. .
Online-Neuigkeiten und Internet-Trends
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
9. April 2009, 16:18 Uhr

Gesetz gegen Raubkopierer scheitert

In Frankreich sollte ein Gesetz verabschiedet werden, das die Sperrung des Internetzugangs als Strafe für Raubkopierer vorsieht. Die Zustimmung der Nationalversammlung galt als reine Formsache. Doch der Entwurf scheiterte - aus absurden Gründen.

Frankreich, Three Strikes Out, Gesetz, Raubkopierer

Sarkozy hat eine Schlappe erlitten© Claude Paris/AP

Der Gesetzentwurf der französischen Regierung zum Kampf gegen Internetpiraten ist vorerst gescheitert: Die Nationalversammlung lehnte das Vorhaben, das eine Netzsperre für hartnäckige Raubkopierer und den Aufbau einer Internetpolizei vorsieht, völlig überraschend mit 15 zu 21 Stimmen ab. Die meisten Abgeordneten waren der Abstimmung einen Tag vor Beginn der Parlamentsferien fern geblieben, so dass die oppositionellen Sozialisten überraschend eine Mehrheit zustandebrachten.

Das vorläufige Scheitern ist eine Schlappe für Staatspräsident Nicolas Sarkozy, der sein Land zum Vorreiter im Kampf gegen illegale Downloads machen will. Nach der Abstimmung kündigte die Regierung an, ihren Entwurf in wenigen Wochen abermals einzubringen.

Dreh- und Angelpunkt des Gesetzes "zur Verbreitung und zum Schutz kreativer Inhalte im Internet" ist die Schaffung einer Art Internetpolizei. Die Hadopi genannte Behörde soll Raubkopierer, die illegal Musik oder Filme herunterladen, zunächst mit zwei E-Mails, dann per Einschreiben verwarnen. Wer dann weiter gegen das Urheberrecht verstößt, riskiert eine Netzsperre von zwei Monaten bis zu einem Jahr.

"Digitale Todesstrafe"

Die Sozialisten bezeichnen die Initiative als "ineffizient und nutzlos", weil sie nicht umgesetzt werden könne. Wegen der breiten Regierungsmehrheit in Nationalversammlung und Senat galt die Verabschiedung des Gesetzes dennoch als reine Formsache, zumal Senat und Nationalversammlung in erster Lesung bereits zugestimmt hatten. Die Ablehnung am Donnerstag sei "eine immense Freude", sagte Abgeordnete Patrick Bloche von der sozialistischen Partei (PS). Nach den Parlamentsferien am 27. April soll nun ein weiteres Mal über den Entwurf abgestimmt werden. Bei seiner Verabschiedung würde Frankreich der erste Staat, der die Forderung von Musik- und Filmindustrie nach Sanktionen gegen illegale Downloads in nationales Recht umsetzt. Verbraucherschutzorganisationen wie die UFC/Que Choisir warnen vor Eingriffen in die Bürgerrechte, weil neben der neuen Behörde auch private Fahnder der Industrie Zugriff auf die Kunden- und Verkehrsdaten der verdächtigen Internetnutzer erhalten sollen.

Andreas Maurer vom deutschen Provider 1&1 sieht in der drohenden Netzsperre eine "digitale Todesstrafe". Die Anbieter von Filmen und Musik hoffen hingegen auf einen "pädagogischen Effekt". "Der Nutzer wird einsehen, dass man den Preis zahlen muss, den Musikstücke kosten", sagte Hervé Rony vom Tonträgerverband SNEP.

Auch Provider sollen haftbar gemacht werden

Das Gesetz soll folgendermaßen greifen: Auf Hinweis der Industrie und der Urheber prüft die neue Behörde Verstöße gegen das Urheberrecht und meldet diese an die Provider der Raubkopierer. Der Nutzer wird in einer Datenbank erfasst und darf bei keinem anderen Internet-Anbieter einen Vertrag abschließen. Kommt der Provider der Anordnung zur Netzsperre nicht nach, droht ihm ein Bußgeld von 5.000 Euro. Damit verlieren die Internet-Anbieter ihren Status als neutrale Datenlieferanten und werden für die illegale Nutzung von Inhalten haftbar gemacht. Vertreter der Musikbranche wie U2-Manager Paul McGuiness hoffen, die französische Initiative könne international Schule machen. In Deutschland sind nach Angaben des Justizministeriums derzeit aber keine entsprechenden Gesetzesinitiativen geplant.

Tobias Schmidt/AP
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
minihami86 (11.04.2009, 02:19 Uhr)
Vielleicht...
sollte sich die Musikindustrie auch mal Gedanken darüber machen, dass das Anbieten einer Single mit lediglich einem richtigen Song plus einer angbelichen Akustik- und einer Instrumentalversion für 5 Euro pro CD einfach mal zu viel sind? Vielleicht sollten sie sich Gedanken darüber machen, wie sie die Leute zum legalen Musikerwerb anregen können? So zum Beispiel gibt es Bands, die Bonustracks auf eine Single packen, zudem das Musikvideo in guter Qualität. Auch bei Alben kann man sich diverse Verkaufsstrategien ausdenken. Zum Beispiel das Anbieten von Bonusinhalten bei Erwerb der CD oder einer innovativen Idee für die CD oder die Hüllen selbst. Dabei spiele ich insbesondere auf meine Lieblingsband an, soll hier aber nicht weiter namentlich erwähnt werden.
.
Zudem sind die Rechnungen der Musikindustrie generell absolut fragwürdig. Wie naiv muss man sein, um von der Annahme auszugehen, dass JEGLICHE illegal heruntergeladene Lieder normalerweise gekauft würden? Die meisten Leute holen sich vermutlich einfach Songs, weil sie es können. Gäbe es die Möglichkeit nicht, würden sie sich die CDs nie kaufen, dementsprechend gibt es in den meisten Fällen in dem Sinne auch kein Verlustgeschäft für die Musikindustrie. Der Vorteil hingegen ist, dass Sänger und Bands viel schneller bekannt werden können. Dadurch können dann zum Beispiel plötzlich Leute bei youtube entdeckt werden und bekommen direkt einen Plattenvertrag (ist natürlich eher die Ausnahme, aber es ist bereits vorgekommen).
.
Zu guter letzt finde ich echt toll, wie man solche aufwändigen Kontrollsysteme plant, während gleichzeitig hier in Deutschland die GEZ nach wie vor (angeblich) nicht in der Lage ist, die Gebühren nach Nutzungszeit abzurechnen. Hat mit dem Thema zwar nicht viel zu tun, aber ich finde diesen fiktiven Vergleich interessant.
Skaf (10.04.2009, 20:00 Uhr)
Idiotisch...
Was soll man schon von einer Industrie erwarten, die ein paar Jahre gebraucht hat, um einzusehen, dass das Internet der ideale Vetriebsweg ist. Und dass DRM niemandem etwas bringt, am allerwenigsten dem ehrlichen Kunden.
Jahrelang gab es ein paar verschiedene DRM-Systeme, natürlich untereinander inkompatibel, und meistens 128 Kbit/s-Musikdateien. Man war (außer bei iTunes) auf Windows beschränkt, das Kopieren auf Player und CDs war beschränkt, und wehe, man verlor die Lizenzdatei...
Die Musik- und Filmindustrie sollte erst mal zusehen, dass ein paar vernünftige Onlineshops zustandekommen, und dann über Raubkopierer meckern.
Wenn man jeden Song und jeden Film zu einem guten Preis, ohne DRM, in vernünftiger Qualität und verschiedenen Formaten online kaufen und gleich herunterladen könnte, wer würde dann noch dafür zur Tauschbörse greifen?
Es steht außer Frage, dass die Aktivitäten der Kunden einen Provider überhaupt nichts angehen sollten.
Styrbjoern (09.04.2009, 18:33 Uhr)
staatliche Kontrollsucht....
macht offensichtlich nicht an Deutschlands Grenzen halt. Da müssen wir Bürger aber ganz schön auf der Hut sein, sonst wird irgendwann noch jeder Klo-Gang protokolliert. Nicht, weil man es bräuchte, neehee, bloß weil's technisch geht und man weiß ja nie, ob derjenige, der da auf der Schüssel rumpupst, nicht sein Gas zum Bau einer Bio-Bombe benutzt.
MEHR ZUM ARTIKEL
China Pfadfinder jagen Raubkopierer

Wer in Hongkong Musik oder Filme über das Internet anbietet oder herunterlädt, kann ins Visier von Pfadfindern geraten. Uniformiert und längst nicht volljährig suchen die Jugendlichen im Auftrag der Zollbehörde nach illegalen Downloads. Kinder als Denunzianten - da werden Erinnerungen wach. mehr...

Europäischer Gerichtshof Dämpfer für Raubkopierer-Jäger

Der Europäische Gerichtshof in Luxemburg hat den Datenschutz über das Urheberrecht gestellt. Er erklärte eine Klage einer spanischen Plattenlabel-Vereinigung für nichtig, die einen Internet-Anbieter zur Herausgabe von Kundenadressen zwingen wollte. Aber: Nationale Gesetze können anders aussehen. mehr...

Illegale Downloads Darum geht es im Pirate-Bay-Prozess

Im Raubkopierer-Prozess gegen das schwedische Internetportal The Pirate Bay hat die Staatsanwaltschaft eine Schlappe erlitten: Sie muss die Hälfte der Anklagen fallen lassen, weil ihre Beweisführung in technischen Fragen lückenhaft war. Ein kompliziertes Verfahren. stern.de beantwortet, worum es überhaupt geht. mehr...

 
Partnerangebot Der stern.de-DSL-Vergleich Der stern.de-DSL-Vergleich Sparen bei DSL-Flatrates

Mit einem DSL-Tarif-Vergleich finden Sie einfach und schnell den zu Ihnen passenden Anbieter. Kostenlos, schnell und sicher! mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft