schauen.

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