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15. September 2005, 15:35 Uhr
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Der Weg zum eigenen Blog

Online-Tagebücher, auch Blogs genannt, haben im Internet eine neue Kommunkationsflut ausgelöst. Vor allem, weil das Mitschwimmen so leicht ist - aber wie und warum "bloggt" man eigentlich? Von Nils Schmidt

Bloggen, bis das Keyboard glüht - täglich hauen allein 200.000 Deutsche für ihre Online-Tagebücher in die Tasten© DDP/stern.de

Im Internet ist die nächste Revolution im Gange. 60 Millionen auf der ganzen Welt nehmen daran teil - und jeden Tag werden es mehr. Es sind Menschen, die Visionen aus den Anfangstagen des Internets wahr machen, indem sie sich an einem neuen weltumspannenden Kommunikationsprozess beteiligen. Sie publizieren auf Webseiten, "die sich regelmäßig aktualisieren und auf denen neue Einträge oben stehen", wie die Urrevolutionärin Rebecca Blood zusammenfasst. Und das bis die Festplatte platzt. Mit den von ihnen befütterten "Weblogs" (eine Begriffs-Kombination aus "Web" und "Logbuch") bilden diese "Blogger" ein Informationsgeflecht aus Meinungen, Kommentaren und Informationen, das ständig wächst. Und das Beste: Jeder kann an dieser Revolution teilnehmen.

Wem das Tagebuchschreiben im stillen Kämmerlein zu einsam, die örtliche Zeitung zu unverfroren, oder das eigene Wissen zu wichtig ist, um es geheim zu halten, der wird seinen Spaß am Bloggen finden. Eigene Texte werden dabei mit Links und Bildern kombiniert und im Web veröffentlicht. Nicht selten steigen Leser per Antwortfunktion in die Diskussion ein. Dann wird die kommunikative Einbahnstraße zur pulsierende "Blogosphäre", wie sie der amerikanische Programmierer und Philosoph Jorn Barger mit seiner Website "Robot Wisdom" 1997 schuf.

Bloggen ist einfach

Selbst für technisch Unbedarfte ist Bloggen kein Problem. Denn lediglich drei Dinge braucht der Blogger: Erstens einen Computer mit Internet-Zugang, zweitens einen Provider und drittens Lust, sich mitzuteilen. Der Schritt zum eigenen Weblog führt am besten über eines der vielen Online-Publikationssysteme. Im Webbrowser kann der Blogger dort Texte, Bilder und Links in vorgegebene Oberfläche einpflegen. Diese HTML-Editoren arbeiten nach dem Prinzip "Was-Du-Siehst-Ist-Was-Du-Bekommst". Die Texte eines "Postings" (dt.: Artikel) werden wie bei Word in Schrift, Größe oder Farbe formatiert und dann entsprechend generiert. Im Vergleich zum "Alte-Schule-Bloggen" im Texteditor sind keinerlei Programmierkenntnisse mehr vonnöten - nach wenigen Klicks schießt der eingebene Beitrag ins Netz hinaus. Das Aussehen eines Weblogs lässt sich bei der Einrichtung mit Designvorlagen gestalten. Nicht immer ist das hübsch, aber meist sehr funktional.

Ein großer Reiz zur Teilnahme an der Blog-Revolution besteht darin, dass Einrichten und Betreiben eines Weblogs bei den großen Diensten wie blog.de, 20six.de oder blogg.de kostenlos sind. Während die Provider für den zuverlässigen Betrieb des "Blogs" sorgen und Speicherplatz zur Verfügung stellen, können Nutzer sofort lostippen - wann immer sie wollen. Wenn dann der Speicherplatz beispielsweise für Bilder nicht mehr ausreicht oder die eingeblendete Werbung nervt, kann der Nutzer durch ein kostenpflichtiges "Upgrade" Abhilfe schaffen. Stellt der Blog-Dienst zudem die entsprechende Schnittstelle bereit, so wird mit Programmen wie "w.bloggar" oder "Ecto" das "Posten" vom Desktop aus möglich - ohne Umweg über die Homepage des Dienstleisters und ohne Browser.

Bloggen ist kostenlos

Deutsche Blog-Dienste veröffentlichen die Seiten ihrer Blogger unter Adressen wie http://blogname.dienst.de. Für Durchblick in der "Blogosphäre" sorgen Blog-Verzeichnisse wie technorati.com, blogg.de oder blogstats.de. Wird ein "Posting" abgesetzt, meldet ein Blog diese Aktualisierung dort an - wenn der Betreiber zuvor seine Internetadresse zur Verfügung gestellt hat. Sekündlich listen die Verzeichnisse zuletzt aktualisierte Blogs auf und schlagen mit Suchfunktionen Schneisen in den digitalen Informationsdschungel.

Bei der Auswahl eines Providers gibt es Unterschiede, die alle Bald-Blogger kennen sollten. Blog.de ist zwar noch ein junger Dienst, verfügt aber über Editoren, die mit nahezu allen Browsern kompatibel sind. Die Layout-Vorlagen sind dagegen noch recht spartanisch gehalten. Blogger.com, der Dienst von Google, bietet mit 300 Megabyte viel Speicherplatz vor allem für Bilderfreunde und eine schnell Blog-Einrichtung in drei Schritten.

Bloggen ist vielseitig

Bei 20six.de kann man sogar per E-Mail Texte veröffentlichen oder Audio-Files in seinem Weblog einbinden. Eigene Layouts und knapper Webspace lassen Profis unbefriedigt, während Einsteiger dort gut aufgehoben sind. Üppig dagegen ist das Angebot bei blogg.de: 100 MB Speicher und beliebige Designs - allerdings gibt es viele Werbebanner. Am einfachsten gestaltet sich Bloggen wohl bei myblog.de - auf Suchfunktionen und grafische HTML-Editoren müssen Nutzer jedoch verzichten. Vor allem Teenies und Freunde des Internet Explorer vereint MSN Spaces. Fotoalben, Listen für Lieblingsmusik und viel Herzschmerz - hier sind Weblogs wirklich internetgewordene "Tagebücher".

Was zu einem wichtigen Punkt führt: der Nachbarschaft unter Revolutionären. Nur gemeinsam sind sie stark. Jeder Dienst vereint deshalb unter seinem Dach viele verschiedene Blogs zu einer "Community" (dt.: Gemeinschaft). Von intelligent bis unterirdisch. Darum gilt: Prüfe, wer sich an einen Provider bindet. Sonst könnte es passieren, dass ein unter Schweiß und Tränen erdachtes Essay über soziale Kälte neben einem Blog über Klingeltöne auftaucht. Wer dann noch an ein Impressum denkt und keine rechtswidrigen Inhalte in seinem Blog publiziert, dem steht in seiner Karriere als erfolgreicher Web-Revolutionär nichts mehr im Wege.

Online-Dienste zum Selberbloggen Weblog-Provider für jedermann:
blog.de
blogger.com
20six.de
blogg.de
www.myblog.de

Blog-Suche Volltext-Suche weltweit: www.technorati.com

Volltext- und Live-Suche deutsch: www.blogstats.de

Volltext- und Live-Suche deutsch: blogg.de

Google Blog-Suche:
zur Beta-Version

Verzeichnis englischsprachiger Blogs nach Aktualität und Popularität:
www.blo.gs

Von Nils Schmidt
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