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1. Dezember 2007, 07:14 Uhr

"Ja, ich bin Milliardärin"

Bald zehn Jahre an der Spitze des Internet-Auktionshauses Ebay haben Meg Whitman reich gemacht - aber ausruhen kann sie nicht: Das Interesse an Versteigerungen lässt nach, Verkäufe zum Festpreis werden immer wichtiger.

Meg Whitman beim stern-Interview im Berliner Hotel Adlon© Edgar Rodtmann

Frau Whitman, wir möchten eine Waschmaschine verkaufen. Warum sollten wir das bei Ebay machen?

Ebay ist der größte Marktplatz in Deutschland. Wenn Sie Ihre Waschmaschine online verkaufen wollen, haben Sie dort einfach deshalb die besten Chancen auf einen guten Preis, weil Sie die meisten Kaufinteressenten treffen.

Aber erst muss man sich anmelden, dann abwarten, bis die Auktion zu Ende ist, und dann womöglich noch eine schwere Waschmaschine durch ganz Deutschland schicken. Da gibt man doch lieber eine Online-Kleinanzeige mit Festpreis auf, die sich nur an Käufer am Wohnort richtet.

Sicher, das können Sie auch machen. Sie riskieren aber einen niedrigeren Preis. Und ich würde Ihnen dann natürlich Ebays Ableger Kijiji ans Herz legen - der macht genau so etwas.

Wenn Sie das schon selbst anbieten, fragt man sich, ob Auktionen ihren Reiz verloren haben. Als wir in Hamburg nach Waschmaschinen gesucht haben, gab es nur neue Geräte zum Festpreis. Alle Auktionen für gebrauchte Maschinen dümpelten bei einem Euro. Ist Ebay ein Auslaufmodell?

Überhaupt nicht. In Deutschland ist das Verhältnis von Angeboten zu tatsächlichen Verkäufen im weltweiten Vergleich sogar sehr hoch. Wir haben hierzulande 24 Millionen Nutzer. Es gibt sogar Käufer aus Osteuropa, die nach Deutschland kommen, um sperrige Artikel wie Ihre Waschmaschine abzuholen - obwohl ich zugeben muss, mich im Hamburger Waschmaschinenmarkt nicht so gut auszukennen.

Wie viele dieser angemeldeten Ebay-Nutzer kaufen und verkaufen denn wirklich regelmäßig etwas?

Mehr als 50 Prozent. Für eine Internetfirma ist das sehr viel.

Dennoch dominieren inzwischen Profis das Angebot bei Ebay. Die Zeiten des charmanten Internetflohmarkts mit skurrilen, lustigen Produkten sind vorbei. Man fühlt sich wie bei einem x-beliebigen Onlineversand.

Sie müssen die Entwicklung sehen: Ebay fing an mit Privatleuten, die Barbiepuppen und Matchboxautos an andere Privatleute verkauft haben. Dann kam eine Welle von Menschen, die merkten, dass sie aus ihrem Hobby einen Beruf machen konnten. In der dritten Welle sind wir zur Heimat für Tausende kleiner selbstständiger Händler in fast jedem Land der Erde geworden. Tatsächlich machen 20 Prozent unserer Verkäufer 80 Prozent des Umsatzes. Aber schauen Sie mal in Kategorien wie "Sammeln & Seltenes" oder "Kinderkleidung": Da gibt es nach wie vor mehrheitlich private Verkäufer. Wir haben mal ausgerechnet, dass die 39 Millionen deutschen Haushalte im Schnitt unbenutzte Gegenstände im Wert von 539 Euro haben, die sie über Ebay zu Geld machen könnten. Wenn Ebay Deutschland diese insgesamt 20 Milliarden Euro umsetzt, wäre mir das sehr recht.

Ist das Grundprinzip von Ebay, eine Internetplattform für Käufer und Verkäufer gegen saftige Gebühren anzubieten, nicht hoffnungslos veraltet - wo es heute doch unzählige werbefinanzierte Gratisangebote im Netz gibt?

Es gibt eben zwei Wege, im Internet Geld zu verdienen: Werbung oder Gebühren. Unsere Verkäufer bestätigen uns seit Langem, dass unsere viel gescholtenen Gebühren ein sehr preisgünstiger Weg sind, Käufer zu erreichen - übrigens auch im Vergleich mit Google, wo jeder Werbeklick den Verkäufer Geld kostet. Das bedeutet nicht, dass unsere Gebührenstruktur für alle Zeiten in Stein gemeißelt ist. Aber das Grundprinzip von Ebay funktioniert.

Warum ist Ebay dann mit etlichen Tochterunternehmen in anderen Bereichen tätig? Doorone.de, Shopping.com und Ebay Express zum Beispiel beschäftigen sich alle auf unterschiedliche Weise mit dem Verkauf zum festen Preis.

Wir probieren eben viele Dinge aus. Ebay Express war kein Erfolg in Deutschland. In den USA läuft es dagegen super. Und ich kann Ihnen nicht mal sagen, warum das so ist. Länder sind eben verschieden. Doorone.de war auch ein Versuch und lief nicht so gut.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 47/2007

Ebay in Zahlen Wachstum zu Ende? Ebay (gegründet 1995, seit 1999 auch in Deutschland) ist weltweit der größte Internetmarktplatz. Fast 250 Millionen Nutzer sind registriert. Anfangs machten gebrauchte Artikel und Sammlerstücke den Reiz des digitalen Flohmarkts aus, die Waren wurden meist von Privatleuten in Auktionen versteigert. In den vergangenen Jahren nahm die Zahl gewerblicher Verkäufer mit Festpreisen deutlich zu. Das Angebot reicht vom Auto bis zur Strampelhose. Häufiger Kritikpunkt sind die Einstellgebühren und Verkaufsprovisionen sowie das relativ komplizierte Verfahren beim Anbieten. In diesem Jahr sank in Deutschland erstmals die Zahl der eingestellten Artikel.

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