19. Juli 2010, 17:10 Uhr

Warum manche Landschaftsfotos misslingen ...

... und wie Sie es besser machen können: Der dritte und letzte Teil der stern.de-Reihe mit Tipps für bessere Urlaubsfotos erklärt, wie man das perfekte Licht findet und was bei Wind und Wetter zu bedenken ist. Denn schöne Natur allein garantiert kein gutes Foto. Von Michael Hennemann

Digitalfotografie, Fotografie, Reise, Reisefotografie

Wenn die Sonne tief am Himmel steht, strahlt sie ein besonders warmes Licht aus©

Der Anblick raubt Ihnen schier den Atem: Ein in den letzten Sonnenstrahlen rot glühender Berggipfel spiegelt sich im glatt davorliegenden See. Jetzt nur noch auf den Auslöser drücken und fertig ist das perfekte Landschaftsfoto? In den meisten Fällen ist dieses Vorgehen zum Scheitern verurteilt, und Sie werden von den Fotos enttäuscht sein.

Der Grund ist schnell erklärt. Die Digitalkamera sieht anders als das menschliche Auge. Während unsere Augen rastlos das gesamte Blickfeld abtasten und das Gesehene ununterbrochen an das Gehirn weiterleiten, sodass wir alle Elemente einer komplexen Szene gleichzeitig erfassen können, zeichnet die Kamera immer nur einen begrenzten Ausschnitt der Wirklichkeit auf.

Außerdem fehlt dem Foto eine Reihe von Zusatzinformationen: Sie hören beim Blick auf das fertige Bild weder die Vögel zwitschern noch können Sie den Duft der Almwiese riechen. Der wichtigste Ratschlag für ein gutes Landschaftsfoto lautet daher: Finden Sie Ihren persönlichen Ansatz und wählen Sie den abgebildeten Ausschnitt mit Bedacht. Zeigen Sie lieber einen kleineren Ausschnitt, diesen aber verständlich und mit klarer Bildsprache.

Nur Geduld!

Geduld ist eine der wichtigsten Tugenden für Landschaftsfotografen, denn die Natur ist im ständigen Wandel. Während sich die Sonne im Tagesverlauf über den Himmel bewegt, ändert sich die Verteilung von Licht und Schatten ständig. Zusätzlich bringt jede Jahreszeit ihre Motive mit sich. Im Frühling knospen die Bäume, sprießen die Blumen, und die Farbe kehrt zurück in die Natur. Während eine Sumpflandschaft bei strahlendem Sonnenschein langweilig wirkt, erzeugt leichter Nebel in derselben Umgebung eine mysteriös-reizvolle Stimmung. Der Herbst bringt eine zart-melancholische Buntheit, und der Winter macht mit Schnee und Raureif karge Äste zu kleinen Kunstwerken.

Die beste Voraussetzung für gute Naturaufnahmen bietet daher nicht eine möglichst kostspielige Kameraausrüstung (sie schadet aber natürlich nicht), sondern die Freude am Spazierengehen und daran, draußen unterwegs zu sein. Nicht umsonst ist praktisch jeder berühmte Landschaftsfotograf auch ein großer Naturliebhaber.

Über den Autor Michael Hennemann ist als freischaffender Reisefotograf weltweit unterwegs. Er hat bereits einige erfolgreiche Bücher zur Fotografie und Bildbearbeitung verfasst. Sein umfangreiches Know-how aus der professionellen Aufnahmepraxis und dem digitalen Fotolabor gibt er gerne an alle weiter, die die Fotografie lieben.

Gefunden in ...

Gefunden in ... Digitale Fotografie - Der Meisterkurs, von Michael Hennemann. Verlag Markt+Technik, 29,95 Euro.

Seite 1: Warum manche Landschaftsfotos misslingen ...
Seite 2: Warten auf das perfekte Licht
Seite 3: Fotografieren bei Regen, Nebel und Dunst
Seite 4: Fotografieren in Schnee und Eis
Seite 5: Tipps für perfekte Landschaftsfotos
 
 
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KOMMENTARE (1 von 1)
 
germinal (19.07.2010, 21:34 Uhr)
Schade, ....
... daß dieser tolle Artikel erst heute erscheint. Wieviel Geld für Filme hätte ich damals sparen können, wenn ich das alles vor ein paar Jahren gelesen hätte.

Toller Artikel, prima erklärt.
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