Als Apple-Chef Steve Jobs vor einigen Wochen die neue Version des iPhones vorstellte, sah er krank aus. Im Web kursieren seitdem Gerüchte über den Gesundheitszustand des 53-Jährigen. Was geschieht, wenn Apple eines Tages ohne Jobs auskommen muss? Von Karsten Lemm, San Francisco

Steve Jobs sah so hager aus, dass Spekulationen über seinen Gesundheitszustand aufkamen© John G. Mabanglo/EPA/DPA
Es ist wieder Weihnachten, mitten im Sommer. Seit Freitag ist das iPhone 3G im Handel, die zweite, aufgefrischte, schnellere Version des Kulthandys, das sich im ersten Jahr über sechs Millionen Mal verkauft hat. Wieder stehen die Unentwegten und die Ungeduldigen schon Tage vorher Schlange, wieder sagen Analysten Verkaufsrekorde vorher, wieder droht allen, die noch zögern, das vorläufige "Ausverkauft!". Apples deutscher Exklusivpartner T-Mobile warnt bereits auf seiner Website: "Ab sofort kann es wegen der sehr hohen Nachfrage zu verzögerten Lieferzeiten kommen."
Vor lauter Vorfreude auf das nächste Quartalsergebnis müssten Apples Anleger eigentlich jubilieren und die Aktie in den Himmel treiben. Doch die Wall Street scheint verunsichert, ließ Apple in den vergangenen Tagen genauso fallen wie Intel, Cisco und viele andere. Das mag an der allgemeinen Stimmung liegen, an der Angst vor einer weltweiten Rezession, vielleicht aber auch an Sorgen um den Mann an der Spitze des Unternehmens: Steve Jobs, Apples Mitgründer, Vorstandschef, Ideengeber und Schutzpatron, wirkte ungewöhnlich hager und zerbrechlich, als er Anfang Juni in San Francisco auf der Bühne stand, um das iPhone 3G als neuestes Wunderwerk seiner Entwickler zu präsentieren.
"Alle sorgen sich um Steve Jobs' Gesundheit", stellte das Magazin "Wired" auf seiner Webseite fest, weil in Blogs und Foren wilde Spekulationen ausbrachen, der Apple-Chef könnte erneut an Krebs erkrankt sein. Vor vier Jahren musste Jobs wegen eines Tumors an der Bauchspeicheldrüse operiert werden, doch nach allen öffentlichen Angaben ist er davon komplett genesen. Apple dementierte mit Nachdruck alle Gerüchte und erklärte, der 53-jährige Firmenchef habe bei seinem Auftritt auf der Entwicklerkonferenz an einem "ganz gewöhnlichen Virus" gelitten - ohne näher auszuführen, an welchem. Der "New York Times" versicherte Jobs unlängst, er sei gesund.
Die Spekulationen um Jobs und Apple fallen zusammen mit dem Wachwechsel an der Spitze eines anderen Computerpioniers: Am 1. Juli kehrte Bill Gates Microsoft weitgehend den Rücken und übernahm hauptamtlich die Leitung seiner Stiftung, der Bill & Melinda Gates Foundation. Dennoch fürchtet niemand um die Zukunft der von ihm mitgegründeten Softwarefirma. Ganz anders bei Apple: Kein anderes Unternehmen auf der Welt sei so abhängig von seinem Lenker wie Apple, urteilt das Anlegermagazin "Barron's" und schätzt, dass der Börsenwert ohne Jobs um 20 Prozent fallen könnte. Das macht den Apple-Chef im Augenblick zum 32-Milliarden-Dollar-Mann. Die Investmentbank Piper Jaffray schätzt Jobs' Wert ähnlich hoch ein, und das Wirtschaftsmagazin "Fortune", das Apple im März zu "Amerikas am meisten bewunderten Unternehmen" kürte, kommentierte im gleichen Atemzug: "Nie ähnelte die Firma auf Platz eins unserer Liste so sehr einer Ein-Mann-Show" wie in diesem Jahr.