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19. Mai 2011, 14:39 Uhr

Auf dem Weg zum digitalen Klon

Die Leistung von Computern und Smartphones steigt rasant, die Datenwolke lässt sich von überall anzapfen, die Datenmengen, die über uns gesammelt werden, sind unüberschaubar. Was entsteht, wenn man das alles zusammenfügt? Ein digitaler Klon von uns. Von Joachim Jakobs

Datenschutz, Cloud Computing, Roboter, Datensicherheit

Lässt sich aus unseren Daten irgendwann ein digitales Abbild von uns schaffen?© Colourbox

Das "Mooresche Gesetz" besagt, dass sich die Anzahl der Schaltkreise auf einem Computer alle 18 bis 24 Monate verdoppelt. Dieses Gesetz von Gordon Moore - einem der Gründer des US-Halbleiterherstellers Intel - hat seit 1965 Bestand. Im Frühjahr 2008 verkündete der Konzern, dass es auch die nächsten 20 Jahre noch gelten werde. Die explosionsartig steigende Schaltkreisdichte bewirkt eine ähnlich wachsende Rechenkapazität. Fachleute drücken diese in "Gleitkommaoperationen pro Sekunde", kurz "Flops" ("Floating Point Operations Per Second"): aus. Entsprechend der Vorhersage ging 2009 Europas erster Peta-Flop-Supercomputer am Forschungszentrum Jülich in Betrieb. Die Vorsilbe "Peta" bedeutet, dass dieses Monster jede Sekunde eine Billiarde Rechenoperationen ausführen kann - damit lassen sich etwa die Bilder eines Kernspintomographen "in Echtzeit" auswerten. Die Bilder sind eine Sekunde nach ihrer Aufnahme bereits verarbeitet. 2008 hatten aktuelle Systeme noch zwei Stunden an dieser Analyse zu beißen gehabt.

Höhere Leistung in allen Bereichen

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Anwender-Elektronik. Ein "intelligentes" Telefon mit Android-Betriebssystem ist leistungsfähiger als ein Supercomputer aus dem Jahr 1969 - und passt dabei in die Hosentasche, statt einen ganzen Raum zu füllen. Die Leistungssteigerungen finden auf allen Ebenen statt: Im Dezember 2010 berichtete "Technology Review", dass Google beispielsweise mit einem Bündel von Verbesserungen die Leistungen von Internetservern verdoppeln oder gar verdreifachen kann. Die Telekom hat im Frühjahr 2011 begonnen, 1000-Megabit-Glasfaserleitungen zu verlegen. Damit sollen in zehn deutschen Städten bis Ende des Jahres Daten in Lichtgeschwindigkeit übertragen werden können. Und der UMTS-Nachfolge-Standard LTE wird irgendwann mobile Download-Raten von 100 Mbit ermöglichen.

Das allgegenwärtige Internet verlangt nach der Wolke

Die schiere Leistungssteigerung ist das eine. Die andere wichtige Entwicklung: Daten sollen auf beliebigen Plattformen jederzeit verfügbar sein. Nehmen wir das Beispiel Stromverbrauch: Der intelligente Stromzähler misst den Verbrauch und leitet seine Daten zur Abrechnung an den Versorger. Der Versorger muss aber nicht nur abrechnen, sondern aus den Daten der Vergangenheit auch noch den aktuellen Bedarf ermitteln und entsprechend Strom einspeisen. Und der eine Stromkunde will seine Abrechnung aus dem Netz aufs Handy runterladen, sein Nachbar möchte seine Abrechnung aber als PDF an seine E-Mail-Adresse geschickt bekommen. Das bedeutet: Die gleichen Daten müssen für beliebige Endgeräte verfügbar sein. Das Internet dient als Universal-Speicher und -Transportmedium. Cloud Computing wird dieses Prinzip genannt.

So praktisch die Datenwolke auch ist, sie könnte womöglich zur Schädlingsschleuder mutieren: Die verfügbaren Leistungen des Cloud Computing sind auch für Kriminelle verlockend. Der Deutsche Thomas Roth hat einen Verschlüsselungsalgorithmus der US-amerikanischen National Security Agency geknackt. Dabei hatte er ein Cloud-Angebot von Amazon genutzt. In seinem Blog schildert er, wie er sechsstellige Passwörter innerhalb von 49 Minuten knacken konnte - zum Preis von 2,10 Dollar pro Stunde für den Clouddienst. Auch die Hacker, die vor einigen Wochen 100 Millionen Kundendaten von Sonys Onlinediensten geklaut haben, sollen Amazons Cloud-Dienste genutzt haben.

Künstliche Intelligenz

Angesichts der Raffinesse der Angreifer wäre es zu wünschen, dass die Maschine mal so klug wird, dass sie sich quasi selbst beschützen kann. Die breite Öffentlichkeit konnte sich im Frühjahr 2011 von Watsons Klugheit überzeugen: Das Elektronenhirn aus dem Hause IBM hat in "Jeopardy" gegen zwei frühere menschliche Sieger der Quizsendung gewonnen. Bemerkenswert dabei: Die Fragen wurden nicht per Tastatur eingegeben, sondern mündlich gestellt. Und genauso mündlich beantwortet. Insbesondere die Sprachqualität war hervorragend. Zeit ist ein wesentlicher Faktor bei Jeopardy. Trotzdem hat die Maschine ihre Konkurrenten "deklassiert".

Gefunden in ...

Gefunden in ... "Vom Datum zum Dossier. Wie der Mensch mit seinen schutzlosen Daten in der Informationsgesellschaft ferngesteuert werden kann"; Astrid Auer-Reinsdorf, Joachim Jakobs, Niels Lepperhoff; d.punkt Verlag; 16,90 Euro

Seite 1: Auf dem Weg zum digitalen Klon
Seite 2: Eine neue Macht entsteht
Seite 3: Von den "Rohdaten" zum geklonten Menschen
 
 
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