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22. September 2011, 21:15 Uhr

Facebook will alles wissen

Im Konkurrenzkampf mit Google zieht Facebook alle Register: Künftig soll man jedes Detail - vom Kochrezept bis zum Zeugnis - aus seinem Leben hinterlassen können. Archiviert für die Ewigkeit.

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Der unscheinbare Herr mit den roten Haaren revolutioniert sein Werk: Mark Zuckerberg erklärt die Neuerungen auf der Entwicklerkonferenz F8© Justin Sullivan/Getty Images/AFP

Ob beim Kochen oder Joggen, Musik hören und Filme gucken: Facebook will sich noch tiefer im Leben seiner 750 Millionen Mitglieder verankern. Das Online-Netzwerk kündigte am Donnerstag auf einer Entwicklerkonferenz etliche neue Funktionen an, mit denen Nutzer mehr aus ihrem Alltag preisgeben können. Musik, Filme und Nachrichten spielen dabei eine zentrale Rolle. Mit diesen Plänen beschwor das Unternehmen aus San Francisco allerdings sogleich Datenschutzbedenken herauf.

Wichtiger Bestandteil der zahlreichen Neuerungen ist die Möglichkeit, Medien zu empfehlen. Die Nutzer sollen ihren Freunden zeigen können, welche Musik sie gerade hören, welche Filme sie schauen oder welche Artikel sie lesen. Dafür richtet Facebook ein neues Tickerfenster ein. Zahlreiche Online-Videotheken, Musikdienste und Websites von Medienunternehmen kooperieren mit Facebook, darunter bekannte Namen wie Dienst Spotify, Netflix und das Wall Street Journal.

Der Lebenslauf auf Facebook

Das Online-Netzwerk Facebook will seine Nutzer mit überarbeiteten Profilen enger an sich binden. Mitglieder können auf einer Zeitleiste, der sogenannten Timeline, wichtige Ereignisse aus ihrem Leben in einem Magazin-artigen Layout zeigen. "So erzählt man die ganze Geschichte seines Lebens auf einer einzigen Seite", sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Donnerstag in San Francisco. Die Nutzer behielten die Kontrolle darüber, was andere über sie sehen könnten, betonte Zuckerberg auf der Entwicklerkonferenz F8. Die Funktion wird im Laufe der nächsten Wochen eingeführt.

Viele Beobachter äußerten dennoch Datenschutz-Bedenken. "Timeline ist die größte Invasion in die Privatsphäre in der Geschichte der Technologie", schrieb ein Twitter-Nutzer. Der Gartner-Analyst Michael Gartenberg kommentierte sarkastisch: "So können die Kids leichter Dinge online stellen, die sie später in ihrem Leben bedauern werden."

Hör die Musik, die deine Freunde hören

Facebook will zudem mit neuen Funktionen den Austausch unter seinen Nutzern anfachen. Sie sollen beispielsweise sehen können, welche Musik ihre Freunde gerade über den auf der Plattform eingebundenen Dienst Spotify hören, und selbst einschalten können. "Es ist erstaunlich, wie viel neue Musik man über seine Freunde entdecken kann", sagte Zuckerberg.

Mit diesen Änderungen facht das Unternehmen die Konkurrenz zu Google+ weiter an - dessen Betreiber Google hatte seinen Gegenentwurf zu Facebook jüngst für alle Nutzer geöffnet und mehrere technische Neuerungen angekündigt.

Rasanter Wandel der Plattform

Facebook stellt derzeit im Wochentakt Neuerungen vor. So hilft das Unternehmen seinen Mitgliedern seit kurzem, den Empfängerkreis von Informationen einzuschränken. Dafür erstellt die Software anhand der Profilinformationen automatisch Listen, etwa mit Kollegen, Verwandten oder Mitschülern. Nutzer können zudem öffentliche Einträge anderer Mitglieder abonnieren, ohne deren Facebook-Freund zu sein. Google+ bietet ähnliche Funktionen an.

Erst diese Woche hat Facebook Änderungen am zentralen Element seiner Website vorgenommen, dem Live Stream, in dem Nutzer alle Neuigkeiten aus ihrem Netzwerk sehen. Dies solle sicherstellen, dass dort auftauche, was man sehen wolle, erklärte Facebook.

swd/DPA
 
 
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